Gesund arbeiten – auch ein Thema für die Produktion?

Die Fachdiskussion zeigt: Das Thema Gesundheit gewinnt in den Produktionsbetrieben an Bedeutung. Angesichts der tendenziellen Überalterung der Erwerbsbevölkerung und eines sich verschärfenden Fachkräftemangels erkennen immer mehr Personalverantwortliche in Produktion, Montage und Logistik die Potenziale einer »gesunden« Arbeit. Doch inwiefern hängt die Produktionsarbeit mit Gesundheit zusammen?

Wir definieren Gesundheit als »den körperlichen und geistigen Zustand, in dem der Mensch seine individuellen Absichten, Begabungen und Fähigkeiten über Motivation und Produktivität bestmöglich zum Ausdruck bringt und in dem er nach einer stetigen Verbesserung dieser Lage strebt.« Gesundheitskompetenz bedeutet in diesem Sinne, die menschlichen Arbeitsbedingungen produktiv und nachhaltig zu gestalten.

Gesunde Arbeit beschreibt ein ausgeglichenes Verhältnis von menschlichen Leistungsvoraussetzungen und betrieblichen Leistungsmöglichkeiten. Dies bedeutet konkret: die Leistungsressourcen der Beschäftigten dort zu fördern, wo angemessene Arbeitsbedingungen gestaltet werden können – und sie dort zu schonen, wo dies nicht der Fall ist. Gesunde Arbeit bezieht sowohl körperliche als auch psychische Leistungsanforderungen und -voraussetzungen ein. Erst ihr kohärentes Wechselspiel schafft die Grundlagen für ein produktives und verantwortungsvolles Handeln des Menschen in zukunftsfähigen Arbeitssystemen.

Ein erster Schritt hin zu einem gesunden Produktionssystem zielt auf die ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze. Hierbei wird eine ausgeglichene körperliche Belastungssituation angestrebt: Sie beugt rascher Ermüdung und Ressourcenverschleiß vor. Zudem trägt sie den eingeschränkten Leistungsbedingungen insbesondere älterer Beschäftigter Rechnung.

In einem zweiten Schritt wird die Arbeitsorganisation optimiert. Eine abwechslungsreiche Tätigkeitsausführung wirkt Lernentwöhnung und Monotonie entgegen. Dadurch können latente Fähigkeiten produktiv entfaltet werden. Die Voraussetzungen für einen möglichst freizügigen Personaleinsatz wurden vorab durch die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung geschaffen.

Ein derartiges Vorgehen trägt überall dort zu produktiven und nachhaltigen Arbeitsweisen bei, wo es auf den spezifischen Leistungsbeitrag des Menschen ankommt. Dies betrifft in der Produktion – neben anspruchsvollen Fachaufgaben – zunehmend auch kommunikative und koordinative Tätigkeiten. Gesund arbeiten – auch ein Thema für die Produktion!

Weitere Informationen
wiki.iao.fraunhofer.de

Martin Braun

Martin Braun

Experte für menschliche Arbeit. Aufgrund umfassender Projekterfahrungen ist er überzeugt, dass Kreativität und Initiative erfolgskritische Faktoren in Unternehmen sind. In seinen Beiträgen gibt er Denkanstöße zum Human Factors Engineering und zeigt Erfolgsgeschichten auf.

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