Alexa, Cortana, Siri und Co.: Wie digitale Assistenten die Internetnutzung revolutionieren

Digitale Assistenten sind so genannte persönliche Berater, die auf Basis unserer natürlichen Sprachen mit dem Kunden interagieren können. Das bekannteste Beispiel ist wahrscheinlich »Siri« von Apple. Daneben gibt es mittlerweile auch »Alexa« (Amazon), »Cortana« (Microsoft), »Google Now«, »Facebook M« oder aber »Samantha« aus dem Film »Her« von Joaquin Phoenix, die als Betriebssystem und künstliche Intelligenz sogar eine freundschaftliche, später dann eine intimere Beziehung mit dem Hauptdarsteller aufbaut. Doch die nette Ansprache durch unsere digitalen Alltagsbegleiter ist nur eine Seite einer tiefgreifenden Umwälzung. Die Nutzung klassischer Suchmaschinen wie Google, Bing oder Yahoo könnte uns in naher Zukunft vorkommen wie die Lochkarten-Computer aus den 60er Jahren.

Sprachinteraktion als Schlüssel zur interaktiven Computer-Nutzung

Sprachinteraktion ist eine alt bekannte Technologie. Durch Cloud-basierte Systeme wird sie uns in Zukunft eine neue Dimension der Interaktion mit unseren Computern erschließen: Die verteilte Rechenleistung und der schnelle Datenzugang mittels Cloud-Computing ermöglichen eine effiziente und zielgerichtete Verarbeitung der Sprachdaten. Relevante Antworten auf Basis des in der Cloud gespeicherten umfassenden Nutzerwissens können nun viel präziser, passgenauer und ohne Zeitverzug durch Lernprozesse der technischen Systeme geliefert werden. Die Systeme werden »intelligenter« und können sowohl Informationen bereitstellen als auch Aktionen ausführen, wie z.B. Online-Einkäufe, Reservationen in Restaurants, Reiseplanungen und -buchungen oder aber Terminierung von Meetings. An die Stelle der Steuerung von Computern mittels Eingaben und Befehlen wird die menschliche Intuition als zentrales Steuerungsmoment treten. Unsere Computer verstehen dann nicht mehr nur, was wir sagen, sondern auch, wie wir es meinen.

Durch die zunehmende Digitalisierung des Alltags und die Allgegenwärtigkeit des Internets wird die Sprachinteraktion weiter stark an Bedeutung gewinnen, da die Systeme immer kleiner und verteilter werden und in Zukunft wahrscheinlich kein haptisches Interface zur Eingabe benötigen. Ob Sprachinteraktion im Auto, mit dem Fernseher, im Haushalt, beim Sport etc., all das wird in Zukunft »normal« sein. Schon jetzt gibt es neben dem Smartphone die ersten Geräte – wie z.B. die Apple Watch oder aber Amazon Echo – die eine situative Interaktion auf diese Art und Weise ermöglichen.

Digitale Assistenten werden die neuen Gatekeeper im Internet

Zum einen besteht nun die einmalige Chance, traditionelle Suchmaschinen wie z.B. Google abzulösen, zum anderen besteht jedoch auch die Gefahr, in die Ökosysteme der einzelnen Internet-Riesen abzudriften. Hierbei stellt sich nämlich genau die Frage, ob »Siri« in Zukunft wertefrei einfach Skype von Microsoft aufrufen bzw. Dienste fremder Ökosysteme nutzen wird, was heute leider noch nicht der Fall ist. Amazon bietet demnach mit »Alexa« aktuell das umfangreichste und attraktivste Angebot für digitale Assistenzen, da der Konzern über einen eigenen Warenshop verfügt und somit angefragte Transaktionen und Kaufentscheidungen direkt bedienen kann und dazu auch noch den entsprechenden Lieferdienst anbietet.

Eines steht fest: Googles aktueller Marktanteil von 95 Prozent bei der Suche in Deutschland und damit dem universellem Zugang zur Vielfalt des Internets wird abnehmen und sich auf die digitalen Assistenten verteilen. Die Frage ist nur, welcher von den aktuellen Anbietern sich durchsetzen wird oder ob sich nicht ein ganz neuer plattformübergreifender Assistenzdienst am Markt etablieren könnte. Die ersten Startups sind schon vorhanden. Insbesondere die kleineren, aufstrebenden Unternehmen werden es schwerer haben, im Internet »Sichtbarkeit« zu erlangen und eine neue Methodik zur Suchmaschinenoptimierung bzw. digitaler Assistenzoptimierung entwickeln müssen.

Wenn Sie mehr zu der Digitalisierung des Kundenkontakts erfahren wollen, nutzen Sie unser Online-Angebot unter: http://www.hci.iao.fraunhofer.de/de/leistungsangebot/Digitalisierung.html.

Johannes Jüngst

Johannes Jüngst

Johannes Jüngst hat das Institut 2016 verlassen.

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