Führungskräfte

Heute schon gelobt?

Ist Ihr Chef manchmal auch so ruhig? Sagt nix? Kein Problem, »ned bruddelt« [nicht geschimpft] ist zumindest in Schwaben »genug gelobt«.

Dass Lob und Anerkennung viel zur eigenen Motivation beitragen, hat er vielleicht einfach noch nicht erfahren. Immerhin ein Drittel aller Führungskräfte bekommt selbst kein Feedback zu ihrer Arbeit. Das zeigen die ersten Ergebnisse aus unserem laufenden Forschungsprojekt »Führung in der grenzenlosen Arbeitswelt«, das wir im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung gerade durchführen.

SNS – Schaffe, Net Schwätza – (k)ein Motto für Wissensarbeiter?

Vor rund 15 Jahren hat das IAO einen prominenten eigenen Beitrag zur damaligen Diskussion um künftige Produktions- und Arbeitskonzepte mit Abkürzungen wie »CIM« (Computer Integrated Manufacturing“) oder »CAB« (Computer Aided Business) geleistet: »SNS«, die Kurzform für »Schaffe, Net Schwätze« war mehr als einmal eine augenzwinkernde Empfehlung für eine echt schwäbische Produktivitätsstrategie. Beim Sortieren alter Vortragsunterlagen ist mir aufgefallen, dass dahinter auch ein Verständnis von Arbeit und Kommunikation steckt, das sich in Zeiten der Wissensarbeit so nicht mehr halten lässt, aber immer noch in vielen Köpfen ist: nämlich das weit verbreitete Verständnis, dass Kommunikation keine »echte« Arbeit ist, sondern bestenfalls koordinative Zutat oder gerade mal notwendiges Verbindungsglied zwischen den »echt« produktiven Tätigkeiten der Konzeption, Dokumentenerstellung, praktischen Erstellung von Produktteilen etc.

Brauche ich eine Führungskraft? Wenn ja: wo, wann und wieviele?

Führungskräfte, so scheint es, sind eine Spezies, die in den Beschreibungen der modernen und flexiblen Arbeitswelt die negative Rolle besetzt. In der Dramaturgie der Unternehmenswirklichkeit von heute, die durch selbstbewusste Wissensarbeiter, immer dominanter werdendes Spezialistentum, umfängliche Projektwirtschaft und temporäre Formen der Zusammenarbeit geprägt ist, gelten sie eher als »Le(ä)hmschicht«, die aufgrund ihres Festhaltens an präsenzorientiertem Arbeitsverhalten Flexibilität behindern und damit ihr Unternehmen und ihren Mitarbeitern in der Gestaltung flexibler und reaktionsschneller Organisationsformen den Schwung nehmen.

Virtuelle Führungskräfte – mobile Mitarbeiter. Szenen einer neuen Beziehungsform

Unsere Arbeitsstrukturen werden immer virtueller. Teammitglieder begegnen sich immer weniger persönlich, die Präsenzanzeige in Lync ersetzt die halbangelehnte Bürotür und das damit gesetzte Statement, wie sehr man gestört werden möchte. Die Rückschlüsse auf die Person, die früher mit dem Blick auf das lokale Bürobiotop möglich waren (ist er ein Gummibaum-Fan oder eher Purist? Ausgedehnter Weltenbummler oder Designfan?) sind nun eher über den Facebook-Auftritt zu ziehen. Ja, vieles ist möglich in der virtuellen Arbeitswelt von morgen, und wir alle genießen die neuen Freiheitsgrade, die wir damit erhalten können. Aber natürlich drängt sich auch die Frage auf, was diese raum-zeitliche Flexibilisierung für die Organisation des täglichen Miteinanders und speziell für Führungskräfte bedeutet? Auch dieser Punkt wurde in unserer Open-Space-Veranstaltung in Reutlingen durchaus kontrovers diskutiert.

Kennzeichen guter Führung: Hoch loyale, von unten agierende »Reparaturkompetenz«

Anlässlich des täglichen Dauerspagats kann nun das Personalmanagement die Parole »Problem erkannt – Problem gebannt!« ausgeben und direkt 100e thematisch relevante Führungs- und Steuerungsinstrumente anbieten. Theoretisch-fundierte, methodische Lösungsansätze sind aus meiner Perspektive als Wissenschaftlerin ohne Frage notwendig, aber fragen Sie mal die Führungskraft Ihres Vertrauens: In der Praxis sind Leitsätze, Unternehmensvorgaben und Führungsmethoden gar nicht so leicht anzuwenden.

Führungskräfte im täglichen Spagat – Ein Fazit zu unserer Open-Space-Veranstaltung

Hätten wir die 50 Führungskräfte, Personaler und Geschäftsführer auf unserer Open-Space-Veranstaltung »Führung im Spagat« am 30. Januar 2013 im Bildungszentrum des Bildungswerks der Baden-Württembergischen Wirtschaft gefragt: »Werden unsere Führungskräfte immer unfähiger?«, dann hätten die Teilnehmer hoffentlich alle unisono widersprochen. Die Realität heutiger Führungskräfte ist hoch komplex! Und das über alle Branchen und Unternehmensgrößen hinweg. Sie sind die entscheidenden Scharniere zwischen Management und Mitarbeitern, sie bewegen sich in einem ständigen Spagat wechselnder Ansprüche und multipler Kompetenzen. Das haben die Anliegen der Teilnehmer bewiesen. Sie haben in 12 Runden lebhaft ihren selbst empfundenen Spagat und ihre verschiedensten Herausforderungen mit eingebracht und diskutiert: