Orientierung in dynamischen Innovationsökosystemen

Ein neues Medikament zu entwickeln, braucht Zeit. Viel Zeit – entsprechend hoch ist meist das nötige Investment. Von der Suche nach geeigneten Wirkstoffkandidaten bis zur Marktreife können viele Jahre vergehen. Gleichzeitig müssen Forschende eine enorme Zahl möglicher Moleküle, Wechselwirkungen und Kombinationen untersuchen. Könnte Quantencomputing solche Prozesse künftig beschleunigen und kosteneffizienter gestalten?

Für ein Pharmaunternehmen, das beginnt, sich mit Quantencomputing auseinanderzusetzen, ist diese Frage wahrscheinlich nur der Anfang. Denn ziemlich schnell kommen weitere hinzu: Welche Probleme könnten Quantencomputer überhaupt besser lösen als klassische Rechner? Welche Ansätze sind für die Wirkstoffentwicklung interessant? Wie weit ist die Forschung? Und wer beschäftigt sich eigentlich schon damit? Plötzlich steht man nicht mehr vor einer Frage, sondern vor einem ganzen Fragenkatalog.

Von einer großen Zukunftsfrage zu einer konkreten Suche

Gerade in der Quantenchemie und bei der Simulation molekularer Systeme gilt Quantencomputing als vielversprechendes Forschungsfeld. Der Grund liegt in der Natur der Sache: Moleküle verhalten sich quantenmechanisch. Ihre Eigenschaften mit klassischen Computern exakt zu berechnen, wird mit zunehmender Komplexität sehr aufwändig.

Das macht Quantencomputing für Branchen wie Pharma und Chemie besonders interessant. Perspektivisch könnten Quantencomputer etwa dabei helfen, molekulare Eigenschaften oder Reaktionen genauer zu untersuchen. Viele Anwendungen befinden sich jedoch noch in der Forschung, und ein relevanter Vorteil gegenüber klassischen Verfahren ist bislang nicht für alle Ansätze absehbar. Für Unternehmen heißt das: Die Technologie ist noch in Entwicklung – und gerade deshalb lohnt es sich, frühzeitig zu verstehen, welche Bedeutung sie für die eigene Organisation haben könnte. Doch wo beginnt man?

Vom Pharma-Problem ins Quantenökosystem

Nehmen wir an, Sie sind in einem Pharmaunternehmen für Innovation oder Forschung und Entwicklung verantwortlich. Sie möchten zunächst herausfinden, welche Kompetenzen es rund um Quantencomputing in Baden-Württemberg gibt. Vielleicht interessiert Sie die Simulation von Molekülen. Vielleicht möchten Sie wissen, welche Rolle Quantenalgorithmen für bestimmte Problemstellungen spielen könnten. Oder Sie suchen zunächst ganz grundsätzlich nach Forschungseinrichtungen, Unternehmen und weiteren Akteuren, mit denen ein fachlicher Austausch sinnvoll wäre.

Hier setzt der QuantumBW Atlas an. Statt bereits wissen zu müssen, nach welcher konkreten Einrichtung Sie suchen, können Sie sich von Ihrer eigenen Fragestellung aus durch das Ökosystem bewegen: Welche Themen gibt es? Welche Akteure beschäftigen sich damit? Und welche Kompetenzen bringen sie mit?

Bleiben wir bei unserem Pharmaunternehmen. Am Anfang steht vielleicht das Interesse an Quantensimulation. Über diesen thematischen Einstieg lässt sich erkunden, welche Akteure im baden-württembergischen Quantenökosystem in diesem Bereich aktiv sind. Von dort führt der nächste Klick zu einzelnen Profilen und damit zu konkreteren Informationen über Kompetenzen, Aktivitäten und thematische Schwerpunkte. Vielleicht stößt unser Unternehmen dabei auf eine Forschungsgruppe, die sich mit einem relevanten algorithmischen Ansatz beschäftigt. Auf ein Unternehmen mit ergänzender Softwarekompetenz. Oder auf einen Akteur, den die Verantwortlichen vorher überhaupt nicht auf dem Schirm hatten.

Damit beantwortet der Atlas noch nicht die Frage, ob und wann Quantencomputing einen konkreten pharmazeutischen Prozess verbessern wird. Das soll er auch nicht. Aber er schafft die Orientierung, die dafür nötig ist. Denn bevor Unternehmen Use Cases bewerten, Kooperationen aufbauen oder eigene Kompetenzen entwickeln können, müssen sie zunächst wissen, wo relevante Expertise vorhanden ist und mit wem sie ihre nächsten Fragen diskutieren können.

Die erste Frage muss noch nicht die Perfekte sein

Wer heute in einem Pharmaunternehmen über Quantencomputing nachdenkt, muss also noch nicht wissen, welcher Quantenalgorithmus eines Tages den entscheidenden Vorteil für die eigene Wirkstoffentwicklung bringen könnte. Der beste Einstieg sind häufig Kontakte zu den entscheidenden Kompetenzträgern oder potenziellen Partnern für die jeweiligen Entwicklungsschritte. Von dort kann die Reise weitergehen.

Der Atlas ist ein Navigator zu den wichtigsten Akteuren des Quantenökosystems in Baden-Württemberg. Davon profitieren diejenigen, die Expertise suchen, ebenso wie diejenigen, die mit ihrer Expertise gefunden werden möchten.

Der QuantumBW Atlas lädt dazu ein, das baden-württembergische Quantenökosystem ausgehend von den eigenen Fragen zu erkunden. Ob Sie nach Forschungskompetenzen, Unternehmen, Anwendungen oder passenden Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern suchen: Der thematische und geografische Zugang eröffnet verschiedene Wege durch die Landschaft.
Vielleicht führt der erste Klick noch nicht direkt zu einem konkreten Use Case. Aber möglicherweise zu einer relevanten Kompetenz, einer neuen Perspektive oder einem persönlichen Kontakt. Denn gerade bei einer Technologie in Entwicklung beginnt Orientierung oft mit einer einfachen Frage:
Wer beschäftigt sich mit den Themen, die für uns interessant werden könnten?
Erkunden Sie das Quantenökosystem im QuantumBW Atlas und entdecken Sie, welche Akteure und Themen Baden-Württemberg prägen.

Orientierung in dynamischen Innovationsökosystemen
Die Blogreihe zeigt, wie der QuantumBW Atlas Akteure, Themen und Wissen im Quantenökosystem strukturiert, Orientierung ermöglicht und zur aktiven Mitgestaltung des Netzwerks einlädt.

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Yeama Bangali

Yeama Bangali

Yeama Bangali ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team Quantencomputing. Sie studierte Literaturwissenschaft und Berufspädagogik und machte auch beim öffentlichen Rundfunk Station. Ihr Steckenpferd ist alles rund um Kommunikation und Wissenstransfer. In ihrer Freizeit macht sie auch Musik.

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Kategorien: Zukunftstechnologien und Innovationsgestaltung
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