Soziale Innovation ist kein Kinderspiel aber auch kein Rocket-Science

Warum macht die Fraunhofer-Gesellschaft als größte Forschungseinrichtung Europas Kinderstadtteilforschung? Wir sind nicht etwa einfach auf der Suche nach populären »Themen mit Herz«. Wir forschen an neuen Formen sozialer Innovation in Zeiten der digitalen Umwälzung, und das gemeinsam mit den unterschiedlichsten Menschen, auch mit Kindern und Jugendlichen.

Soziale Innovationen geben Antworten auf drängende Zukunftsfragen. Sie können von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft nicht alleine, sondern nur gemeinsam geschaffen und umgesetzt werden. In der digitalen Transformation werden Bürgerinnen und Bürger zu Usern und Co-Kreatoren von (digitalen) Daten, Diensten und Ökosystemen, welche das öffentliche Leben und den öffentlichen Raum betreffen und gestalten. Abgesehen von der Akzeptanz durch Mitgestaltung lassen sich mit sozialen Innovationsansätzen Aspekte und Perspektiven integrieren, die über herkömmliche Planungsverfahren in Expertenkreisen nicht sichtbar geworden sind. Die Landeshauptstadt Stuttgart nutzt dieses Potenzial und hat »Kinderbürger« eingeladen, an der Planung des Olga-Areals in Stuttgart mitzuwirken.

Kinderbeteiligung Olgäle: Kindermund tut Innovationen kund

Das Areal des alten Stuttgarter Kinderkrankenhauses, im Volksmund liebevoll »Olgäle« genannt, wurde im letzten Jahr komplett abgerissen. Im Moment werden bereits mit Hochgeschwindigkeit neue Wohnungen, Cafés, Einkaufsmöglichkeiten, Kindergärten usw. gebaut.

Die Landeshauptstadt Stuttgart will, dass in diesem kinderreichen Areal die Bedürfnisse von Kindern und jungen Menschen nicht nur berücksichtigt, sondern als wesentlicher Bestandteil des Konzepts gefördert werden. Die Ideen der jungen Menschen sollen bereits im Planungs- und Beteiligungsprozess Gehör finden. Deshalb hat das Jugendamt mit dem Projekt »Kinderfreundliches Stuttgart« ein Instrumentarium zur Kinderbeteiligung entwickelt und in diesem Fall mit der lokalen Gruppe der Kinderstadtteilforscher in hervorragender Art und Weise eingesetzt: An erster Stelle steht eine gemeinsame Ortserkundung, zweitens folgt ein Erfinder-Spiel, bei dem die Kinderexperten Aufenthalts-/Spielgeräte für den Platz erdenken. Drittens wird der Planentwurf der Architekten vorgestellt und als vierter und letzter Schritt aus all dem zusammen der eigene, optimale Spielplatzplan entworfen.

Kinderbeteiligung
Auf Exkursion © Kinderbeteiligung Olgäle (Landeshauptstadt Stuttgart) und Projekt Kinderstadtteilforschung (Caritas und Fraunhofer IAO)
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Beim Zeichnen… © Kinderbeteiligung Olgäle (Landeshauptstadt Stuttgart) und Projekt Kinderstadtteilforschung (Caritas und Fraunhofer IAO)
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…und Diskutieren © Kinderbeteiligung Olgäle (Landeshauptstadt Stuttgart) und Projekt Kinderstadtteilforschung (Caritas und Fraunhofer IAO)
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Bei der Ergebnispräsentation © Kinderbeteiligung Olgäle (Landeshauptstadt Stuttgart) und Projekt Kinderstadtteilforschung (Caritas und Fraunhofer IAO)
Kinderbeteiligung
Bei der Ergebnispräsentation © Kinderbeteiligung Olgäle (Landeshauptstadt Stuttgart) und Projekt Kinderstadtteilforschung (Caritas und Fraunhofer IAO)

Gar nicht kindlich: Bilanz sozialer Innovation im Stadtgebiet

Soziale Innovation mit Kindern ist weit mehr als Spielplatzgestaltung. Kinder identifizieren Probleme, die auf dem Reißbrett der Planungsbüros nicht identifiziert werden können. Ihre Integration in die Stadtteilplanung sorgt dafür, dass die Stadt Stuttgart beispielsweise besondere Querungsproblematiken der Verkehrsführung im Vorfeld erkennt und beseitigen kann, bevor städtisches Geld in unzureichende Baumaßnahmen und die folgenden Korrekturmaßnahmen investiert wird.

Auch mit einer Mär in Bezug auf die Nutzung und Gestaltung von Spielplätzen kann aufgeräumt werden: Kinder wünschen sich nicht vollgestellte Spiel-Plätze mit immer neuen Spielgadgets und bunten Gerüsten, sondern Orte mit Aufenthaltsqualität und Platz zur Verwirklichung. Also statt der x-ten Rutschbahn eher soziale Räume mit Büschen, Höhlen, Picknick-Gelegenheiten sowie flexible Sitz- und Spielmöbel.

In den kommenden Tagen stellen wir hier vor, wie soziale Innovationen mit Schülern Klimaschutz und Luftreinhaltung in Stuttgart voranbringen.

Danksagung

Danke an alle Forscherkinder fürs Mitmachen. Danke an Martina Joos (Projektleiterin) und Yasemin Mengüllüoglu (Hausleitung) und alle anderen beteiligten Sozialpädagogen vom Caritasverband für Stuttgart e.V. für die hervorragende Projektierung. Danke an Ulrike Tamme und Judith Guldin vom Jugendamt Stuttgart. Danke an die Schulleiterin Elisabeth Tull und die Lehrerin Sonja Schwarz. Danke an meinen Arbeitgeber Fraunhofer IAO für die Unterstützung. Sowie danke an alle Bürgerinnen und Bürger, Organisationen und Verwaltungen, mit denen wir bislang in Interaktion getreten sind.

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