Im Alltag einer Sozialstation wirkt Mobilität unspektakulär. Eine Pflegekraft steigt morgens ins Auto, fährt zu einem Patienten, trägt die Fahrt später in ein Papierfahrtenbuch ein und macht sich auf den Weg zur nächsten Adresse. So entstehen Tag für Tag, Jahr für Jahr viele zehntausend Fahrten. Am Standort Rastatt der Katholischen Sozialstationen in Mittelbaden stehen dafür 19 Verbrennerfahrzeuge und 6 Elektroautos bereit, dazu fünf Wallboxen auf dem Parkplatz.

Auf den ersten Blick scheint die Frage nach der optimalen Flottengröße und der sinnvollen Elektrifizierung eine typische Fuhrparkfrage zu sein. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine Frage der Daten.

Reale Daten statt Annahmen

Wie viele Fahrzeuge braucht ein Fuhrpark wirklich und wie viele davon sollten E-Autos sein? Wir haben diese Situation gemeinsam mit den Katholischen Sozialstationen in Mittelbaden analysiert. Dabei standen uns zwei Datenquellen zur Verfügung, die realistischer kaum sein können: Zum einen die generellen Fahrzeugdaten und zum anderen die dokumentierten Fahrten aus dem händisch ausgefüllten Fahrtenbuch. Es gab keine Modellannahmen und keine theoretischen Szenarien, sondern ausschließlich gelebten Alltag.

Vor der Analyse musste zuerst das Fahrtenbuch selbst aufbereitet werden. Tausende handschriftliche Einträge enthielten die typischen Fehler und Ungenauigkeiten, die immer dann entstehen, wenn Menschen über lange Zeiträume Daten manuell erfassen. Erst durch eine systematische Plausibilisierung, Strukturierung und Bereinigung entstand daraus eine belastbare, auswertbare Datengrundlage.

Dieser Schritt ist entscheidend, weil er sichtbar macht, wie viel Wissen über die reale Nutzung der Fahrzeuge bislang nur implizit vorhanden ist und nicht für die Fuhrparkplanung genutzt werden konnte.

Rechnen mit der Realität

Auf dieser Datenbasis hat der »Fleet Optilyzer«, unser wissenschaftlicher Algorithmus zur Optimierung von Unternehmensflotten, mit realen Fahrten, realen Einsatzzeiten, realistischen Reichweiten von Elektrofahrzeugen und aktuellen Energiepreisen das Optimum für die Flotte berechnet. Das Ergebnis ist deutlich:

  • Technisch sind bereits heute 100 % der Fahrten elektrisch möglich
  • Wirtschaftlich sinnvoll ist aktuell ein Anteil von 80 % Elektrofahrzeugen
  • Um dies umzusetzen, sind nicht fünf, sondern 18 Ladepunkte erforderlich

Diese Zahlen sind keine Schätzungen, sondern das Resultat aus tausenden real gefahrenen Strecken.

Unser Learning: Das eigentliche Problem ist nicht der Fuhrpark

Der wichtigste Erkenntnisgewinn des Projekts liegt nicht im Ergebnis der Optimierung, sondern im Weg dorthin. Der mit Abstand größte Aufwand bestand darin, die Datengrundlage in Form von Papierfahrtenbüchern zu prüfen und zu digitalisieren.

Es zeigt sich, dass der Fuhrpark in vielen Organisationen nicht wirklich verstanden wird. Während heute nahezu alles im Unternehmen digital erfasst und ausgewertet wird, bleibt die reale Nutzung von Fahrzeugen erstaunlich häufig unsichtbar. Ein wesentlicher Grund dafür sind fehlende einheitliche Methoden zur Datenerhebung und -auswertung im Fuhrpark.

Solange diese Transparenz fehlt, bleibt jede Diskussion über Flottengröße, Elektrifizierung und Ladeinfrastruktur eine Diskussion auf Basis von Annahmen und Erfahrungswerten. Mit belastbaren Nutzungsdaten wird sie dagegen zu einer lösbaren Rechenaufgabe.

Was andere Organisationen daraus lernen können

Das Projekt zeigt kein spezielles Problem der Katholischen Sozialstationen in Mittelbaden, sondern eine Praxis, die in vielen Unternehmen ähnlich aussieht. Ohne belastbare Fuhrparkdaten ist keine messbare wirtschaftliche Verbesserung von Unternehmensflotten möglich.

Es lohnt sich daher, für die eigene Flotte eine Lösung zu finden, mit der die Nutzungsdaten der Fahrzeuge lückenlos, konsistent und automatisch erhoben werden, ohne manuelles Erfassen. Denn genau diese Daten liefern die Grundlage für nahezu alle fundierten Entscheidungen, mit denen sich ein Fuhrpark wirtschaftlich und nachhaltig gestalten lässt.

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Kategorien: Mobilität und Logistik, Nachhaltigkeit und Resilienz
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