Digitalisiert gelingt die Produktion – auch im städtischen Umfeld

IAO-Blogreihe zum Wissenschaftsjahr 2015: »Zukunftstadt«

Das Telefon vibriert. Martin zieht sein Smartphone aus der Tasche. Mirja schaut ihn fragend an. Er winkt entspannt ab und meint: »Ich sollte in ca. 30 Minuten noch mal im Geschäft vorbei.« Mirja schaut ungläubig: »Ich dachte, Du arbeitest in der Produktion?« Sie war bisher noch nie bei einem Date sitzen gelassen worden. Enttäuscht möchte sie aufstehen und gehen. Martin jedoch erklärt ihr gelassen, dass die Produktion nur ums Eck ist. Jetzt ist Mirja neugierig…

Urbane Produktion hilft, Berufliches und Privates besser zu vereinbaren

Die Digitalisierung von Produktionsabläufen macht solche Situationen möglich: Eine Maschine stellt durch Sensoren selbst fest, in welchem Zustand sie sich befindet. Sie erfasst z.B. den Materialbestand, die Fertigungszeit bis zur nötigen Wartung, Werkzeugstandzeiten und vieles mehr. Als vollständig vernetzte Einheit kann sie ihr Bedürfnis automatisch mit Hilfe eines unternehmensinternen Nachrichtendiensts an die Mitarbeiter übermitteln. Diese sind in einer autonomen Datenbank geführt, in der sie ihre Verfügbarkeiten selbst planen und eintragen. Somit sendet die Maschine die Information nur an die verfügbaren, geeigneten und entsprechend qualifizierten Mitarbeiter. Durch Abstimmung untereinander entscheiden sie, wer die Aufgabe bearbeitet. Gleichzeitig können die Mitarbeiter Maschinendaten abrufen und Programme und Prozesse anpassen.

In dem Unternehmen, bei dem Martin beschäftigt ist, ist der Materialbestand der Maschine, die kundenindividuelle Gehäuse fertigt, niedrig. Für die korrekte Abarbeitung der für die Nacht eingestellten Aufträge muss Material hinzugefügt werden. Dieses ist gerade angekommen, jetzt müssen die Bevorratungsbehälter ausgetauscht werden. Mirja ist ganz begeistert, als sie Martin durch einen Hauseingang zur Produktion im Wohnhaus folgt. Bevor Martin die Tür öffnet, ist nicht mehr als ein lauter Fernseher zu hören. Auch das Innere der Produktion ist sauber und aufgeräumt. Mirja erinnert sich an ihren Ex-Freund, einen Maschinenbau-Ingenieur, der ihr immer von Ultraeffizienz-Methoden und verschwendungsfreien Prozessen vorgeschwärmt hat. So einen Anblick muss er gemeint haben. Nach 20 Minuten sitzen Martin und Mirja gemütlich beim Rotwein. Die Gehäuseproduktion läuft da schon wieder.

Saubere, emissionsarme Prozesse erlauben urbane Produktion

Um Produktion in direkter Nachbarschaft von Wohneinheiten zu ermöglichen, müssen wir die Emissionen der einzelnen Prozesse senken. Durch bessere Lärmdämmung und optimierte Werkzeug-Werkstück-Kombinationen lassen sich die Mengen an Kühlschmierstoffen minimieren. Rückgewinnungsprozesse ermöglichen Kreisläufe mit geringeren Verlusten. Indem stets die am besten geeigneten Fertigungsverfahren angewandt werden, reduzieren sich Ausschuss und Abfall. Die Digitalisierung erlaubt es, menschliche Arbeitskräfte flexibel einzusetzen und deren Bedürfnisse stärker zu berücksichtigen. Auch die Organisation ist an die starke Digitalisierung und gesteigerte Flexibilität angepasst. Alle Daten sind jederzeit für die Führungskräfte verfügbar und lassen sich angepasst an die jeweiligen Bedürfnisse und Situationen darstellen.

Bevor wir dieses Szenario in der Realität erleben, wird es noch einige Zeit dauern. Die Aktualität des Themas zeigt sich uns aus dem Interesse von Unternehmen, Städten, Projektentwicklern und Wirtschaftsförderungen. Wenn Sie auch mitdiskutieren wollen, wie eine urbane Produktion aussehen kann, laden wir Sie zu unserer Innovationswerkstatt »Zukunftsfähige Produktion« am 28. April 2015 in Stuttgart ein. Neben Expertenvorträgen aus Wirtschaft und Wissenschaft wollen wir gemeinsam mit Ihnen konkrete Ansätze erarbeiten, mit denen produzierende Unternehmen durch urbane Produktion wettbewerbsfähiger werden können.

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Michael Hertwig

Michael Hertwig

Entwicklungsingenieur im Competence Team »Digital Engineering«. Er forscht daran, wie Prozesse durch digitale Unterstützung optimiert werden können und wie die Produktion in der Zukunft aussehen kann. In seiner Freizeit engagiert er sich als aktives Mitglied im Verein deutscher Ingenieure e.V.

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