KMU: Ausbilden wie in den 60ern oder bilden wie heute?

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Sie stellen nicht nur die meisten Arbeitsplätze, sie sind auch die Hidden Champions der Ausbildung und häufig die Wissenszulieferer für die globalen Unternehmen der Deutschland AG. Das Fundament dieses Wissens bildet(e) seit Jahrzehnten die einmalige Ausbildung.

Drei Jahre Ausbildung für 50 Arbeitsjahre?

Ein Arbeitsleben, welches mit der Ausbildung beginnt, dauert heutzutage ein halbes Jahrhundert. Wie viele Weiterentwicklungen und Veränderungen sich in 50 Jahren ergeben können, sollte jedem klar sein, der aus heutiger Sicht einen Vergleich zur Büro- und Produktionswelt Mitte der 60er Jahre zieht. Genau diese Generation, welche sich zu dieser Zeit in Ausbildung befand, erreicht dieser Tage ihren wohlverdienten Ruhestand.
Ebenso findet ein äußerst statisches Bildungssystem sein Ende, welches seine Tücken zunehmend bereits in der Vergangenheit zeigte.


Die Bürowelt von gestern, der PC wird zum Arbeitsmittel und viele der Beschäftigten mussten den Umgang »on the job« erlernen; bei Weitem nicht die einzige Herausforderung der letzten 50 Arbeitsjahre

 

Heute ist die Ausbildung genau genommen nur noch der Einstieg in dynamisches lebenslanges Lernen. Kein Beruf der Wissens- und Informationsökonomie und aller angrenzenden Branchen ließe sich heute dauerhaft mit dem Wissen aus der Ausbildung ausüben. Die Schlüsselkompetenz, die Ausbildung vermitteln muss, ist nicht mehr »nur« berufliches Wissen, sondern die Fähigkeit, sich selbst nach der Ausbildung kontinuierlich weiter zu bilden, um mit den Entwicklungen des eigenen Berufsfelds Schritt halten zu können.

Das Unternehmen als »modernes Bildungssystem«

Unternehmen stehen heute vor zwei grundlegenden Herausforderungen: Zum einen der Dynamisierung des eigenen Bildungsangebots, um mit der Geschwindigkeit des Wissens- und Kompetenzzuwachses Schritt halten zu können; zum anderen der Systematisierung der innerbetrieblichen Bildung als strategische Aufgabe.

Während in die Ausbildung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Teil kräftig investiert wird, sehen sich gerade viele KMU nicht in der Verantwortung oder in der Lage, an ihren Weiterbildungsstrukturen und einem verbesserten Wissenstransfer im Unternehmen zu arbeiten. Der betrieblich geförderte »Wissens-Input« hin zu den Köpfen der Beschäftigten erlahmt häufig immer noch mit Abschluss der Ausbildung. Ein von Seiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ungewolltes Dilemma.

Dabei ist die »Aktualität des Wissens« ein entscheidender Faktor zur Erhaltung der Produktivität jedes einzelnen Beschäftigten und letztlich des ganzen Unternehmens. Deshalb reicht der individuelle Weiterbildungsplan oder das jährliche Incentive-Seminar bei Weitem nicht aus. Die ganzheitliche Betrachtung des Unternehmens in Fragen der kontinuierlichen Bildung ist eine systemische Herausforderung. Gemeint ist damit ein Blick auf alle miteinander verknüpften Bereiche, welche direkt oder indirekt einen wissensförderlichen Beitrag leisten. Zu häufig setzen gerade kleine und mittlere Betriebe auf den Einkauf neuer Kompetenzen durch Neueinstellungen und zu selten auf das Potenzial von Weiterbildung und Wissenstransfer im Unternehmen selbst. Doch die Realität des Fachkräftemangels lehrt: Beschäftigte lassen sich nicht einfach austauschen wie eine Glühbirne. Insbesondere in Zeiten, in welchen der demografische Wandel zunehmend sichtbar wird, sollte der eigene Fachkräftebestand gehalten und gepflegt werden. Mit eigenen Bemühungen sorgt das Unternehmen selbst dafür, dass die Fachkräfte von heute auch die Fachkräfte von morgen sind und damit langfristig ihrem Unternehmen mit voller Schaffenskraft zur Verfügung stehen.

Bildung mit System, so packen wir’s richtig an

Eine umfassende Betrachtung des Unternehmens ist der Schlüssel zum Erfolg. Eine klare und einfach zu handhabende Hilfestellung für eine ganzheitliche Unternehmensbetrachtung ist eine der Herausforderungen, welcher wir uns im Rahmen von 3L ZERT gestellt haben und dessen Realisierung wir gegenwärtig abschließen. 3L steht dabei für LebensLanges Lernen und drückt damit bereits die Ausrichtung des Projekts hin zur Erreichung eines kontinuierlichen Wissensflusses im Unternehmen aus. Das geschaffene System hilft dabei, die Personalentwicklung ohne übergroßen Aufwand systematisch und langfristig zu planen und durchzuführen.

Im Rahmen von 3L ZERT werden gerade KMU dazu befähigt, mit knappen Ressourcen ein solides Fundament in diesem Sinne zu schaffen und langfristig attraktiv und konkurrenzfähig zu bleiben.

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Alexander Piele

Alexander Piele

Forscht für einen sinnvollen Einsatz der unterschiedlichen Flexibilitätsformen sowie einen optimalen Wissenstransfer in der Arbeitswelt. Und da nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist steckt ist er privat ein eifriger Hobbysportler.

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