Science-Fiction-Taxi

Ambient Mobility Lab

Wir schreiben das Jahr 2256: Bruce Willis manövriert als Taxifahrer Korben Dallas Tag für Tag sein Taxi durch die Rushhour. Doch nicht nur vor und hinter ihm erstrecken sich Massen von weiteren Fahrzeugen, sondern auch unter und über ihm, denn: Der Verkehr der Zukunft spielt sich im Luftraum ab. Diese Szene aus dem Science-Fiction-Film »Das Fünfte Element« ist für den Zuschauer genauso atemberaubend wie surreal. Schließlich ist es undenkbar, dass Autos, Busse oder Bahnen in naher Zukunft den Luftraum unserer Städte erobern – oder?

Challenge für kluge Köpfe

Klar ist: Neue Anreize müssen her, um das Taxi wieder attraktiver zu machen. Zusätzliche Leistungen wie erhöhter Reisekomfort, Umweltfreundlichkeit oder neue Technologien könnten mögliche Ansätze sein. Aber wie kann so ein Taxi der Zukunft konkret aussehen? Wie könnte es funktionieren und welche Services könnte es anbieten?

Im Rahmen einer Semesterarbeit hatten die Studierenden des Studiengangs »Transportation Interior Design« der Hochschule Reutlingen folgende Aufgabe: Visualisiert ein elektrisches, autonomes und/oder geteiltes Taxi in einer internationalen Metropole eurer Wahl. Hochspannende Konzepte waren das Resultat.

Meeressäuger für die Großstadt

Der »Airwhale« von Qiudi Yang besticht zunächst durch sein stromlinienförmiges Design. Und das hat durchaus einen Grund: Äußerlich, aber auch funktionell ist dieses futuristische Taxikonzept seinem Namensgeber, dem Wal, nachempfunden. Es schützt seine Passagiere, indem es sie von äußeren Umwelteinflüssen wie Lärm und Smog abschottet. Durch das Prinzip der Fotokatalyse filtert das Fahrzeug außerdem die verschmutzte Stadtluft und bewegt sich autonom und elektrisch fort.

Luxus für unterwegs

Das Taxi als neues Statussymbol? Genau diesen Gedanken verfolgt Nico Trischler mit seinem Entwurf »Urban Snobiety«. Ein Innenraum, der ganz komfortabel nur auf eine Person ausgelegt und im Interieur individuell anpassbar ist, verspricht dem Kunden maximalen Reisekomfort.

Im Schlaf von A nach B reist man dagegen mit dem »Nap Cab« von Natalie Fransen. Seine Sitze sollen mit einer Polystruktur ausgestattet sein, die sich an den Körper des Passagiers anpasst und so zum Relaxen oder sogar zu einem Nickerchen einlädt. Ein bisschen Luxus für den ÖPNV soll dagegen eine Hybrid-Lösung aus Öffentlichem Verkehr und Taxi gewährleisten. Wie so etwas aussehen könnte, zeigt das »lifeboat« von Aleksandar Tserovski. Das Taxi ist zum Beispiel an einem Bus angedockt und kann bei Zeitdruck oder Überfüllung wie eine Rettungskapsel einfach vom Trägerfahrzeug gelöst werden.

Taxi fahren wie Corban Dallas?

Die vielen interessanten Ideen der Studenten geben uns einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie das Taxi der Zukunft aussehen könnte. Eine Frage blieb bis jetzt allerdings ungeklärt: Bewegen wir uns vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft in luftigen Höhen fort? Die Antwort ist: Ja – jedenfalls wenn es nach Yuheng Zhao geht. Hauptsächlich für Megacities entworfen, schlängelt sich sein Taxi auf Achterbahnschienen von Wolkenkratzer zu Wolkenkratzer. Nichts für schwache Nerven! Ob zu Lande oder in der Luft, abgekapselt oder luxuriös chauffiert – wir dürfen gespannt sein, was die Zukunft bringt. Welche neuartigen Geschäftsmodelle uns erwarten, das verraten wir im kommenden Blogbeitrag zu Future Urban Taxi.

»Airwhale« © Qiudi Yang
»Urban Snobiety« © Nico Trischler
»Nap Cab« © Natalie Fransen
»lifeboat« © Aleksandar Tserovski
© Yuheng Zhao

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Susanne Schatzinger

Susanne Schatzinger

Stadt- und Mobilitätsforscherin am Fraunhofer IAO. Die Geographin und Kulturwissenschaftlerin mit Chinesisch-Kenntnissen bloggt derzeit am liebsten zum Thema Taxi der Zukunft. Dienstfahrten erledigt sie aber meist mit einem der über 40 Elektrofahrzeuge, die sich in der IAO-Forschungsflotte befinden. In Ihrer Freizeit fährt sie gerne Motorrad.

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