Seit November 2022 sind Chatbots wie ChatGPT und Large Language Models (LLM) in das Leben der Menschen getreten. Der Einsatz von Generativer Künstlicher Intelligenz (GenAI) ist nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Jeden Tag gibt es gefühlt unendlich viele Nachrichten über Künstliche Intelligenz (KI) bzw. Artificial Intelligence (AI), über Rekorde bei Nutzendenzahlen und Börsenkursen, über neu verfügbare disruptive KI-Tools, darüber wie die Arbeitswelt sich durch KI verändert u. v. m.

Wie wäre es in Anbetracht der enormen evolutionären Dynamik, sich einmal kurz zurückzulehnen, einen Perspektivwechsel Mensch – Maschine vorzunehmen und zu fragen: Menschling, was machst du mit mir?

How People Use ChatGPT

Wie kann man herausfinden, wie Menschen ChatGPT? Der Anbieter OpenAI hat zusammen mit Forscherinnen und Forschern der Duke University und Harvard University versucht, die roten Fäden im KI-Labyrinth sichtbar zu machen. Das Labyrinth ist groß. Stolz schreiben die Autorinnen und Autoren, dass ChatGPT vom Zeitpunkt des Launchs im November 2022 bis zum Messzeitpunkt im Juli 2025 von 10 Prozent aller erwachsenen Menschen auf der Erde angenommen (»adopted«) worden sei.

Das Forschungsdesign bestand darin, in einem Zeitraum eine repräsentative Stichprobe an Konversationen (Prompts und Antworten) unter der Wahrung des Datenschutzes auszuwerten und thematisch mit Hilfe von KI zu klassifizieren. Die Konversationen wurden 7 Themen (im Schaubild: die Säulen) mit 23 Kategorien (im Schaubild: die Blöcke) zugeordnet.

Hier das Ergebnis auf einen Blick:

Abbildung 1: How People Use ChatGPT – Aufschlüsselung der Anteile der einzelnen Konversationen in einer Heatmap dargestellt. (Quelle: OpenAI, Duke University und Harvard University)

Abbildung 1: How People Use ChatGPT – Aufschlüsselung der Anteile der einzelnen Konversationen in einer Heatmap dargestellt. (Quelle: OpenAI, Duke University und Harvard University)

Drei Key-Findings stechen besonders hervor:

1. Die Menschen wollen sich in überwiegender Mehrheit in natürlicher Sprache unterhalten – vom Menschen zur Maschine und vice versa. Nur in 6 Prozent der Konversationen wollen Menschen Bilder und andere Medien generieren oder analysieren. Nur in 7,5 Prozent der Konversationen wollen sie Daten analysieren, rechnen oder Quellcodes schreiben lassen (Säule 1 und Säule 6 im Schaubild).

2. Es gibt eine spannende Resterampe mit dem Namen »Other / Unknown«. Insgesamt 4,6 Prozent der Konversationen können nicht anderen Themen und Kategorien zugeordnet werden. Hierunter fallen auch Unterhaltungen, wenn Menschen ChatGPT fragen, wer bzw. was es sei, wie der Bot und sein LLM funktioniere usw. (Säule 2 im Schaubild).

3. Den Löwenanteil machen das Suchen und das Schreiben aus. In 21,3 Prozent der Dialoge wollen Menschen mit ChatGPT suchen und finden (Säule 4 im Schaubild). In zusammengenommen 60,7 Prozent der Konversationen setzen Menschen ChatGPT als Schreibtrainer ein, der ihnen inhaltlich und methodisch helfen soll. Die Blöcke repräsentieren die Bandbreite von Textverbesserung über Ideenerzeugung bis hin zu Plaudereien und Beziehungsangelegenheiten (Säulen 3, 5 und 7 im Schaubild).

Der Fun-Fact-Favorit von uns ist, dass Menschen zu 0,9 Prozent mit ChatGPT über das Essen und Kochrezepte reden – es leben die menschlichen Grundbedürfnisse!

Wer mehr wissen will, etwa zur Verteilung nach Geschlechtern oder in welchem Verhältnis die private und geschäftliche Nutzung stehen, kann selbst nachlesen – oder Sie lassen sich eine Zusammenfassung von einem Chatbot und LLM Ihres Vertrauens erstellen. Auch die Beschreibung der Methodologie ist im Hinblick auf Stichprobe, Datenschutz und KI-Klassifizierungsprompt sehr aufschlussreich. Im Leselink finden Sie den Weg zur Originalstudie.

In einem der nächsten Blogbeiträge wird es darum gehen, was Menschen beim Prompten lieben, hassen und (nicht) verstehen – auf Basis der empirischen Erkenntnisse, welche das Fraunhofer IAO in rund 25 durchgeführten KI-Prompting-Werkstätten und Promptathons mit rund 400 Menschen in den letzten 2,5 Jahren auf Basis von teilnehmender Beobachtung sammeln konnte.

FORWARD Magazin
Tipp: Mehr Einblicke zur Entwicklung und Anwendung von KI in der Arbeitswelt gibt es in der Ausgabe 1/24 des »FORWARD Magazins. Erfahrt Antworten auf zentrale Fragen: Wie machen wir KI für Unternehmen und Mitarbeitende greifbar? Wo sind KI-Anwendungen sinnvoll? Welche Rolle spielt Ethik im KI-Einsatz? Oder besucht unsere Veranstaltungen und entdeckt unsere News und Studien zum Thema »Künstliche Intelligenz«, um stets über die neuesten Entwicklungen informiert zu bleiben.

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Kategorien: Arbeitswelten (New Work, Connected Work), Digitale Transformation, Künstliche Intelligenz, Zukunftstechnologien
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