Summer in the City: Wie Städte mit dem Klimawandel umgehen können

Es ist wieder soweit: Sommer in Stuttgart. Tagelange Höchsttemperaturen von über 30 Grad, stehende Luft, drückende Feuchtigkeit, unangenehme Gerüche im öffentlichen Nahverkehr und keine Gelegenheit, mal eben im naheliegenden See Kopf und Körper abzukühlen. Auch die vom Wetterbericht angekündigten Gewitter bringen nur selten die vom braun gebrannten Gras so dringend benötigten Niederschläge und in den teils tropischen Nächten bleibt eine echte Abkühlung oftmals aus. Inzwischen ist sogar das Grillen vielerorts wegen Brandgefahr untersagt. Der Sommer in Stuttgart ist in einer Dachgeschosswohnung, in unklimatisierten Büros oder für (ältere) Menschen mit Kreislaufproblemen wirklich kein Zuckerschlecken!

Klimawandel? Ne, auch früher gab’s heiße Tage

Die einen sagen: In Stuttgart war’s schon immer ein bisschen wärmer, immerhin wird hier Wein angebaut und der Kessel tut sein Übriges. Nein, sagen die anderen, das ist der Klimawandel. Fakt ist: Immer mehr Menschen leben in Städten, brauchen dort Wohnraum und Infrastruktur, um mit dem Fahrrad, Bus oder (Elektro-)Auto zur Arbeit zu fahren. Durch den Bau von Straßen und Häuser werden jedoch Oberflächen versiegelt. Und Beton und Asphalt heizen sich eben mehr auf als eine Kastanie oder immergrüne Bodendecker. Hitzeinseln sind vielerorts die Folge.

Klimawandel verschärft die Lage

Fakt ist aber auch: Der Klimawandel ist real und verschärft die Lage zusätzlich. Temperaturrekorde sind weltweit signifikant häufiger geworden, ebenso Extremwetterereignisse wie Stürme, Starkregen oder Hitzewellen und der dadurch verursachte Schaden. Der Rückversicherer Munich Re kann dies mit seinen umfassenden Daten zu Naturkatastrophen, die im NatCatSERVICE online zur Verfügung stehen, erschreckend eindrucksvoll belegen. Auch die Modellrechnungen, die im 5. Sachstandsbericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change der Vereinten Nationen) 2013 veröffentlicht wurden, machen deutlich: Die globale Mitteltemperatur ist zwischen 1880 und 2012 um 0,85 Grad Celsius gestiegen und die Hälfte des beobachteten Anstiegs ist durch das vom Menschen gemachte Treibhausgas in jüngerer Zeit verursacht worden. Ein Halt ist dabei nicht in Sicht.

Klima-Herausforderungen in Städten

Während die einen den Klimawandel immer noch leugnen, werden die anderen aktiv und versuchen, Mittel und Wege zu finden, um den Klimawandel zu bremsen und dort, wo der Wandel unumkehrbar ist, mit den Folgen umzugehen. Halle (Saale), Hamburg und Mannheim gehören zu dieser zweiten, aktiven Gruppe. Hamburg hat mit innerstädtischen Hitzeinseln, Starkregen und Bodenverlusten zu kämpfen, die den Hafen gefährden. Um diesen Problemen zu begegnen, setzt die Stadt auch auf Forschung: Im KlimaCampus Hamburg haben sich Universitäten, Forschungseinrichtungen und Behörden zu einem schlagkräftigen Netzwerk zusammengetan, um Klimaschutz und Klimaanpassung voranzutreiben. Halle versucht, den drohenden Schäden durch Hochwasser mit baulichen Maßnahmen und der Schaffung von Retentionsflächen zu begegnen. Auch Mannheim kämpft mit der Hitze in der Stadt und will mit Frischluftschneisen, Haus-, Flächen- und Fassadenbegrünung sowie mit energetischer Sanierung Abhilfe schaffen. Auch Mücken- und Insektenplagen, Schädlingsbefälle am städtischen Baumbestand und die Ozon- und Feinstaubbelastung beschäftigen die kommunalen Akteure.

SMARTilience: Steuerungsmodell für die klimaresiliente Stadtentwicklung

Die größte Herausforderung für Städte ist oftmals aber gar nicht das Finden einer geeigneten Lösung zur Klimaanpassung, sondern vielmehr ihre Umsetzung. Verschiedene Zuständigkeiten und involvierte Behörden mit teils widersprüchlichen Zielvorgaben, politische Interessen und Budgetengpässe machen es oftmals schwer, geeignete Lösungen tatsächlich zu realisieren. Im Forschungsprojekt SMARTilience, das vom BMBF gefördert wird, entwickeln wir deshalb ein Governance-Modell, das die integrierte, klimaresiliente Stadtentwicklung steuern soll: von der Problem- und Bedarfsanalyse, der politischen Arbeit über die Entwicklung von konkreten (technischen) Lösungen bis hin zur öffentlichen Beteiligung, Umsetzung und Evaluation. Ziel ist es, kommunale Entscheidungs- und Handlungsträger beim vorausschauenden und effizienten Klima-Handeln zu unterstützen – und Halle (Saale), Hamburg und Mannheim machen es vor.

Sie wollen, dass Ihre Stadt auch im Sommer 2050 noch eine lebenswerte Stadt mit kühlen Köpfen ist? Dann kontaktieren Sie uns. Wir freuen uns auf den Austausch!

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Veronika Zettl

Veronika Zettl

Kommunikationswissenschaftlerin und Projektleiterin am Fraunhofer IAO. Die Trägerin des VÖZ-Preises für Medienforschung 2014 untersucht Informationsprozesse im Krisenmanagement und begeistert sich für die Themen Stadt und Sicherheit. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in der Flüchtlingshilfe und sucht nach dem besten Café der Stadt.

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