Warm oder kalt: Welches Licht darf es sein?

Americano, Espresso Macchiato, Iced Caffé Latte oder entkoffeinierter Frappuccino? Bei Kaffee wissen wir ziemlich genau, was wir wann wollen und was uns gut tut. Morgens mit Koffein, abends entkoffeiniert. Im Sommer mit Eis, im Winter heiß. Doch wie steht es beim Thema Licht? Wie wäre es, wenn wir auch hier wählen könnten, in welcher Stimmung wir welches Licht wollen und brauchen?

Um Präferenzen bei der Farbtemperatur von Licht im Büro herauszufinden, haben wir zwei Jahre lang die Verwendung von in der Farbtemperatur einstellbaren LED-Leuchten protokolliert und ausgewertet. Insgesamt waren das 25 Millionen Zeilen in Excel. Am Ende haben wir die Nutzer auch nach ihren subjektiven Präferenzen befragt.

Lichtfarben und ihre Wirkungen

Die Farbtemperatur des Lichts kann man auch als Lichtfarbe bezeichnen. Die Lichtfarbe gibt an, ob es sich um ein neutrales, warmes oder kaltes Licht handelt. 4000K ist üblicherweise ein neutrales Weiß, 3000K warm und ab 5000K wird es kalt. Hobbyfotografen kennen dies vom Weißabgleich ihrer Kamera: Tageslicht von ca. 5200K bis 7000K und Kunstlicht um die 3200K. Dabei ist der Temperaturwert in Kelvin etwas verwirrend: Je höher die Temperatur, desto kälter ist das Licht. Eine Kerze hat z.B. 1500K, ein nördlicher blauer Himmel bis zu 27000K.

Die Lichtfarbe hat auf uns sowohl eine emotionale als auch eine biologische Wirkung. Ein Raum, der mit einem warmen Licht, also einer niedrigen Farbtemperatur ausgeleuchtet ist, wirkt gemütlich und entspannend, wohingegen ein Raum, der mit einem kalten Licht, also einer hohen Farbtemperatur ausgeleuchtet ist, größer, reiner und anregender wirkt und damit für eine Arbeitsatmosphäre besser geeignet ist. Durch den höheren Blauanteil in kaltem Licht ist dieses auch biologisch anregend, indem es Melatonin unterdrückt – also Vorsicht am Abend! Chellappa (2013) hat festgestellt, das kaltes Licht am Abend (im Vergleich zu warmem Licht) die Anfangsphase unseres Schlafs negativ beeinflusst.

Lichttypen und Lichtstimmungen

Es gibt natürlich auch kulturelle und individuelle Präferenzen bei der Farbtemperatur, wobei möglicherweise die geographische Breite eine Rolle spielt. Menschen aus kälteren Gebieten der Erde bevorzugen wärmeres Licht und umgekehrt (siehe dazu auch »Advanced Lighting Guidelines.pdf«). Den gleichen Effekt hat man bei der Raumtemperatur (siehe dazu Nakamura, 2013.pdf) festgestellt. Bei unseren Beobachtungen war es ähnlich: Im Sommer wurde subjektiv kaltweißes Licht (21 Personen) deutlich dem warmweißen Licht (12 Personen) vorgezogen. Im Winter wurden das kaltweiße Licht von 17 Personen und das warmweiße Licht von 16 Personen bevorzugt. Das spiegelt sich auch in der Benutzung der einstellbaren Farbtemperatur wieder.

Farbtemperatur nach Tages- und Jahreszeit
Farbtemperatur nach Tages- und Jahreszeit

 

Hier ist eine Tendenz zu erkennen, dass im Herbst und Winter wärmeres Licht als im Frühling und Sommer eingesetzt wird (Bild rechts). Im Tagesverlauf wird die unterschiedliche Präferenz bei der Wahl der Farbtemperatur noch eindeutiger: Während am Morgen noch deutlich kälteres Licht eingestellt wird, wird es zum Feierabend hin immer wärmer gewählt (Bild links). Kohärent dazu waren auch die subjektive Vorliebe von kaltem Licht am Morgen und warmem Licht am Abend.

Unsere zweijährigen Beobachtungen zeigen also deutlich, dass eine einstellbare Farbtemperatur nicht nur erwünscht ist, sondern auch je nach Tageszeit und Jahreszeit unterschiedlich genutzt wird. Hätten wir beim Licht also die Wahl wie beim Kaffee, so würden wir sie auch nutzen.

Wenn Sie dieses Thema noch mehr im Detail interessiert, dann finden Sie hier im IAO-Blog in Kürze einen ausführlichen Bericht zum Download.

Möchten Sie selbst einen Beitrag für mehr Lichtqualität im Büro leisten? Dann sagen Sie uns, wie Sie das Licht in Ihrem Büro wahrnehmen und nehmen Sie sich 10 Minuten Zeit für unsere aktuelle Umfrage »TheLight«.

Diese Projekt wurde auf der SIL (Strategies in Light LED Japan) am 17.10.13 präsentiert.

Oliver Stefani

Oliver Stefani

Designer und Ingenieur mit Licht-Fokus. Der zweifache Innovations-Preisträger widmet sich auf den Menschen zugeschnittenen Beleuchtungskonzepten und unterrichtet an diversen Unis das Thema Licht & Farbe. Auf dem Weg zum Home-Barista sucht er heuristisch nach der perfekten Espresso-Lösung.

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