Der demografische Scheideweg: Investieren wir heute in die notwendigen Maßnahmen?

Sie sind der Meinung, dass nur solche Unternehmen schwerwiegende Entscheidungen treffen müssen, wie sie zukünftig agieren wollen, deren Branchen vom Fachkräftemangel besonders betroffen sind? Weit gefehlt. Heute sitzen alle Branchen in der Demografiefalle. Entweder buhlen die Unternehmen in den kommenden zehn Jahren erfolgreich um Nachwuchskräfte, verändern sukzessive Geschäfts- und Ertragsmodelle oder schöpfen verborgene Potenziale ihrer Mitarbeiter aus, um der steigenden Arbeitsverdichtung die Stirn zu bieten.

Firmen in der Demografiefalle: Trifft es die Branchen mit dem angekündigten Fachkräftemangel am härtesten?

Schauen wir uns den Mythos in der IT-Branche an. Dort könnten weit mehr Akademiker beschäftigt werden als derzeit, das ist richtig. Die IT-Branche baut aber systematisch Prozesse und Strukturen auf, um ihre Dienstleistungen zu erbringen. Ein großer Vorteil, denn dieses Know-how ist ebenso dafür nützlich, um Mitarbeiterpotenziale weiter zu fördern.

Die große Lücke der Zukunft wird uns vielmehr bei den Facharbeitern begegnen, die eine betriebliche Lehre bzw. Berufsfachschule absolviert haben. Über alle Branchen hinweg.

Und ganz besonders schnappt die Demografiefalle dort richtig zu, wo Arbeitsbedingungen und Qualifikationsanforderungen im Argen liegen. Nehmen wir das Beispiel Gastgewerbe. Dort sind hohe körperliche Belastungen durch ständiges Arbeiten im Stehen und Gehen, verbunden mit Tragen und Heben bei häufig ungünstigen klimatischen Bedingungen wie Hitze und Kälte sowie bei schlechter Belüftung gang und gebe. Das oftmals zu wenig angesetzte Personal ist durch eine zu hohe Arbeitsbelastung starkem Stress ausgesetzt, insbesondere in den Mittags- und Abendzeiten oder aber auch am Hotelempfang morgens beim Auschecken. Darüber hinaus spricht man von sogenannten »Schaukelschichten«: lange und ungünstige Arbeitszeiten, z.B. durch Teildienst, an Wochenenden und an Feiertagen. Obendrein sind die oftmals schlechte Bezahlung, schlechte Qualifizierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten und die anstrengenden Arbeitszeiten schwer mit familiären Verpflichtungen und Freizeitbedürfnissen vereinbar.

Worst-Case-Szenario: Verrentungswellen und Versetzungsketten legen die Wertschöpfung lahm

Besser verständlich wird die demografische Herausforderung, die neben dem Gastgewerbe insbesondere auch Pflege und Handwerk droht, wenn man sich Organisationen anschaut, die über Jahre hinweg keine Einstellungen vornehmen konnten oder gar Stellen abgebaut haben. Ob privatwirtschaftlich begründet oder durch regulative Vorgaben diktiert, diese Organisationen konnten nicht frühzeitig Weichen stellen und müssen nun mit entsprechenden Zukunftsaussichten kämpfen: Ein Unternehmen unserer Studie »Alternsgerechtes Arbeiten« verliert in den kommenden zehn Jahren 30 Prozent der Belegschaft allein durch Verrentung. Wer meint, dass in zehn Jahren jede dritte Stelle neu besetzt wird, ist auf dem Holzweg. Berücksichtigt man interne Versetzungsketten mit, ist die Anzahl zu besetzender Stellen zwei- bis dreimal so hoch! Und spätestens jetzt wird wahrscheinlich deutlich, welche hohen Investitionen allein in Wissenserhaltung fließen müssen und wie knapp hier Wertschöpfung auf Kante genäht sein wird.

Also, vertrödeln Sie nicht die verbleibende Zeit, kümmern Sie sich um eine demografierobuste Belegschaft und alternsgerechte Arbeitsbedingungen und stellen Sie jetzt die Weichen: Werden Sie zu einem »sorgenden Unternehmen«, das in die Selbstorganisation und Eigenverantwortung der Mitarbeitenden und Führungskräfte investiert.

Das Management ist willig, doch die Umsetzung ist schwach

Leider kommt unsere Studie »Alternsgerechtes Arbeiten« zu dem Befund, dass Geschäftsführer und Personaler den Handlungsbedarf zwar erkennen, aber die Planung und die Umsetzung der Maßnahmen hinterher hinken. Aber eine Entscheidung im Kopf allein reicht nicht. Die Entwicklung zum »demografiebeständigen« Unternehmen braucht eine Gestaltungskultur, muss mit Kopf und Herz gelebt, muss durchgängig ausgestaltet werden.

Es bedarf vor allem zunächst der strukturierten Analyse – und die fehlt laut unserer Studie noch in zu vielen Unternehmen! Und zwar braucht es nicht nur eine interne Altersstrukturanalyse, sondern auch den Blick nach außen und die genaue Vorstellung, wie Sie die Qualität der eigenen Arbeitsgestaltung zu verbessern gedenken.

Erfahren Sie in meinem kommenden Beitrag mehr über den Schnell-Check zum demografierobusten Unternehmen und über das Fünf-Phasen-Modell zu dessen Entwicklung!

Leselinks: