Die Innovationsfalle auf dem Weg zur nachhaltigen Stadt

IAO-Blogreihe zum Wissenschaftsjahr 2015: »Zukunftstadt«

Was sagen Gondeln über das Wesen von Lokalpolitik aus? Auf den ersten Blick vielleicht nicht viel, auf den zweiten lässt sich daran aber ein fundamentales Problem der nachhaltigen Stadtentwicklung aufzeigen.

Problem: Verkehrschaos senkt die Lebensqualität in Städten

Der Transport- und Verkehrssektor zählt in allen Städten zum Problemkind Nummer 1 . Wirklich alle Stadtvertreter mit denen ich in den letzten Jahren gesprochen habe – und es waren wirklich viele – beklagen das Verkehrsproblem in ihrer Stadt. Dabei decken sich die Aussagen oft sehr stark:

  • Zu viele Personen nutzen das Auto, es kommt zu Staus und Verkehrschaos
  • Die Stadtluft ist durch Auto-Abgase belastet, die Lebensqualität leidet
  • Zu viel städtischer Raum wird durch Straßen für Autos eingenommen. Das öffentliche Leben leidet
  • Emissionsminderungsziele von Städten werden im Verkehrssektor am wenigsten erzielt
  • Besonders zu Stoßzeiten ist man mit dem Auto langsamer unterwegs als mit anderen Verkehrsmitteln
  • Der ÖPNV ist aber zu Stoßzeiten ebenfalls überlastet und deshalb unattraktiv

Lösung: In neuen Dimensionen denken

Als mögliche Lösung für dieses Problem habe ich in zahlreichen Fällen Oberbürgermeistern den Vorschlag unterbreitet, doch die dritte Dimension in die Überlegungen einzubeziehen. Ein urbanes Seilbahnsystem als Ergänzung zum ÖPNV kann viele der oben aufgezeigten Probleme für Städte lösen.

  • Es ist hoch skalierbar und an unterschiedliche Bedarfe anpassbar
  • Es kann mit 100 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden
  • Es kann neuralgische Punkte in der Stadt gezielt entlasten und ist z.B. mit Park&Ride-Plätzen oder Sharing-Systemen kombinierbar
  • Es nimmt Druck von der Straße und wirkt sich positiv auf Luftqualität und öffentlichen Raum aus.

Aber ein urbanes Seilbahnsystem ist in den allermeisten Fällen ein politisches »No-Go«.Obwohl die Fakten für sich sprechen, lautet die erste Reaktion des Bürgermeisters: »Kommt nicht in Frage. Ich will doch wiedergewählt werden.« Lieber gibt man sich mit inkrementellen Verbesserungen des bestehenden Systems zufrieden, als auf Innovation zu setzen.

In dieser Diskrepanz zwischen potenziell Realisierbarem und politisch Machbarem tut sich die Innovationsfalle der nachhaltigen Stadtentwicklung auf. Genauso wie Unternehmen meist nicht bereit sind, das ökonomische Risiko einer sinnvollen aber noch nicht erprobten Innovation zu tragen, sind Lokalregierungen nicht bereit, das politische Risiko von Innovationen zu tragen. Zu stark sitzt die Furcht, für einen ungewöhnlichen (weil innovativen) Schritt durch den Wähler abgestraft zu werden.

Ohne technologische, soziale und ökonomische Innovationen werden wir aber das Ziel nachhaltiger, lebenswerter und zukunftssicherer Städte nicht erreichen. Sind wir durch unser politisches System also dazu verdammt, auf Innovationen aus der Wirtschaft zu warten? Sicher nicht. Zwei von vielen möglichen Wegen seien kurz skizziert.

  • Echte Führungspersonen mit langfristigen Visionen sind auch in Städten rar gestreut. Dort, wo sie anzutreffen sind, bewegt sich aber viel und einzelne Städte wie Kopenhagen, Freiburg, Ludwigsburg oder Barcelona werden zu Vorreitern in Sachen urbaner Innovation. Diese Personen weisen echte »Leadership Skills« auf und schaffen es besser als andere, eine Mehrheit in Ihrer Stadt davon überzeugen, dass der innovative Weg richtiger ist, als der bisherige. Die »City Leaders« machen es wiederum anderen Städten einfacher, einem bereits beschrittenen Pfad zu folgen.
  • Das Konzept des Transition Management (TM) bietet einen Rahmen, über den jede Stadt einen öffentlich getragenen Diskurs zu innovativen und nachhaltigen Lösungen anstoßen kann. Eine Kerngruppe wichtiger lokaler Stakeholder kann innerhalb von ein bis zwei Jahren den öffentlichen Boden für neue und innovative Schritte bereiten und wichtige Argumente für die öffentliche Diskussion liefern. Hier muss allerdings noch mehr Arbeit in die Übersetzung von TM in lokale Strukturen erfolgen.

Idealerweise kommen beide Faktoren zusammen: Eine oder mehrere Führungspersonen in der Stadt, die die Bürger von der Sinnhaftigkeit innovativer Lösungen überzeugen kann und ein Gremium, das aufkommende Fragen bearbeitet und Pilotprojekte begleitet.

Schauen wir also in die Städte, in denen bereits Seilbahnsysteme gebaut wurden und lassen wir uns von ihnen inspirieren.

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