Was wird aus Standardsoftware in Zeiten der Industrie 4.0?

Nach wie vor ist Excel wohl das am meisten genutzte Programm im Kontext der Produktion. Doch das »Schweizer Taschenmesser« unter den Software-Anwendungen wird immer noch häufig als Einzelarbeitsplatzsoftware eingesetzt: Mitarbeiter bearbeiten Sheets; Tabellen und Datenbanken werden weder vernetzt noch gemeinsam verwaltet, geschweige denn koordiniert. Gerade wenn Software den Anwendern große Freiheitsgrade lässt, stellen sich gravierende Nachteile ein: Es kommt zu einem Wildwuchs an Dateien mit unterschiedlichen Berechnungsweisen und verschiedenen Informationsständen – die verteilte Datenhaltung führt zu einem Mangel an Transparenz.

Individualisiertes Excel als Stolperstein für die vernetzte Produktion

Das individualisierte Excel wird so zum Stolperstein für die vernetzte Produktion im Rahmen der Industrie 4.0. Einige Softwareanbieter versuchen deshalb, durch neue Softwaresuiten Abhilfe zu schaffen. Aber die typischen Programmsysteme, die am Markt angeboten werden, sind meist sehr umfangreich. Einführung und Einsatz der entsprechenden Systeme sind aufwendig und damit kostspielig. Außerdem werden Anwender gezwungen, ein zusätzliches Softwaresystem zu erlernen und einzusetzen, häufig ohne direkten Mehrwert für sie selbst.

Daten integrieren, ohne auf die Lieblingssoftware zu verzichten: EU-Projekt amePLM

Die umfassenden Lösungen der Softwareanbieter sind für größere Unternehmen sicher häufig ein zielführender Ansatz – für KMU sind sie meist überdimensioniert und zu teuer.

Dass es auch anders geht, haben wir in dem von der EU geförderten Projekt amePLM nachgewiesen. Unter anderem haben wir ein Softwarewerkzeug entwickelt, mit dem Anwender ihre Excel-Dateien weiter verwenden und dezentral pflegen können – die Daten aber gleichzeitig für alle Beteiligten transparent sind integriert zur Verfügung stehen. Unser Vorgehen hat drei Perspektiven: eine kulturelle, eine organisatorische und eine informationstechnische. Auf kultureller Ebene wird festgelegt, welche Informationen im Anwendungsbereich mit welchen Begriffen bezeichnet werden. Organisatorisch wird gemeinsam mit den Benutzern bestimmt, welche Informationen in welcher Form in welchen Dateien gepflegt werden, es werden gewissermaßen Excel-Dateien genormt. Auf dieser Grundlage wird dann eine Software eingesetzt, die sicherstellt, dass die verteilt gepflegten Daten integriert verarbeitet und beispielsweise durchsucht werden können. Durch seine offene, modulare Bauweise erlaubt die Software auch die Weiterverwendung von Daten und Informationen in den Softwaresystemen anderer Anbieter.

Vernetztes Excel: Wie aus dem Stolperstein ein produktives Tool mit Mehrwert wird

Das entwickelte Softwaresystem wurde erfolgreich bei einem mittelständischen Medizintechnikunternehmen eingesetzt. Mitarbeiter können weiter dezentral mit ihrem »Lieblingswerkzeug« Excel arbeiten und haben nach wie vor ein bestimmtes Maß an Freiheit. Die Auswertung der Daten durch den Betriebsingenieur erfolgt ohne nennenswerten Aufwand durch eine integrierende benutzerorientierte Auswertesoftware – und zwar wesentlich einfacher und schneller als bislang.

Durch den Lösungsansatz aus amePLM können die Mitarbeiter des Pilotunternehmens von Routinetätigkeiten entlastet werden und sich stärker ihrer eigentlichen Aufgabe, der Wertschöpfung, widmen. In der Folge stiegen die Wettbewerbsfähigkeit und Mitarbeiterzufriedenheit des Unternehmens deutlich an. Durch intelligente Lösungen kann also Excel als »Schweizer Taschenmesser« sogar im Produktionsumfeld der Zukunft Mehrwert erzeugen und muss nicht per se verdammt werden.

Vorstellung der amePLM-Lösung am 10. Mai in Stuttgart

Die amePLM-Lösung stellen wir auf unserer Veranstaltung »Als KMU von der Forschung profitieren« am 10. Mai in Stuttgart vor, ebenso weitere innovative Lösungen und Ansätze für gemeinsame Forschungsprojekte.

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Joachim Lentes

Joachim Lentes

Leitet das Competence Team Digital Engineering und erforscht neue Wege, um Unternehmen mit frischen Ideen und innovativer IT wettbewerbsfähiger zu machen. Baut gerne Brücken - zwischen Fachabteilungen, Gewerken und Disziplinen oder auch zwischen Unternehmen als industrielle Symbiose.

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