Mobile Usability: Das Auto als »just another device«?

Mehr als die Hälfte der Bedienungsanleitung eines Mittelklassewagens besteht aus Erklärungen für Sicherheits-, Kommunikations-, Informations- und Entertainment-Systeme im Auto – Tendenz steigend. Weil niemand diese gedruckte Informationsflut mehr beherrschen kann, ist Learning-by-doing angesagt. Zudem hält die Diskussion über Ablenkung durch Handybenutzung und Entertainment-Funktionen an – und wird durch Smartphones und Auto-Apps weiter angeheizt.

Smartdrive mit Smartphones: Mobiles Informationsmanagement
Die Fahrzeughersteller integrieren in Zukunft Smartphones und App-Stores in ihre Autos und müssen sichere Interaktionskonzepte anbieten. Sie begegnen mit diesem Schritt auch den dramatisch unterschiedlichen Entwicklungszyklen zwischen mobilen Endgeräten und Fahrzeugen. Schnelle Datenprotokolle, Cloud Computing und kooperative Netzwerke (V2x) bieten die Grundlagen für Autos als »just another device«. Welcher Ansatz sich jedoch durchsetzen wird, ist schwer vorherzusehen:

  • Direktintegration von Apps ins Fahrzeug über OEM spezifisches OS und jeweils eigene App Stores?
  • Zugang zu etablierten App-Stores, aber Beschränkung auf Smartphone-Anwendungen, die vorgegebene Anforderungen erfüllen und damit voll ins fahrzeuginterne Infotainment eingebunden werden können?
  • Bedienung jeglicher Smartphone-Anwendungen per Fahrzeug-HMI mit Anzeigen über den Fahrzeugbildschirm und Bedienung über Fahrzeugtouchbildschirm, Dreh-Drücksteller und Lenkradtasten sowie fahrzeugbasierter Spracheingabe (Mirror Link)?
  • Oder ein simpler Handyhalter mit Stromanschluss, OBD II Zugang, und Datenantenne? Die Anwendungen kämen dann aus der Netzwelt, sichere Bedienung wird den App-Programmierern und dem Urteilsvermögen des Fahrers überlassen.

Mobiles Multitasking als Zukunftsherausforderung
Mit der Integration von Smartphone, Vehicle-2-x Kommunikation und Cloud-basierten Services wachsen die Möglichkeiten für Freiheit und Ablenkung ins Unendliche. Wir werden demnächst im Auto (während der Fahrt?) Nachrichtenhappen konsumieren, Mini-Games spielen, per Twitter und Facebook Statusmeldungen austauschen, vorausschauend Verkehrszustände erfassen und alternative ÖPNV-Fahrpläne mit unserem Navi vergleichen, während im Hintergrund Sicherheitswarnungen zu den Straßenverhältnissen laufen. Solche Szenarien werfen viele Fragen auf – von der Bedienbarkeit über den Mehrwert bis zur Verkehrssicherheit. Wie ermöglichen wir dem Fahrer den mittlerweile gewohnten vernetzen Lebensstil bei höchster Sicherheit im Auto? Liegen Lösungen in Fahrerzustandserkennung, Automatisierung, und situationsadaptiven Mensch-Maschine-Interfaces? Was ist denkbar, was bringt echten Mehrwert und was ist machbar mit Mensch, IT, Telekommunikation und Medien im Automobil?

Vehicle Interaction Summit: der Knotenpunkt im Wissensnetzwerk
Auf dem Vehicle Interaction Summit werden Wissenschaftler des Fraunhofer IAO und Referenten aus der Branche verschiedene Ansätze zu den zukünftigen Diensten und ihren Nutzerschnittstellen im Automobil analysieren sowie Entwicklungen und Projekte aus diesem Bereich vorstellen. Die Konferenz wird in Kooperation mit den InnoVisions Days durchgeführt und bietet eine exzellente Plattform für Diskussion und Netzwerken mit Experten aus Forschung und Industrie zu aktuellen Studienergebnissen, Anwendungen, Lösungen sowie zu Zukunftsperspektiven. Vorträge u.a. von BaSt, BMW, Daimler, Delphi, Ford, Fraunhofer und Harman Automotive geben Einblick in die Entwicklungen der Zukunft. Durch die Veranstaltung führt Dr. Manfred Dangelmaier, Leiter der Abteilung Engineering-Systeme und Vehicle Interaction des Fraunhofer IAO.

Frederik Diederichs

Frederik Diederichs

Maschinenversteher und Fahrsimulant am Fraunhofer IAO. Er erforscht, wie zukünftige Assistenzsysteme und Anzeigen im Auto aussehen müssen, damit sie sich positiv auf unser Erleben und Verhalten auswirken. Spaß an Mobilität kann man schließlich auch in Zukunft nie genug haben.

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