Gastbeitrag: Die zukünftige soziale Rolle des Unternehmens verändert den Strategie- und Innovationsprozess


Visitenkarte

1972 beschrieb der Club of Rome »Die Grenzen des Wachstums«. Auch wenn die damaligen Prognosen nicht exakt eintrafen, so sind die grundlegenden Aussagen dieser Studie im 30-Jahre-Update 2004 bestätigt worden. Nur: Gibt es heute noch ausreichend ungenutzte natürliche Ressourcen, die zukünftig zusätzlich und wirtschaftlich abgebaut werden können? Falls nein: Welche neuen Herausforderungen stellen sich hieraus an Unternehmen?

Viele Wissenschaftler gehen inzwischen davon aus, dass die Fähigkeit der Erde, Leben zu ernähren (Biokapazität), bereits über ihre Kapazitätsgrenzen hinaus beansprucht wird. Das Thema der Nachhaltigkeit bzw. des nachhaltigen Wirtschaftens wird unser Handeln in Zukunft stark mitbestimmen. Daraus resultiert die Frage, welche Rolle ein Unternehmen in Zukunft in der Gesellschaft spielen soll. Die traditionelle Rolle von Unternehmen ist im Wesentlichen die Allokation verschiedener Faktoren, z. B. Kapital, Ressourcen und Arbeitskraft, um einen möglichst hohen Output zu generieren. Für das, was nach diesem Output – letztendlich also dem Verkauf des Produktes an den Endverbraucher – passiert, wurden Unternehmen bislang in den meisten Fällen nicht verantwortlich gemacht.

Vor dem Hintergrund oben genannter Trends wird sich diese Verantwortung des Unternehmens für seine Produkte gegenüber der Gesellschaft jedoch verändern und ausweiten, und zwar vom reinen Output über die Nutzung bis hin zur Rückführung des benutzten Produktes in den Wirtschaftskreislauf.

Hierzu existieren bereits verschiedene Werkzeuge, von der Ökobilanz bis hin zum so genannten Cradle-to-Cradle-Konzept. Damit unser Wirtschaftsmodell und unser Wohlstand jedoch wirklich nachhaltig aufrecht erhalten werden können, ist wesentlich mehr notwendig. Diese erweiterte Verantwortung muss in die Unternehmensleitbilder (Vision, Mission, Werte) integriert werden. Das wird unmittelbare Auswirkungen auf die Positionierung und das Geschäftsmodell des Unternehmens haben. Erst wenn die Rolle des Unternehmens in der Gesellschaft beantwortet ist, kann eine wirklich tragfähige Unternehmensstrategie, eine Marktpositionierung sowie eine nachhaltige Innovationslogik definiert werden.

Damit kommt dem Unternehmen zukünftig eine wesentlich bedeutendere soziale Rolle zu. Inwiefern diese von traditionellen kapitalmarktorientierten Unternehmen erfüllt werden kann, bleibt abzuwarten. Familiengeführte, mittelständische Unternehmen haben in der Regel einen längerfristigen Planungshorizont und handeln stärker werteorientiert. Das soziale Verantwortungsbewusstsein ist hier in der Regel deutlich ausgeprägter. Ist der inhabergeführte Mittelstand der zukünftige Treiber für sozio-ökonomische Veränderungen? Und wird diese Führungsrolle dem Mittelstand nachhaltiges individuelles Wachstum zu Lasten kapitalmarktorientierter Unternehmen ermöglichen?

Siehe auch: www.blog.lettmann.info

Lesezeichen setzen bei:
  • TwitThis
  • Facebook
  • Digg
  • del.icio.us
  • Google
  • Yigg
  • LinkArena
  • Webnews.de
  • StumbleUpon
  • Tumblr

Tags: , , , ,

Dieser Beitrag wurde erstellt am 16.02.2012 um 15:13 von Siegfried Lettmann und ist der Kategorie Arbeit der Zukunft, Gastbeiträge, Innovationsmanagement zugeordnet. Sie haben die Möglichkeit, Antworten zu diesem Beitrag über den RSS 2.0-Feed zu verfolgen. You can skip to the end and leave a response. Pinging is currently not allowed.

Schreiben Sie eine Antwort

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Fraunhofer IAO | Startseite | Kontakt | Impressum | Datenschutzerklärung