Stammdatenmanagement: Qualität verpflichtet

Mitte diesen Jahres hat das Fraunhofer IAO eine Anbieterbefragung zu Stammdatenmanagementsystemen durchgeführt. Jetzt wollten wir wissen, wie die Anwender zu diesem Thema stehen. Die Anwenderbefragung, die wir im Rahmen des Projekts M3V durchgeführt haben, hatte einige Überraschungen in sich. In diesem Beitrag möchte ich einige davon beschreiben, die ich im Bereich der Datenqualität erfahren habe.

Das Gute vorweg: Für alle 179 Befragten ist Datenqualität ein wichtiges Gut. Wenn man genauer hinschaut, wird es allerdings spannend: 45% der Befragten sind der Meinung, dass sie durch schlechte Daten bereits wirtschaftliche Nachteile erlitten haben. Dennoch sind 30% nicht bereit, Geld für die Erhöhung der Datenqualität im Unternehmen auszugeben. Dabei scheint sich die Investition zu lohnen: 40% derjenigen, die bereits am Besten im Bereich der Datenqualität aufgestellt sind, sind bereit Geld hierfür auszugeben. Von denen, die schlecht in diesem Bereich aufgestellt sind, sind es gerade einmal die Hälfte.

Werterhaltung durch Stammdatenmanagement
Leider lehnt die Hälfte der Befragten die kontinuierliche Überwachung der Datenqualität ab. Allerdings lässt sich hier eine klare Trennlinie ziehen zwischen denen, die sich bereits intensiv und denen die sich nur spärlich mit dem Thema befasst haben. Immerhin 90% derjenigen, die intensiv Datenqualität betreiben, halten eine kontinuierliche Überwachung für notwendig. Von denjenigen, die sich nur spärlich mit dem Thema befasst haben, lehnt ein Drittel die Überwachung rundweg ab. Meines Erachtens ist diese Abneigung auf die Kosten zurückzuführen. Ich halte das für eine sehr kurzsichtige und gefährliche Strategie, die die Werterhaltung durch gutes Stammdatenmanagement verkennt.

Ich habe mir daher noch mal genauer angeschaut, wer der Meinung ist, dass er wirtschaftliche Nachteile durch schlechte Daten erlitten hat: Die Hälfte derjenigen, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigen sind der Meinung, dass sie bereits wirtschaftliche Nachteile erleiden mussten. Auf der anderen Seite, sind 60% der Skeptiker, die sich nicht mit Datenqualität beschäftigen, der Meinung, dass sie keine Nachteile hatten. Für mich ist dies ein klares Indiz dafür, dass sich Datenqualität erst beim zweiten hinschauen erschließt und ihre wirtschaftlichen Implikationen leider auch nur schwer messbar sind. Ihr Schaden tritt nämlich verteilt in unterschiedlichen Abteilungen und Prozessschritten auf und ihre Verursacher sind häufig nicht die Leidtragenden – zumal die Ursachen häufig auch organisatorischer oder technischer Natur sind. Ein einzelner Schaden ist zudem oft nicht mehr als ein Ärgernis, welches allerdings durch häufige Wiederholungen zu beträchtlichen Skaleneffekten führt. Deshalb bin ich mir sicher, dass ein Großteil der Skeptiker sehr wohl auch schon substanzielle wirtschaftlich Nachteile durch schlechte Daten erleiden musste, aber die Ursache nicht erkennen konnte. Wieso sonst zeigen diejenigen, die sich intensiv mit dem Thema befassen, eine doppelt so hohe Bereitschaft Geld hierfür in die Hand zu nehmen?

Qualität zahlt sich aus
Ein Ergebnis hat mich dann doch gefreut. Zwei Drittel derjenigen die sich intensiv mit dem Thema befassen, haben bereits eine Stammdatenmanagementlösung im Einsatz oder planen zumindest die Einführung. Die Notwendigkeit, Stammdatenmanagement zu betreiben, wenn einem Datenqualität wichtig ist, hat sich also anscheinend herumgesprochen. Die zwei Drittel derjenigen die sich nicht intensiv mit der Datenqualität auseinander gesetzt haben und auch das Thema Stammdatenmanagement nicht aktiv verfolgen, möchte ich ganz herzlich zum diesjährigen Stuttgarter Softwaretechnik Forum einladen. Dort werde ich auch weitere spannende Ergebnisse der Studie präsentieren. Zu diesem Anlass wird dann auch die gesamte Studie, als dritter Band der Cross Media Publishing Studienreihe, erscheinen.

Jochen Kokemüller

Jochen Kokemüller

Jochen Kokemüller hat das Institut 2012 verlassen.

Autorenprofil