Fachkräftemangel hoch zwei: warum und wie sollten wir Ältere zielgruppengerechter qualifizieren?

Emanzipation meint die Befreiung aus Unmündigkeit und Abhängigkeit. Per Gesetz und finanzieller Anreize klappt das eher nicht. Das erleben wir zurzeit mit der Frauenquote, den Initiativen zur Förderung der Älteren und den Bildungsfreistellungsgesetzen der Bundesländer. So zeigen die Erfahrungen aus jenen Bundesländern, in welchen es seither bereits ein Bildungsfreistellungsgesetz gab, dass nur ca. ein Prozent der Berechtigten Gebrauch davon macht.

Dabei brauchen wir die Älteren. Aufgrund ihrer speziellen Kompetenzen, etwa ihrer Erfahrungen, ihrer kommunikativen Kompetenzen, ihrer Besonnenheit etc. – und auch aufgrund des zunehmenden Fachkräftemangels. Darum sollten wir die Älteren mehr und besser fördern. Bildungsinitiativen wie das Bildungszeitgesetz, das am 11. März den Stuttgarter Landtag passierte und von Sommer 2015 an auch Beschäftigten in Baden-Württemberg Anspruch auf Bildungsurlaub einräumt, können hier allenfalls Impulse setzen. Ankommen wird es aber letztlich darauf, dass wir in der Weiterbildung besser werden.

Förderung fängt mit dem besseren Weiterbildungsangebot an

Wer es also ernst meint mit der gleichberechtigten Potenzialförderung in den Unternehmen, fängt bei den Chancen an, nämlich bei der Bildung. Wie Ältere in der Verwaltung besser lernen bzw. ob es überhaupt ein zielgruppenspezifisches Erfolgsrezept für erfolgreiches Lernen Älterer gibt, haben wir im Auftrag der BBBank Stiftung und in Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt Stuttgart in der Studie »Lernen Ältere – Lernsettings für ältere Verwaltungsmitarbeitende« untersucht. Stimmen zu den Zielen, der Motivation und den teilweise überraschenden Ergebnissen sind in den folgenden Interviews zusammengefasst:

Die Studienergebnisse geben klare Hinweise darauf, wie die Älteren gerne lernen – und wie sie erfolgreicher lernen. Und sie zeigen beispielsweise auch ganz konkret auf, worauf bei der Gestaltung von Lernangeboten für die einzelnen Zielgruppen unter den Älteren zu achten ist.

Emanzipiertes Lernen als erster Schritt zu mehr Potenzialförderung

Denn tatsächlich lernen nicht alle Älteren gleich, vielmehr bringen sie ihre unterschiedlichen sozialen Prägungen und ihre Lernerfahrungen mit. So gilt zwar für alle Älteren, dass sie erfolgreicher lernen, wenn auf Selbstwirksamkeit und Selbstorganisation gesetzt wird:

  1. 1. Selbstwirksamkeit:
    Jederzeit den eigenen Lernfortschritt kennen und wissen, was wozu zu lernen ist.
  2. 2. Selbstorganisation:
    Über Lernziele, -inhalte, -zeiten, -tempo und -methoden selbst bestimmen.

Doch bei allen anderen Aspekten der Lerngestaltung favorisieren die Älteren je nach beruflicher Position, Lernmotivation, Geschlecht oder Lernbiografie unterschiedliche Lernorte, Lernzeiten, Lernquellen oder Gruppenzusammensetzungen:

  1. 3. Lernorte:
    Verwaltungsmitarbeitende haben zwar nicht so viel Spaß beim Lernen am Arbeitsplatz, ihr Lernnutzen steigt dabei jedoch. Führungskräfte hingegen profitieren von einem Lernen unterwegs, in einem öffentlichen Rahmen (auf Veranstaltungen, Messen o.ä.) oder Zuhause.
  2. 4. Lernzeiten:
    Bei extrinsisch Motivierten sollte darauf geachtet werden, dass das Lernen nur einen Zeitraum von einem (halben) Tag andauert. Bei intrinsisch Motivierten darf es gerne auch länger gehen.
  3. 5. Lernquellen:
    Frauen profitieren von ihren hervorragenden kommunikativen Kompetenzen, indem sie den Austausch über den Lernstoff pflegen und mit anderen zum Thema diskutieren . Männer benötigen in größerem Umfang Lernunterlagen.
  4. 6. Lerngruppen:
    Während das Lernen in inhomogenen Gruppen zumeist unproblematisch ist, profitieren Ältere mit wenig Lernerfahrung von Gruppen, die nach den fachlichen Vorkenntnissen homogen zusammengesetzt sind.
  5. Abb.: Optimal erfolgswirksames Lernsetting für ältere Frauen.
    Abb.: Optimal erfolgswirksames Lernsetting für ältere Frauen.

     

    Die schlechte Nachricht ist: All diese Anforderungen für ein erfolgreiches Lernen der Älteren oder auch von einzelnen Zielgruppen unter ihnen erfüllen derzeitige Angebote häufig nicht.
    Die gute Nachricht ist: Sie können aber relativ einfach umgesetzt werden. Wer zum Beispiel sicher gehen will, dass auch jene mit dem Fortschritt mithalten, die nur lernen, wenn sie müssen, lässt diese extrinsisch Motivierten im Rahmen der Arbeitszeit und in einem Umfang von wenigen Stunden bis maximal einem Tag am Arbeitsplatz in einer Art Einzelunterricht mit Selbstlernanteilen unter Austausch mit erfahrenen Kollegen lernen.

    Noch eine gute Nachricht: Viele der in der Studie identifizierten Erfolgsfaktoren gelten übergreifend für fast alle älteren Verwaltungsmitarbeitenden. Es lohnt sich also auf alle Fälle, das Thema Lernen und Qualifizierung in der eigenen Verwaltung näher unter die Lupe zu nehmen.

    Sind Sie damit zufrieden, wie gut Ihre Bildungsangebote von den älteren Mitarbeitenden angenommen werden? Ich freue mich auf Ihre Kommentare und Rückmeldungen.

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1 Kommentar

  1. Ich finde es ebenfalls wichtig, dass man die älteren auch eine gewisse Wertschätzung entgegen bringt. Das Gefühl habe ich oft leider nicht.

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