Digitalisierungsideen aus der Höhle der VDI-Löwen

Wenn es um die Digitalisierung und all ihre Auswirkungen auf die Arbeitswelt der Zukunft und den Erfolg von Unternehmen geht, scheint offensichtlich: Digitalisierung ist ein Management-Thema! Ein reines Management-Thema? Ist nicht die jüngere Generation, also die so genannten Digital Natives, viel vertrauter mit den digitalen Chancen und Risiken? Warum sollten Unternehmen und Vereine nicht alle verfügbaren Ressourcen für so ein wichtiges Thema ausschöpfen? Führen Experimente mit dem Nachwuchs nicht viel wahrscheinlicher zur Kreation innovativer Entwicklungsideen als das Schmoren im eigenen Saft?

Diese Frage hat sich auch der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) gestellt und eine Challenge veranstaltet mit dem Ziel, junge Mitglieder zu motivieren. Gefragt waren Ideen zur effektiven Nutzung von Digitalisierung im VDI. Als Ingenieur und Wissenschaftler ist Digitalisierung für mich ein spannendes Thema und ich habe die Challenge daher gern angenommen. Mit 12 Studierenden und Young Professionals habe ich einen Workshop in Stuttgart durchgeführt und gemeinsam haben wir viele Ideen entwickelt. Mit den vier weiteren Teams, die sich an der Challenge beteiligt haben, entstanden in Summe 40 mehr oder minder digitale Ideen.

Challenge als Motivator

Die Aufgabe war uns allen klar: Den VDI weiterentwickeln und mit innovativen Ideen in das Zeitalter der Digitalisierung zu führen. Jedes Team war angespornt, hervorragende Ideen hervor zu bringen, um an der Höhle der VDI-Löwen, ähnlich dem TV-Format eines Fernsehsenders, bestehen zu können.

Wir konnten Ideen für drei Kategorien – Collaboration (Zusammenarbeit), Network (Netzwerk) und Offerings (Angebote) – entwickeln. Vier der sieben Ideen, die es in die Höhle der VDI-Löwen (Jury-Mitglieder aus dem VDI) geschafft haben hier kurz im Überblick:

  • Matching: Ich kann eine Suchanfrage platzieren. Durch die entsprechend aufbereiteten Mitgliederdaten erfolgt auf dem Server ein Abgleich. Die passenden Personen werden benachrichtigt und könnten von ihrer Seite zu stimmen. Ähnlich dem allseits bekannten Dating-Tool »Tinder« wird erst bei beidseitigem Einverständnis durch den »Handshake« der Kontakt zwischen beiden Parteien hergestellt, der Datenschutz bleibt gewahrt.
  • Event-Matching: Was interessiert mich an Veranstaltungen? Aus bereits besuchten Veranstaltung, meinen Interessen und den Events meiner Kontakte werden mir passende Veranstaltungen vorgeschlagen. So wird das Angebot weiter auf mich zugeschnitten und kann Veranstaltungen mit Netzwerk-Benefits besuchen.
  • ProjektWiki: Der VDI ist riesig und überall lokal werden Projekte erfolgreich entwickelt und durchgeführt. Aber man erfährt selbst davon nur durch Zufall. Ein ProjektWiki, auf dem neue innovative Ideen dargestellt werden können, hilft dem Ehrenamt, schnell passende und ansprechende Formate, Themen oder Aspekte zu finden. Diese Infos existieren bereits aber in einer unübersichtlichen strukturierten und komplexen Sharepoint-Lösung. Wikipedia ist ein Erfolgsprojekt. Warum kann das nicht auch als Wiki-VDI erfolgreich sein?
  • Newsboard: Heute erhalte ich als Mitglied einen Newsletter in Papier oder digital und zu speziellen Veranstaltungen noch zusätzlich eine Einladung. Die Individualisierung ist nur bedingt möglich. Der VDI hat vor einiger Zeit eine individualisierbare persönliche Website »MeinVDI« gelauncht. Denkt man diesen Ansatz weiter, ließen alle mich interessierenden Inhalte übersichtlich auf Mobilgeräten (Smartphone oder Tablet) wie auch anderen Devices darstellen. Weitere Funktionen sind Newskanäle aus dem VDI, tagesaktuell ohne Newsletter, oder Hinweise zu Veranstaltungen, bei denen ich angemeldet bin.

