Industrie 4.0 gestalten – Wenn der Roboter mit dem Gewerkschaftler…

Die IG Metall hat einen neuen Hoffnungsträger. Er ist nicht besonders groß, extrem wendig, arbeitet fehlerfrei ohne Ermüdung. Außerdem hat er keinerlei Berührungsängste. Die Rede ist nicht von Jörg Hofmann, dem neuen Vorsitzenden, sondern von James, unserem bohrmaschinenmontierenden Leichtbauroboter, den wir gemeinsam mit Universal Robots auf dem Gewerkschaftstag letzte Woche ausgestellt haben.

Mensch-Technik-Interaktion im Sinne eines gemeinsamen Miteinanders mit dem Kollegen Roboter ist inzwischen bei vielen angekommen. Den größeren Rahmen spannten Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Bundeskanzlerin Angela Merkel auf. Beide betonten die Notwendigkeit, unsere Produkte und die Art, wie sie entstehen, innovativ zu denken, um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen und deutscher Arbeitsplätze im internationalen Wettbewerb zu erhalten. Die Gestaltung der Digitalisierung industrieller Wertschöpfung, häufig abgekürzt unter dem Begriff »Industrie 4.0«, war eines der zentralen Themen.


Links, Manfred Bender, rechts Jörg Hofmann, der neue Vorsitzende der IG Metall

 

Drei Gründe, die für den Kollegen Roboter sprechen

Intelligente Mensch-Roboter-Kollaboration und der Einsatz Leichtbauroboter können dazu enorm beitragen, gerade wenn durch ihren intelligenten Einsatz gleichzeitig die Produktivität erhöht und die Arbeitsbelastung für die Mitarbeiter reduziert werden. Gute Beispiele dafür existieren schon lange, die flächendeckende Umsetzung steht jedoch noch aus. Die Anzeichen häufen sich jedoch, dass wir schon bald erste Großumsetzungen in der Industrie sehen werden. Die Gründe dafür sind einfach:

Zum ersten werden die Geräte immer günstiger und die Bedienung immer einfacher. Für James beispielsweise wird ein Listenpreis von 22 500 Euro (ohne Greifer) fällig und der kollaborative Einsatzfall war in drei Stunden aufgebaut und programmiert.

Zweites werden Leichtbauroboter immer sicherer. Die Diskussion um die Zertifizierung sicherer Geräte und Einsatzszenarien läuft und neben bereits heute sicheren und zertifizierten Anwendungen erwartet die interessierte Community Ende des Jahres die erste Version der ISO/TS 15066 mit Schmerzgrenzwerten für Druck und Kraft im kollaborativen Betrieb.

Und drittens scheint aktuell eine kritische Masse an bereits bestehenden Lösungen erreicht, die sich nicht mehr nur auf abgegrenzte Bereiche in Großunternehmen bezieht.

Aktuelle Anwendungsfälle: James and friends

Das Fraunhofer IAO sammelt aktuell Anwendungsfälle, die auf dem Modellfabrikforum am 12. November in Stuttgart vorgestellt und diskutiert werden. Dort werden wir auch James wiedersehen, der dort mit einigen seiner Kollegen in hellblau, orange und anderen Farben, mit ein oder zwei Armen, stationär und mobil zum Klassentreffen verabredet ist, genauso wie mit Firmenvertretern von Daimler, Kuka, Metabo, Schnaithmann, Schunk, Bosch, Universal Robots und MRK Systeme.

Leselinks:

3 Kommentare

  1. Industrie 4.0 ist in aller Munde. Die Kollaboration zwischen Menschen und Robotern ist im Werden. Bisher erscheint es mir aber noch viel Versuch und Irrtum zu sein, aber die Lernkurve wird insgesamt steil nach oben gehen.

    In Kärnten ist das Thema mittlerweile angekommen und ich durfte zuletzt mit der Infineon und der Flex in zwei Vorzeigebetrieben sehen, was sie in Sachen Industrie 4.0 machen.

    http://www.christianpirker.com/industrie-4-0/
    Im SIC haben wir einen eigenen Arbeitskreis für Industrie 4.0 gestartet und wir werden uns demnächst Neuigkeiten in Deutschland und der Schweiz ansehen.

    Das Thema ist spannend, emotional aufgeladen, aber für bestimmte Unternehmen und Branchen wird es eine echte Chance darstellen. So sicher auch für Infineon in Villach!

    http://www.christianpirker.com/industrie-4-0-infineon/

    Letztlich sind aber viele Arbeitsplätze in Gefahr und so ist es verständlich, wenn das Thema kritisch gesehen wird!

Kommentare sind geschlossen.