Vom Elektroauto zur U-Bahn – eine neue Mobilität entsteht

Auf dem Weg zu einer neuen Mobilität – werden unsere Autobauer in die Röhre schauen?

Wie konnte Tesla die deutschen Automobilbauer so schnell einholen, ja fast überholen? Schließlich bietet gerade BMW mit dem i3 ebenfalls ein auch als solches konsequent konzipiertes und entwickeltes Elektrofahrzeug im Preisbereich des Tesla Model 3 an. Wie ist es möglich, dass eine neue, junge Firma sich gegen als eigentlich zementiert geltende Marktgesetze behaupten kann? Ganz einfach: Tesla spielt nicht innerhalb der geltenden Regeln des Automobilmarkts. Während (vor allem unsere deutschen) etablierte Automobilhersteller gemäß ihrer originären Rolle als Unternehmen, getrieben von ihren Aktionären und Anteilseignern, darauf abzielen, Gewinne zu erwirtschaften und langfristig stabil zu wachsen, hat Tesla die Betrachtung der Profitabilität erstmal weitgehende ausgeklammert, um sich zunächst eine entscheidende Marktmacht aufbauen zu können. Eine Strategie, die im Automobilbau bisher völlig undenkbar war, in anderen Industrien aber gang und gäbe ist. Insbesondere IT-Konzerne agieren nach diesem Muster – beispielhaft sei Amazon genannt, das lange unprofitabel operierte, gleichzeitig aber eine dominante Vormachtstellung im Online-Handel aufbaute und etablierte, die nur wenig Platz für weitere Anbieter lässt. Im Fokus entsprechender Strategien steht dabei das Sammeln möglichst vieler Kundenkontakte. EFragen Sie sich mal selbst: Haben Sie noch nie etwas bei Amazon bestellt?

Das Uber-Prinzip: Macht über die Schnittstelle zwischen Konsument und Anbieter

Dass diese Mechanismen eines schnellen Ausbreitens, ohne Rücksicht auf die kurzfristige Gewinnerzielung, zukünftig auch unsere Mobilität beeinflussen werden, zeigt vor allem auch der Ansatz des Mitfahrdienstes Uber. So gab es vor kurzem Zeitungsmeldungen über Verhandlungen eines möglichen Mega-Auftrags von Uber an Daimler über den Kauf von 100 000 autonomen S-Klassen. Bedenkt man, dass es in Deutschland gerade mal etwas über 50 000 Taxis gibt, wird einem der Ausmaß dieses Deals bewusst, der mit einem Gesamtvolumen von rund 10 Milliarden Euro auch finanziell in Dimensionen vorstößt, die in Bezug auf Personen-Mobilität so eher aus der Luftfahrtbranche bekannt sind. Der Vergleich ist insofern interessant, da in der Luftfahrt die Hersteller die Flugzeuge an die Fluglinien verkaufen, die wiederum den vollständigen Kontakt zum Endkunden besitzen. Ähnliche Zukunftsvisionen eines reinen B2B-Geschäfts der Hersteller werden vermehrt auch für die Automobilindustrie diskutiert, wobei immer wieder auch die Namen der IT-Giganten Google und Apple auftauchen, die wohl eigene Angebote im Bereich der Individualmobilität planen – zuletzt kamen etwa Gerüchte über mögliche Kooperation von Google und dem Fiat-Konzern auf. Anzumerken ist, dass bei Firmen das Prinzip der schnellen Ausbreitung zur Erlangung großer Marktanteile verinnerlicht haben, dabei aber zusätzlich auch noch profitabel agieren.

Der Uber-Auftrag an Daimler ist, gemäß Pressemeldungen, allerdings an eine grundlegend Bedingung geknüpft: Die Fahrzeuge müssen autonom steuern können. Auch im Google-Projekt ist das autonome Fahren die technologische Basis des Projekts. So gilt die Automatisierung des Automobils als technologischer Schlüssel, um unsere Mobilität grundsätzlich zu verändern. Menschen ohne Fahrkenntnisse werden individuell mobil und die Zeit im Fahrzeug kann für weitere Tätigkeiten genutzt werden. Ein entsprechendes Kundeninteresse und Marktvolumen konnten wir in unserer aktuellen Studie »The Value of Time« nachweisen, im Rahmen derer wir dazu eine Nutzerumfrage auf drei Kontinenten durchgeführt haben. Ähnlich wie in der Flugbranche rückt die Maschine, hier das Automobil, als Produkt aus Sicht der Endkunden in den Hintergrund – Mobilität und Serviceleistungen werden entscheidend. Genau hier sehen neue Wettbewerber ihre Markteintrittschance und in der schnellen Eroberung einer signifikanten Anzahl an Kundenkontakten die geeignete Strategie.

Autobauer müssen Mobilität neu denken

Zusammengefasst scheint unserer bekannten (Auto-)Mobilwelt also ein grundlegender Wandel bevor zu stehen. Während Tesla den Verbrennungsmotor – einen der wichtigsten Kompetenz- und Wertschöpfungsbereiche etablierte Hersteller – in Frage stellt, gehen Uber, Google und Co. noch einen Schritt weiter und hinterfragen, ob Endkunden zukünftig überhaupt noch ein Auto besitzen oder es nur noch nutzen werden. Tesla-Gründer Elon Musk macht in seiner Vision der Zukunft einen nochmals radikaleren Schritt – sein Hyperloop macht das Auto gänzlich überflüssig. Die Idee einer superschnelle Rohrpost für Menschen zur Verbindung von Metropolen zeigt, worum es im Grunde geht: Mobilität. Vielleicht wird der Hyperloop seinem Urahnen der U-Bahn nacheifern und unsere Mobilität grundlegend verändern. In die Röhre werden dann nicht nur wir Kunden, sondern auch die etablierten Automobilhersteller schauen.

Bis die Vision des Hyperloops Realität wird, wird sicherlich noch viel Zeit vergehen und uns das Automobil vorerst erhalten bleiben. Ein zeitnaher grundlegender Wandel der Industrie scheint dennoch unausweichlich: Die Kundenbeziehung und das allgemeine Mobilitätsverständnis werden sich verändern, neue Technologien werden sich durchsetzen, neue Wettbewerber werden auftreten, Strategien und Wertschöpfungsstrukturen werden sich anpassen. Nie war es in den letzten Jahrzehnten so spannend auf dem Gebiet der Automobilindustrie zu forschen wie zurzeit! Um Sie an unserer Arbeit teilhaben zu lassen, haben wir daher eine Blogreihe gestartet,. Im Fokus stehen dabei die Betrachtung des Autonomen Fahrens, der Digitalisierung der Automobilindustrie sowie Geschäftsmodelle und Marktstrukturen im Bereich der motorisierten Individualmobilität. Wir freuen uns auf Ihre Fragen und Kommentare hier auf dem IAO-Blog dazu!

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