Nutzerbasierte Dienstleistungsprodukte und Geschäftsmodelle für den demografischen Wandel in China

Wissenschaftsjahr 2013: Die demografische Chance

Nicht nur bei uns in Deutschland, auch im Land des Roten Drachen altert die Gesellschaft – und zwar rapide. Häusliche Pflege- und Betreuungsdienstleistungen werden aktuell (Stand Januar 2013) für nur ein Prozent (!) der chinesischen Gesamtbevölkerung angeboten. Ein Millionenheer alternder Chinesen kann mit dem bestehenden Instrumentarium an Dienstleistungen in naher Zukunft nicht mehr ausreichend versorgt werden. In der Optimierung bestehender und besonders in der Entwicklung neuer und geeigneter häuslicher Pflege- und Betreuungsangebote in Kombination mit Alterstechnikprodukten liegt demnach ein gewaltiges Potenzial.

Auch die Chinesen entwickeln hierfür Technologien, programmieren Software und vernetzen Sensoren, Software und Produkte über einen Server oder Plattformen. Anders als in Deutschland nehmen die Chinesen die im ZEIT-Artikel geforderten Themen »Gründliche Feldversuche« und »Entwicklung nutzerbasierter Dienstleistungsmodelle« hierbei jedoch sehr ernst.

Im Projekt »Service Product Innovation for Elderly People in Beijing« wurde nicht nur eigens eine Community (Yangfan Dian Street im Haidian District, Bewohnerzahl ca. 127 000 mit Seniorenanteil bei ca. 20 Prozent) der Stadt Peking als Testplattform ernannt, begleitend zur Entwicklung der Alterstechnikprodukte lässt sich das dort für das Projekt verantwortliche Beijing Research Center for Urban System Engineering von Experten des Fraunhofer IAO in der Vorgehensweise des Service Engineering beraten und qualifizieren, um gemeinsam konkrete, akzeptierte und realisierbare nutzerbasierte Dienstleistungs- und Geschäftsmodelle vor Ort zu entwickeln und zu erproben.

Um den Nutzen zweifelsfrei nachzuweisen, sollen hier viele Hunderte chinesischer Senioren die Techniken und die begleitenden Dienstleistungsangebote über ausreichend lange Zeiträume testen und bewerten. Das Vorgehen soll als Blaupause sowohl für weitere Communities in Peking als auch für andere chinesische Millionenmetropolen dienen.

Für die Zukunft planen die Projektpartner u.a., die Community auch ausländischen Anbietern von Alterstechnikprodukten als Testfläche zur Verfügung zu stellen. Ziel einer eigens hierfür initiierten strategischen Partnerschaft ist es, eine internationale Forschungs-, Entwicklungs- und Kooperationsplattform zu schaffen, um konkrete Serviceprodukte, Lösungen und Geschäftsmodelle für den in China – aber auch global – aufstrebenden Markt der Versorgungs- und Pflegekonzepte zu entwickeln und diese zu erproben.

Den Chinesen scheint damit zu gelingen, was in Deutschland den Durchbruch verhindert. Wir sind gespannt auf die nächsten Entwicklungen und wohin die Reise noch führen wird.

Thomas Burger

Thomas Burger

Thomas Burger hat das Institut 2015 verlassen.

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