Vernunft und Unvernunft von Digitalisierungsinitiativen

Ist die »Digitalisierung« ein Megatrend oder einfach nur ein Modewort? Die Frage stellt sich derzeit immer öfter, da das Wort im Jahr 2015 wahllos und beliebig oft in unterschiedlichsten Berichten und Artikeln aufgetaucht ist. Genauso haben es viele Unternehmen aufgenommen und als Aufhänger genutzt, um Veränderungen zu rechtfertigen oder anzustoßen. Fragt man jedoch die entsprechenden Entscheider im Unternehmen, was sie unter Digitalisierung verstehen, wird man keine einheitliche Definition finden. Von Industrie 4.0 über Internet of Things und Connected Devices bis hin zu optimierten End-to-End-Prozessen und digitalen Geschäftsmodellen wird so gut wie alles mit »der Digitalisierung« in Verbindung gebracht. Missverständnisse sind vorprogrammiert.

Eine differenzierte Betrachtung »der Digitalisierung« ist notwendig

Dabei sind die Aussagen keineswegs falsch, man sollte die Digitalisierung jedoch differenzierter betrachten. Insbesondere gilt es abzuschätzen, welche Änderungen für das jeweilige Unternehmen relevant sind und einen spürbaren Mehrwert versprechen. Dies bedarf einer detaillierten Analyse des Unternehmens, des Kerngeschäfts und der Konkurrenz. Dabei kann auch herauskommen, dass z.B. ein Unternehmen mit einem produktorientierten Kerngeschäft bereits für die Zukunft gut aufgestellt ist und vom Aktionismus, sich komplett digital zu transformieren, Abstand nehmen sollte. Insbesondere Maßnahmen zur Optimierung der internen Prozesse (wie z.B. verbesserte interne Kommunikation, digitale Unterstützung von internen Abläufen) können bereits mit geringem Aufwand die Leistungsfähigkeit des Unternehmens deutlich erhöhen und Kosten einsparen.

Bedrohung für Geschäftsmodelle identifizieren und Gegenstrategien entwickeln

Eine einfache und systematisierte Vorgehensweise kann schnell Klarheit schaffen: Situation erfassen, Zielbild entwickeln und Transformation starten.

Unverzichtbar dabei: Die aktuelle Marktsituation zu erfassen, zu analysieren und zu bewerten und gleichzeitig die Bedrohungen für das eigene Geschäftsmodell zu identifizieren. Dringlichkeit und strategischer Nutzen von anvisierten Maßnahmen lassen sich so verlässlich beurteilen. Darüber hinaus müssen die Flexibilität und Agilität des eigenen Unternehmens überprüft werden, um die Machbarkeit und das Ausmaß der Veränderungen abzuschätzen.

Beim Aufzeigen der Vision bzw. des Zielbilds müssen die notwendigen Strukturen und konkrete Geschäftsziele klar definiert werden. Die erforderlichen Maßnahmen im Innen- und Außenverhältnis können dadurch gezielt für die relevanten Unternehmensbereiche umgesetzt und abschließend überprüft werden.

Kundenorientierung ist erfolgreicher als technologiegetriebene Entscheidungen

Fazit: Natürlich muss sich jedes Unternehmen weiterentwickeln, um flexibel auf den Markt und die Anforderungen neuer Kundengenerationen reagieren zu können. Mit der Weiterentwicklung in einzelnen Bereichen geht eine Transformation im ganzen Unternehmen einher. Manche digitale Technologie kann dabei unterstützen, sollte das Unternehmen aber nicht dazu verleiten, vom eigentlichen Kerngeschäft abzuwandern. Die Vernunft und entscheidet über den späteren Unternehmenserfolg und nicht die Unvernunft, immer wieder neu aufkommenden Trends hinterherzujagen.

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