Alleine innovieren oder vernetzt erfolgreich sein? Ergebnisse eines Pilotseminars am Fraunhofer IAO

Neue technische Produkte und Lösungen lassen sich heutzutage fast nicht mehr alleine entwickeln und herstellen. Für eine Vielzahl an Produkten und Lösungen werden verschiedene fachliche Kompetenzen benötigt, die ein Unternehmen alleine nicht mehr aufbringen kann. Die neuen Erfolgsfaktoren für Innovativität heißen deshalb für viele Unternehmen nicht mehr Erfindergeist oder Ideenentwicklung, sondern Netzwerkfähigkeit und Austausch mit Fachleuten anderer Unternehmen. Gerade im branchenübergreifenden Austausch können neue Ideen und Technologien gefunden werden, die in der eigenen Branche bisher unbekannt waren. Genau da haben wir vom IAO angesetzt und mit einem neuen Seminarkonzept Unternehmen gezielt dabei unterstützt, Kooperationen anzubahnen. In der dreitägigen Seminarreihe »Vernetzt zu Innovation« haben Teilnehmer verschiedener Branchen aus der Region Stuttgart gemeinsam neue Ideen und Projekte im Bereich Materialtechnologien identifiziert.

Über den Tellerrand blicken: Die neuen Erfolgsfaktoren des Innovierens
Innovationsprozesse zwischen verschiedenen Unternehmen haben auch uns als die begleitenden Moderatoren vor neue Herausforderungen gestellt. Zunächst mussten bei den Teilnehmern selbst die Voraussetzungen für interaktives Innovieren geschaffen werden. Wir haben in kurzen Trainingseinheiten in Form von Expertenvorträgen über die drei Tage verteilt Wissen über Innovationsprozesse, Open Innovation, geistiges Eigentum und Vertrauen gezielt vermittelt. Nach einer jeweiligen Trainingseinheit wurden die eigenen Fachthemen im Bereich Materialtechnologie in moderierten Workshops behandelt. Diese Mischung aus fachlichem Arbeiten und gezielter methodischer Unterstützung hat aus dem Seminar eine Plattform für übergreifendes Denken, wechselseitiges Inspirieren und gemeinsames Projektieren werden lassen. Unsere methodischen Erfolgsfaktoren waren dabei:

  • Vorbereitung und Struktur des Workshops: Es müssen fokussierte Fragen in dem Technologiebereich, der für die Teilnehmer von höchstem Interesse ist, gestellt werden. Die Fragen sollten offen formuliert sein und Diskussionen zulassen.
  • Zusammenstellung der Gruppe: eine gute Durchmischung aus verschiedenen Branchen und maximal 15 Personen.
  • Anzahl der Seminartage: mindestens 2 Termine, nicht weniger. Sonst bleibt für die Kennenlernphase wenig Zeit und das Vertrauen stellt sich nicht ein.
  • Kombination aus Theorie und Praxis: Durch die Vorträge zu Methoden und Werkzeugen des Innovationsmanagements wurde bei den Teilnehmern Wissen aufgebaut.
  • Offenheit: Alle oben genannten Punkte helfen nichts, wenn die Teilnehmer nicht eine gewisse Offenheit, Ehrlichkeit und Bereitschaft zum konstruktiven und fachlichen Austausch mitbringen.

Netzwerken als Innovationsschub
Für die Teilnehmer bedeutet eine dreitägige Seminarreihe natürlich einen hohen zeitlichen Aufwand. Im Verlauf unseres Seminars zeigte sich jedoch, dass dieser Aufwand sinnvoll investiert war. Vor allem die entstandenen Netzwerke und persönlichen Kontakte dürften sich als wertvolle Grundlagen für zukünftige Innovationen erweisen. Branchenübergreifende Innovationsseminare stellen für die Teilnehmer einen Marktplatz aus Angebot und Nachfrage für zukünftige Kooperationen dar und bieten eine Inspirationsquelle für neue Ideen. Die vorgestellte Seminarreihe fand im Rahmen des EU-Projekts »Hybrisectors – Open Innovation in sectors with potential hybridation« des Instituts für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement IAT der Universität Stuttgart statt, mit dem das IAO eng zusammenarbeitet. Hybrisectors ist ein Sub-Projekt von EURIS (European Collaborative and Open Regional Innovation Strategies), einem europäischen Kooperationsprojekt, das durch die EU-Initiative INTERREG IVC mit Geldern des Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) finanziell unterstützt wird.

http://hybrisectors.euris-programme.eu/
http://www.euris-programme.eu/en/homepage