Bye bye Home Office, auf Wiedersehen flexible Arbeitswelt?

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Yahoo-Chefin Marissa Mayer hat beschlossen, dass Yahoo-Mitarbeiter nicht länger von zu Hause aus arbeiten dürfen. Schnelligkeit und Qualität würden oftmals leiden, wenn man von Zuhause aus arbeite, heißt es zur Begründung bei Yahoo.

Überraschend kommt diese Nachricht auch gerade deshalb, weil global gesehen der Trend eindeutig in die andere Richtung läuft, sprich zu mehr Flexibilität bei der Wahl von Arbeitsort und Arbeitszeit. Die Reaktionen auf diese Ankündigung fallen daher auch im Großen und Ganzen negativ aus. Die meisten Kommentatoren gehen davon aus, dass Mayer und Yahoo sich damit keinen großen Gefallen tun werden und es nicht lange dauern wird, bis der erste Mitarbeiter seinen Job bei Yahoo kündigt und woanders, also womöglich bei der Konkurrenz, anheuert.

Präsenzkultur statt Leistungsorientierung?

Dazwischen gibt es aber auch die ein oder andere Stimme, die befürchtet, Yahoo könnte damit einen großen Trend anstoßen und weitere Unternehmen dazu bewegen, das Rad zurückzudrehen und künftig flexible Arbeitsweisen wieder stärker einzuschränken.

Nun stellt sich also die Frage, ob mit Yahoos Entscheidung tatsächlich der Weg zurück zur Präsenzkultur eingeschlagen wurde?

Ich glaube: nein. Die aktuell geführte Diskussion wird dem Thema nicht gerecht, denn dabei wird fast ausschließlich zwischen zwei Möglichkeiten unterschieden: Entweder geht man ins Büro zum Arbeiten oder man arbeitet von zu Hause aus. Ganz unabhängig davon, ob man dies nur für einen halben Tag oder die ganze Woche tut (in schönstem Bürokraten-Deutsch nennt man das „fallweise häusliche Arbeit“). Und eigentlich geht es doch um viel mehr als die Wahl zwischen zwei Arbeitsorten. Zahlreiche Studien zeigen, dass die Möglichkeit frei entscheiden zu können, wann und wo man arbeitet, erheblich dazu beiträgt, dass Mitarbeiter zufriedener sind, sich wohler und letztendlich insgesamt produktiver fühlen. Und genau darum sollte es auch gehen! Nicht umsonst lautet eines der großen Schlagworte unserer Zeit »Work-Life-Integration«. Viele Überlastungsreaktionen ließen sich sicherlich vermeiden, wenn man die alltäglichen Herausforderungen von Berufs- und Privatleben flexibler handhaben könnte.

Der Grundgedanke, den man bei Yahoo jetzt hatte, ist sicherlich auch richtig: Wenn die Mitarbeiter ins Büro kommen ist klar: Hier geht es um die Arbeit, hier treffe ich meine Kollegen, hier tausche ich mich mit ihnen aus. Hier bekomme ich aus erster Hand mit, was aktuell die Kollegen, mein Team und mein Unternehmen als Ganzes bewegt. Aber das ist nun mal auch nur die halbe Wahrheit. Kreativität und Ideenfindung sind genauso wenig an Zeit und Ort gebunden wie die Herausforderungen, denen wir uns täglich im Berufs- und Privatleben stellen müssen, sich einem festen Tagesablauf unterordnen können. Von 9:00 bis 17:30 Uhr findet die Arbeit und zwischen 6:00 und 9:00 Uhr sowie zwischen 17:30 und 22:00 Uhr findet das Privatleben statt? Das funktioniert so einfach leider nicht.

Schon heute übernimmt jeder zweite Büroangestellte Verantwortung für andere. Typischerweise handelt es sich dabei um Kinder oder aber auch um Haustiere. In Zukunft werden es aber auch zunehmend ältere Verwandte sein, die privat gepflegt werden müssen. Es ist daher fraglich, ob man wirklich kreativ und produktiv arbeiten kann, wenn beispielsweise das Kind krank zu Hause liegt? Wäre es vielleicht zielführender, man könnte den Vormittag zu Hause bleiben, sich um das Kind kümmern, dabei unter Umständen zumindest einige Routine-Aufgaben erledigen (Email o.ä.)? Ins Büro komme ich dann zwar erst nachmittags und nur noch für wenige Stunden, dafür aber mit freiem Kopf.

Zukunft der Arbeit – mehr Flexibilität

Die Zukunft der Arbeit wird unserer Meinung nach eher noch flexibler sein als sie es heute schon in Ansätzen ist. Vor allem von den Arbeitsorten erwarten wir eine weitere Diversifizierung, sodass wir unseren individuellen Arbeitsorte-Mix zusammenstellen. Für die meisten wird das Büro sicherlich der Kern ihrer Arbeitstätigkeit bleiben. Dort finde ich Infrastrukturen vor, die ich für meine Arbeit benötige und die ich mir aus Platz- und/oder Kostengründen so nicht zu Hause vorhalten kann. Dort findet auch der Großteil meiner Kommunikation und Interaktion mit den Kollegen statt. Gelegentlich arbeite ich dann aber nicht nur zu Hause, sondern suche andere, inspirierende Arbeitsorte auf, beispielsweise ein Coworking Center.

Wie das Zusammenspiel von mehreren Arbeitsorten aussehen und wie die Arbeitswelt der Zukunft zu einer verbesserten Work-Life-Integration beitragen kann, haben wir in unserem kürzlich veröffentlichten Video »Arbeitswelten 4.0 – Wie wir morgen leben und arbeiten«

Dennis Stolze

Dennis Stolze

Projektleiter im Competence Center »Workspace Innovation«. Er forscht daran, wie die Zukunft der Büro- und Wissensarbeit aussieht und was smarte Arbeitskulturen und Arbeitsräume ausmacht.

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