Deutschland 2050: Willkommen in der Elektromobilen Stadt

Wir schreiben das Jahr 2012 – die elektromobile Wirklichkeit ist zu großen Teilen noch auf Pilotversuche und Flottentests beschränkt, und unsere Städte entsprechen noch weitgehend den traditionell Strukturen. Die »Elektromobile Stadt« ist heute noch ein faszinierendes Zukunftsszenario – doch diese Zukunft hat bereits begonnen. Im »Land der Ideen« und der automobilen Vordenker arbeiten heute bereits tausende Fachleute an der Stadt der Zukunft, in der Elektromobilität und eine neue, informations- und mobilitätsbasierte Kultur das Leben ihrer Bewohner bestimmen. Wie wird diese Vision Wirklichkeit? Wo steht die deutsche Forschung und Wirtschaft heute und was sind die Schritte auf dem Weg der Veränderung? Für ein Land, das seinen Wohlstand zu großen Teilen seiner Fähigkeit zur Innovation, seiner Hochtechnologie und nicht zuletzt seiner Autoindustrie verdankt, sind diese Fragen existenziell.

Die Roadmap Elektromobile Stadt
Das Fraunhofer IAO hat im Rahmen des Förderprogramms »Elektromobilität in Modellregionen« des BMVBS eine Roadmap entworfen, die die vielfältigen technologischen, sozialen und wirtschaftlichen Faktoren auf dem Weg zur Elektromobilen Stadt in konkreten Szenarien bündelt und eine Entwicklungslogik auf dem Weg zur Elektromobilen Stadt darstellt. Dabei orientieren wir uns an der Zielsetzung der Europäischen Kommission in ihrem »Weißbuch Verkehr«: 100 Prozent emissionsfreier urbaner Verkehr im Jahr 2050.
Begeben wir uns auf eine Zeitreise in fünf Szenarien:

Meilenstein der Gegenwart: Im Jahr 2011/2012 haben wir das Stadium der technischen Tests und der Entwicklung erster Prototypen bereits verlassen. Aus zahlreichen Feldversuchen, die teilweise bereits in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts initiiert wurden, konnten alltagstaugliche Fahrzeugsysteme entwickelt werden, die heute in Modellregionen-Projekten wie »Ludwigsburg elektrisiert« auf ihre Alltagstauglichkeit hin getestet werden. Von einer nennenswerten Marktdurchdringung von E-Fahrzeugen und entsprechenden Ladeinfrastruktur- und Mobilitätskonzepten sind wir jedoch noch weit entfernt.

Meilenstein 2020 – die E-Flotten-Stadt: In der kommenden Dekade werden Elektrofahrzeuge zu ernstzunehmenden Verkehrsmitteln in wirtschaftlichen Konzepten, vor allem im Einsatz in großen Fuhrparkflotten (rund zwei Drittel der zugelassenen Fahrzeuge). Als Flottenfahrzeuge verlassen die Elektromobile die Versuchsnische und spielen ihre spezifischen Vorteile wie niedrige Nutzungskosten, Lärm-, Abgas-, und Geräuscharmut und Vernetzung mit neuen Informationstechnologien aus. Dabei werden diese Elektromobile, um eine wirkliche CO2-Einsparung zu erzielen, nahezu ausschließlich mit Strom aus regenerativen Energiequellen versorgt.

Meilenstein 2030 – die vernetzte intermodale Stadt: Im Jahr 2030 finden wir unsere Städte äußerlich noch wenig verändert – aber das Konzept einer Stadt als sozialer Raum ändert sich grundlegend: Die »reale« Stadt wird überlagert von Kommunikations- und Informationsströmen, die das gesamte gesellschaftliche Leben durchdringen. Dadurch ändern sich auch die urbanen Mobilitätsbedürfnisse, und die Möglichkeiten für den Einsatz von Elektromobilen vervielfältigen sich. Bestehende Verkehrsträger werden intensiver vernetzt und vor allem bei städtischen Kurzstrecken, dem sogenannten Mikroverkehr, lösen flexible Nutzungs- und Bezahlmodelle den klassischen Individualverkehr ab. Bezahlt wird, was genutzt wird. Im Jahr 2030 sind bereits rund sechs Millionen Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen unterwegs.

Meilenstein 2040 – die Gemeinschaftliche Stadt: Wir gehen davon aus, dass in rund dreißig Jahren der Großteil des städtischen Verkehrs auf gemeinschaftlich genutzte Fahrzeuge und Mobilitätsangebote entfallen wird. Durch eine vernetzte Ressourcennutzung wird mehr Verkehr von weniger Fahrzeugen geleistet. Nahezu 100 Prozent aller städtischen Verkehrsmittel sind elektrisch betrieben und in Echtzeit buch- und navigierbar. Die flexible Kombination verschiedener Verkehrsmittel ist zum Alltag geworden und die Menschen genießen es, in lebendigen, sauberen Städten unbegrenzt mobil zu sein.

Meilenstein 2050 – die Elektromobile Stadt: In rund vierzig Jahren werden sich auch die wesentlich langsameren Innovationszyklen der Stadtgestaltung an die neuen Informations- und Mobilitätsbedürfnisse angepasst haben. Lebensqualität, Funktionalität und Ressourceneffizienz bestimmen Neubauten und Verkehrskonzepte. Der Stadtverkehr ist nahezu emissionsfrei und das autonome Fahren mit vollautomatischen Verkehrssystemen ist innerhalb und sogar zwischen den Städten möglich.

Diese Roadmap stellt eine Entwicklungslogik auf dem Weg in die elektromobile Zukunft auf Basis der heute vorhandenen Daten und Erkenntnisse dar. Innovation ist Bewegung, deshalb gehen wir davon aus, dass sich viele Variablen weiter verändern und die elektromobile Entwicklung beeinflussen werden. Die Grundrichtung zu einer vernetzten, emissionsarmen, elektrischen urbanen Mobilität wird jedoch die gleiche bleiben.

Die ausführliche Roadmap finden Sie sie zum Download unter: www.inkoop.iao.fraunhofer.de/Images/RoadmapES_2011-11-25_final_tcm82-98811.pdf

Hannes Rose

Hannes Rose

Hannes Rose hat das Institut 2014 verlassen.

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