Die besten Ideen wurden auf dem 28. Deutschen Ingenieurtag am 11. Mai 2017 vor versammeltem Publikum öffentlich prämiert. Für uns, als Nachwuchs im VDI und dem Arbeitsleben, war es eine große Ehre, auf der Bühne vor 1500 Menschen zu stehen. Die sichtbare Wertschätzung hilft, die Motivation auch für die Umsetzungsunterstützung zu erhöhen.

Challenge für VDI-Mitglieder:
Gefragt waren Ideen zur effektiven Nutzung von Digitalisierung im VDI. Mit 12 Studierenden und Young Professionals habe ich einen Workshop in Stuttgart durchgeführt und gemeinsam haben wir viele Ideen entwickelt. © VDI WIV / Hertwig
11. Mai 2017: 28. Deutscher Ingenieurtag mit Preisverleihung
Jedes Team war angespornt, hervorragende Ideen hervor zu bringen, um an der Höhle der VDI-Löwen, ähnlich dem TV-Format eines Fernsehsenders, bestehen zu können. © VDI/Bildschön
11. Mai 2017: 28. Deutscher Ingenieurtag mit Preisverleihung
Für uns, als Nachwuchs im VDI und dem Arbeitsleben, war es eine große Ehre, auf der Bühne vor 1500 Menschen zu stehen. © VDI/Bildschön
Eindrücke aus dem Workshop in Stuttgart
© VDI WIV / Hertwig
Eindrücke aus dem Workshop in Stuttgart
© VDI WIV / Hertwig

Junge Menschen als Gestalter?

Selbst wenn wir wenig Lebenserfahrung besitzen und uns die Entscheidungskompetenzen fehlen eint uns, junge Menschen unter Dreißig, eine Eigenschaft: Wir sind mit digitalen Medien und Tools aufgewachsen. Deshalb verhalten wir uns anders und sehen die digitale Technologie eher mit Optimismus als Pessimismus. Auch ist die Perspektive für uns eine andere als im Management. Ich lese viel von agilen Methoden und neuen Führungsphilosophien. Doch was heißt das konkret, wenn unsere Generation sinnvolle Aufgaben sucht und auf Selbstverwirklichung wert legt? Die ernsthafte Beteiligung am Gestaltungsprozess kann ein Mittel der Wahl sein. So möchten aus meinem VDI-Löwen-Team 9 Personen bei der Umsetzung der Ideen dabei sein und diese selbst gestalten. Hinzu kommt: dieses Engagement ist ehrenamtlich und daher unsere Freizeitbeschäftigung. Einige größere Unternehmen haben das Potenzial solcher Motivation und kreativen Kraft erkannt: so hat Siemens einen unternehmensinternen Hackathon mit ca.1700 Beteiligten weltweit durchgeführt. Solche Formate finden sich auch immer stärker in der Forschung als Input- und Entwicklungsformat. Am Fraunhofer IAO haben bereits ein Hackathon und ein Makeathon stattgefunden, weitere sind geplant, z.B. im Forschungsprojekt RoboPORT, in dem die Entwickler-Community eine zentrale Rolle spielt.

Selbst so gewachsene Strukturen und Organisationen, wie der 160jährige VDI, ist auf frische Ideen für die Weiterentwicklung angewiesen. Wichtig ist dabei aber auch, diese anzupassen an die Ziele und die Strategie der Organisation, um den größtmöglichen Erfolg für alle zu schaffen. Wir erleben dies am Fraunhofer IAO tagtäglich in unterschiedlichen Umsetzungsprojekten. Wie verläuft in Ihrem Unternehmen die digitale Transformation? Ich freue mich über Feedback hier auf dem IAO-Blog.

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Michael Hertwig

Michael Hertwig

Entwicklungsingenieur im Competence Team »Digital Engineering«. Er forscht daran, wie Prozesse durch digitale Unterstützung optimiert werden können und wie die Produktion in der Zukunft aussehen kann. In seiner Freizeit engagiert er sich als aktives Mitglied im Verein deutscher Ingenieure e.V.

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