Wie sollten wir produzieren, damit wir wettbewerbsfähig bleiben?

IAO-Blogreihe zum Wissenschaftsjahr 2015: »Zukunftstadt«

Aktuelle Studien gehen von drastischen weltweiten Umwälzungen in den nächsten Jahren aus: Demnach steigt die Weltbevölkerung bis 2050 um 2,3 Milliarden Menschen. Um für diese den angestrebten Lebensstandard zu realisieren, werden 2,3-mal so viele Ressourcen benötigt wie unser Planet aktuell zur Verfügung stellt. Darüber hinaus wird geschätzt, dass sich der Bevölkerungsanteil, der in Städten lebt, bis dahin auf 6,8 Milliarden Menschen verdoppelt. Nicht nur Städte müssen neu ausgerichtet werden – auch Unternehmen müssen sich damit ganz neuen Herausforderungen stellen.

Ebnet die Industrie 4.0 den Weg für die urbane Produktion?

Zur bereits sehr hohen Dynamik der Märkte mit den entsprechenden kurzen Zeiten zum Markteintritt neuer Produkte kommen ein weiter zunehmender Wettbewerb sowie der Fachkräftemangel. Doch den daraus erwachsenden Anforderungen für Produktionsunternehmen stehen neue Technologien wie die Industrie 4.0 und additive Fertigungsverfahren gegenüber, die auch neue Ansätze der Produktion erlauben. Ein Beispiel ist die bewusste Wertschöpfung im städtischen Umfeld – ressourceneffizient und in Symbiose mit der Umgebung der Betriebsstätte: eine urbane Produktion.

Wann funktioniert urbane Produktion? Die 6 wichtigsten Fragen

Doch lohnt sich eine Produktion in der Stadt? Warum sollten Unternehmen im städtischen Umfeld produzieren – und nicht Städte meiden, wo möglich? Eine Arbeitsgruppe der acatech – die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften – hat sich mit der urbanen Produktion auseinandergesetzt. Sie hat nicht nur deutliche Vorteile für Unternehmen durch das städtische Umfeld, sondern auch wesentliche Fragen erarbeitet, die Unternehmen, Städte und Forschung gemeinsam beantworten müssen, zum Beispiel:

  1. 1. Wie groß muss bzw. darf eine urbane Fabrik sein? Und: Dehnt sich eine urbane Fabrik eher vertikal oder weiter horizontal aus?
  2. 2. Wie wird die Fabrik in die Struktur eines Stadtquartiers eingebunden?
  3. 3. Wie können kognitive Fähigkeiten der Menschen zur Adaption, zum Neugestalten und zum Führen von Produktionen im städtischen Umfeld optimal genutzt werden? Wie kann eine Industrie 4.0 diese Anpassung unterstützen?
  4. 4. Wie werden Materialien und Komponenten von außerhalb der Stadt zu urbanen Fabriken geliefert?
  5. 5. Welche Produkte können überhaupt zweckmäßig im urbanen Umfeld gefertigt werden?
  6. 6. Welche neuen Geschäftsmodelle können im Kontext der urbanen Produktion eingesetzt werden?

Wie schätzen Sie die Möglichkeiten für eine zukunftsfähige, urbane Produktion ein? Lassen Sie uns Chancen und Risiken, Vorteile und Nachteile diskutieren! Wir freuen uns auf spannende Diskussionen hier im Blog oder im Rahmen unserer nächsten Innovationswerkstatt Urban Production am 28. April in Stuttgart.

Leselinks:

  • Stadt der Zukunft – Strategieelemente einer nachhaltigen Stadtentwicklung (.pdf) www.acatech.de
  • World Urbanization Prospects Highlights 2014 (.pdf) http://esa.un.org
  • World Population Prospects – The 2012 Revision Highlights and Advance Tables (.pdf) http://esa.un.org
  • Living Planet Report 2012 (.pdf) www.wwf.de
  • Fraunhofer-Kongress »Urban Futures« – Innovationen, Strategien und Prozesse für die Stadt von morgen am 25. und 26. November 2015 in Berlin:
    www.urban-futures.de
Joachim Lentes

Joachim Lentes

Leitet das Competence Team Digital Engineering und erforscht neue Wege, um Unternehmen mit frischen Ideen und innovativer IT wettbewerbsfähiger zu machen. Baut gerne Brücken - zwischen Fachabteilungen, Gewerken und Disziplinen oder auch zwischen Unternehmen als industrielle Symbiose.

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