Acht Fragen, fünf Länder, ein Fall: die Erfolgsformel der Elektromobilität

DELFIN – Dienstleistungen für Elektromobilität

Die Vor- und Nachteile von Elektromobilität werden fast schon gebetsmühlenartig rezitiert. Fehlt die Nachfrage oder mangelt es doch eher an Angebot? Reichweitenangst und Ladesäulenwüsten, uneinheitliche Ladestandards und scheinbar horrende Fahrzeugpreise bei nicht alltagstauglicher Modellauswahl sind fast schon Standardrepliken, im Wechsel mit Erfolgsmeldungen bei Ladeinfrastruktur, Batterieproduktion oder neu geplanten Modellen seitens großer Automobilhersteller. Ein wirklich klares Bild zu dieser Zukunftstechnologie zeichnet sich derzeit noch nicht ab.

Die Aufgabe der Forschung ist es, die tatsächlichen Entwicklungen und Potenziale genauer unter die Lupe zu nehmen und mögliche Auswege für Verbreitungsprobleme aufzuzeigen. Dabei gehen wir Wissenschaftler fast schon detektivisch vor: Wir befragen Zeugen, fotografieren Beweisstücke und Orte des Geschehens und werten unsere Aufzeichnungen akribisch aus. Nun öffnen wir die Akten und weihen Sie in die Geheimnisse erfolgreicher Elektromobilität ein.

Fahndung über die Grenzen hinweg

Elektromobilität ist gerade en vogue, und das nicht nur hier in Deutschland. Wir haben uns Einzelfälle aus vier weiteren Ländern angeschaut: Finnland, Estland, Dänemark und Norwegen. Unsere Zeugen waren Expertinnen und Experten im Bereich Elektromobilität, die vielversprechende Projekte leiten. Dabei haben wir uns auf konkrete Maßnahmen mit Dienstleistungsbezug konzentriert, um eine Ergänzung zu den technischen Entwicklungen – meist ist die Rede von Elektroautos und Ladeinfrastruktur – zu bieten. Ziel war es, die bisherigen Forschungsergebnisse im Licht der Praxis zu spiegeln, um weiter zu lernen. Ergebnis sind vier Fallstudien, die zur Auflösung unseres Falls »erfolgreiche Elektromobilität« neue heiße Spuren identifizieren.

Die Jagd nach der perfekten Dienstleistung…

Elektromobilität ist ein Paradigmenwechsel und ihre Einführung deshalb ein wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandlungsprozess. Zum Durchbruch verhelfen werden ihm nicht technische Innovationen, sondern eine langfristig angelegte Strategie, die Fahrzeuge und notwendige Infrastruktur in der optimalen Dosis in der Gesellschaft verankert und zusätzliche Mehrwerte schafft. Elektromobilität wird sich schrittweise im Alltag integrieren und die entscheidenden Wegbereiter werden technologienahe Dienstleistungen sein. Sie gestalten den Wandel reibungsloser und bequemer, unter anderem indem sie systemische Spannungen lösen und Brüche überbrücken. Mit ihnen eröffnen sich für Unternehmen neue Geschäftsmöglichkeiten, zum Beispiel in Form von Services, die das Laden angenehmer gestalten und die über direkt ladebezogene Dienstleistungen wie etwa den Ladevorgang selbst, Abrechnung oder Roaming hinausgehen. Innovative Geschäftsmodelle entstehen hierbei auch durch eine intelligente Neukombination bereits bekannter Dienstleistungen. Und: Spiel und Spaß sollten auch nicht zu kurz kommen. Gamification-Ansätze sind sowohl bei der Entwicklung als auch bei der Erbringung von Dienstleistungen empfehlenswert, nicht nur, weil die Kundenbindung unterstützt wird, sondern weil Kunden auch leichter motiviert werden können, Dienstleistungen gemeinsam mit Anbietern zu entwickeln. Der erfolgreiche Paradigmenwechsel hängt also davon ab, wie sehr die Technologie im Alltag überzeugt – und somit von den Nutzern und Nutznießern in Form von Kunden, Unternehmen und anderen Stakeholdern übernommen wird.

… und nach Mr. X

Die große Unbekannte im Falle der Elektromobilität ist also der Kunde, wie wir ihn heute kennen – und noch viel mehr der Kunde der Zukunft, den wir erst noch kennen lernen müssen. Mit diesem »Mr. X« der Elektromobilität und seiner Entschlüsselung beschäftigen wir uns in einem folgenden Beitrag. Folgen Sie unseren Meldungen aus dem Projekt DELFIN oder besuchen Sie unseren Stand auf der eCarTec Munich 2016. Die Fallstudienergebnisse können Sie in der vollständigen Publikation im Detail nachlesen. Sie steht Ihnen zum kostenfreien Download zur Verfügung. Gerne helfen wir Ihnen auch persönlich bei der Entwicklung von Dienstleistungen weiter, nehmen Ihre Kunden genauer unter die Lupe und prüfen Ihre Geschäftsmodelle auf Herz und Nieren. Nehmen Sie einfach Kontakt zu mir auf.

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Sabrina Lamberth-Cocca

Sabrina Lamberth-Cocca

Projektleiterin, erforscht Dienstleistungssysteme und deren Entwicklungsprozesse. Wirtschaftsinformatikerin und Kommunikationswissenschaftlerin mit Affinität zu den Themen Ökologie, Informationstechnologie und urbane Mobilität. Faible für Philosophie, Wortspiele und nordische Länder. Lernt Dänisch, Schwedisch und Norwegisch. Passionierte Freizeitsportlerin, die sich gerne am Schlagzeug entspannt.

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