HTC Magic: Ein schönes Spielzeug!

Als Google sein Handy Betriebssystem Android angekündigt hatte bin ich natürlich gespannt gewesen, was dieses Android denn so leistet. Jetzt, über ein Jahr später, habe ich endlich ein Gerät, das HTC Magic oder kurz G2, für das m-Lab des Fraunhofer IAO beschaffen können. Im m-Lab des Fraunhofer IAO unterstützen wir Unternehmen produkt- und herstellerneutral dabei, bedarfsgerechte, benutzergerechte und sichere mobile Lösungen zu konzipieren und einzuführen. Dazu testen wir dort eine Reihe von unterschiedlichen mobilen Geräten und Lösungen, so auch das G2.

Der erste Eindruck des Gerätes ist sehr positiv, es macht sowohl optisch als auch haptisch einen sehr guten und wertigen Eindruck. Das Display ist, wie das ganze Gerät, nicht ganz so groß wie das des iPhones. Zusätzlich ist das Gerät vorne mit einem Scrollball und sechs Tasten sowie einer Wippe an der Seite ausgestattet. HTC hat seine Arbeit also erstmal gut gemacht, aber das hat mit der Software, Googles Android, ja noch nicht viel zu tun.

Wie das so mit Internethandys ist, braucht man Internet, um es wirklich gut nutzen zu können. Und hier fing die erste Schwierigkeit an: Die Zugangskonfiguration muss man sich manuell im Internet (von einem PC aus) suchen und eintragen. Da habe ich schon bessere Lösungen gesehen! Auf dem N97 hatte ich einfach eine SMS bekommen, die nach dem Öffnen die Konfiguration durchgeführt hat. Nachdem ich das mobile Internet konfiguriert hatte, habe ich natürlich erstmal mit dem Gerät gespielt, und das macht auch richtig Spaß! Über den Android Market kann man sich aus einer Vielzahl kostenloser und kostenpflichtiger Applikationen die Software für sein Gerät zusammensuchen. Viel Spaß hat mir etwa die Google Sky Map gemacht. Die Applikation weiß wo ich mich befinde und misst über den Kompass und Lagesensor des Geräts so gut die Lage, dass es mir immer genau den Ausschnitt des Himmels mit Erläuterungen zeigt, auf den ich es gerade richte. So zeigt es die Sterne, Planeten, Galaxien und Sternbilder an und hilft einem bei der Navigation durch die Milchstrasse. MoVue ist auch super, hier wird das Bild der Kamera mit Standortpositionen aus Google Maps überlagert. Man bekommt also eine wirkliche augmented reality Applikation die einem das was man in der Realität sieht mit zusätzlichen Informationen anreichert, z.B. in der Richtung in die Du gerade schaust befindet sich in 500m ein Restaurant. Wirklich ein schönes Spielzeug!

Allerdings möchte ich als Fraunhofer-Mitarbeiter natürlich das Gerät produktiv einsetzen. Immerhin habe ich das Gerät beschafft, um unsere Kunden besser darin beraten zu können, welche Geräte sie in ihrem Unternehmen produktiver machen. Und was sind da die ersten Anforderungen? Kontakte, Termine, Aufgaben und E-Mails synchronisieren! Und zwar mit der im Unternehmen vorhandenen Infrastruktur. Doch hier verlässt mich Android: Synchronisieren geht zwar, aber nur mit Google Mail. Ich benutze Google ja gerne zum Suchen, aber alle meine geschäftlichen Mails, Kontakte, etc. über Google laufen zu lassen geht leider gar nicht. Ich benötige also eine Synchronisation mit Exchange. Es gibt zwar zwei Applikationen zu kaufen, die so etwas in die Richtung versprechen. Eine tief ins Betriebssystem integrierte Synchronisationslösung ist allerdings einfach ein Muss. Bei meiner Recherche im Internet musste ich feststellen, dass es in Asien wohl Versionen des HTC Magic gibt, die von Haus aus die Synchronisation mit Exchange unterstützen (news.cnet.com). Auf dem deutschen Gerät steht allerdings hinten »With Google™« drauf, was angeblich auf die reine »Google Experience« verweist. Und diese reine »Google Experience« ist ohne Exchange Synchronisation. Tut mir leid, aber diese »Google Experience« bedeutet für mich ein Vendor-Lock-In! Sie ist für mich eine unangenehme Experience!

Jetzt habe ich hier ein schönes Telefon, mit dem ich den virtuellen Nachthimmel wunderschön sehe. Allerdings nicht wirklich telefonieren kann, weil ich meine Kontakte nicht aufs Gerät synchronisiert bekomme. Fazit: Wer ein schönes Spielzeug sucht, das einige wirklich interessante Features hat, dem kann ich das Gerät empfehlen. Für Geschäftskunden heißt es allerdings: Finger weg!

Jochen Kokemüller

Jochen Kokemüller

Jochen Kokemüller hat das Institut 2012 verlassen.

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