Car Office statt Home Office? Wie sich die Automatisierung auf unseren Tagesablauf auswirkt

Wie könnte sich unser gewohnter Tagesablauf durch die Automatisierung von Fahrzeugen ändern? Viele der frühmorgendlichen Beschäftigungen wie Schlafen, Körperpflege, Kleidungswechsel oder Frühstücken lassen sich im autonomen Fahrzeug während einer Fahrt durchführen. Wenn diese Tätigkeiten von unserem Zuhause in das Automobil verlagert werden, könnten wir später aufzustehen oder einen weiteren Anfahrtsweg auf uns nehmen und trotzdem früher als heute an der Arbeitsstätte ankommen. Wenn es der Job erlaubt, könnten außerdem geschäftliche Aufgaben im Auto ausgeführt werden. Arbeitsbeginn und -ende, Mittagspausen oder Meetings an verschiedenen Standorten würden vom Arbeitsort entkoppelt. Aus dem Home Office könnte eine Art Car Office werden.

Während der Heimfahrt könnten darüber hinaus Sporteinheiten wie beispielsweise Rudern im Auto durchgeführt oder Lebensmittel und andere Konsumgüter bestellt werden, die wir wiederum fertig verpackt an definierten Distributionspunkten abholen könnten. Auf diese Weise lässt sich zusätzliche frei verfügbare Zeit außerhalb des Autos schaffen.


Mögliche Auswirkungen der Automatisierung auf den Alltag

 

Das Marktpotenzial durch Services während der Fahrt ist signifikant

Die Automatisierung von Fahrzeugen kann sich also durch die freiere Nutzbarkeit der Fahrtzeit deutlich auf unseren Alltag auswirken und zusätzliche frei verfügbare Zeit schaffen – ein immaterielles Gut, für das viele Menschen bereit sind, zu bezahlen. Im Rahmen der Studie fanden wir heraus, dass heutigen Autofahrern über alle befragten Länder hinweg eine zusätzliche frei nutzbare Stunde im Durchschnitt 16 € wert ist. (The Value of Time) Die Befragten gaben zudem an, dass sie bereit sind, für die Nutzung von Services zur Unterstützung von Tätigkeiten während der Fahrt in einem hochautomatisierten oder autonomen Fahrzeug insgesamt rund 150 € beziehungsweise 190 € pro Monat auszugeben. Dies entspricht auch unter der Annahme einer langsam zunehmenden Diffusionsrate der Automatisierungs- und Vernetzungstechnologie einem potenziellen Marktvolumen von mehreren Milliarden Euro für Mehrwertdienste während der Fahrt alleine in Deutschland im nächsten Jahrzehnt.

Die Zahlungsbereitschaften sind stark abhängig von persönlichen Präferenzen und der konkreten Situation. Umso wichtiger ist es für die Entwicklung von entsprechenden Services zu wissen, wer die zahlungsfreudigsten Menschen für die Ausübung von Services während der Fahrt sind. In unserer Studie The Value of Time haben wir beispielsweise ermittelt, dass in Kalifornien lebende Männer im Alter zwischen 25 und 35 Jahren, die in leitender Funktion mit entsprechend hohem Gehalt angestellt sind, über eine Stunde täglich in ihrem SUV oder Mittelklasse-Fahrzeug verbringen und mehr als 19 000 Kilometer pro Jahr fahren, die höchste Zahlungsbereitschaft aufweisen.

Sollten Sie Interesse an spezifischen Auswertungen beispielsweise auf Fahrzeugmodellebene haben, die über die in der Studie The Value of Time veröffentlichten Erkenntnisse hinausgehen, würden wir uns freuen, wenn Sie mit uns in Kontakt treten.

»The Value of Time – Nutzerbezogene Service-Potenziale durch autonomes Fahren«

Die Studie The Value of Time wurde im April 2016 veröffentlicht. Im Rahmen der Studie wurde zur Untersuchung der Transformation des Fahrerlebnisses im Zuge der Automatisierung von Fahrzeugen eine Nutzerbefragung in Deutschland, den USA und Japan sowie eine Expertenbefragung mit namhaften Vertretern aus der Industrie vorgenommen. Die insgesamt 1500 Nutzer wurden in zwei Szenarien, die sich im Automatisierungsgrad der Fahrzeuge unterscheiden, dazu befragt, welchen Tätigkeiten sie während der Fahrt mit welcher Priorität und Häufigkeit nachgehen wollen, wie viel sie bereit sind dafür zu bezahlen und wie viel ihnen eine Stunde mehr Freizeit wert (Value of Time) sind. Daraus wurde ein Marktpotenzial für die in unserem Modell jeweils zu Service-Gruppen gebündelten Tätigkeiten abgeleitet. Die Industrieexperten aus verschiedenen Wertschöpfungsebenen wurden wiederum befragt, auf welche Service-Gruppen sie ihre Entwicklungsarbeit fokussieren, wie sie die Entwicklung zur Bereitstellung von Tätigkeiten während der Fahrt einschätzen und wie hoch sie die Zahlungsbereitschaft der Nutzer bewerten. Die Ergebnisse aus beiden Befragungen wurden schließlich gegenübergestellt, um herauszufinden, ob die Erwartungen und Bedürfnisse der Nutzer und Industrieexperten übereinstimmen und ob infolgedessen ein Markt zustande kommt.

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