Auch heute stellt sich wieder die gleiche Frage. Brauchen wir das Industrial Metaverse denn wirklich? Macht das nicht alles komplizierter? Wie entstehen für mein Unternehmen tatsächliche Mehrwerte? Wie muss ich mich für den Einstieg in das Industrial Metaverse vorbereiten?
Industrial Metaverse was bedeutet das eigentlich?
Große amerikanische Technologiekonzerne versuchen seit Beginn der 2020er Jahre das Metaverse als virtuellen Raum der Begegnung und natürlich als Erweiterung der physischen Wirtschaftsräume zu etablieren. Hierbei muss nicht zwingend eine direkte Verbindung zwischen Objekten der realen Welt und virtuellen Objekten bestehen. Das Essen eines virtuellen Apfels in der virtuellen Welt hat keine Auswirkung auf einen realen Apfel oder umgekehrt. Ein virtueller Apfel kann aber sehr wohl mit realem Geld erworben werden.
Das Industrial Metaverse beschreibt im Gegensatz stets eine Verbindung zwischen virtuellen und realen Objekten. Hierzu kommen Digitale Zwillinge zum Einsatz. Das sind für den jeweiligen Anwendungsfall gestaltete Datenmodelle. Mit diesen können alle relevanten Eigenschaften und das Verhalten eines realen Objekts beschrieben werden. Die Verbindung der realen und der virtuellen Welt wird in der Regel über Sensoren realisiert. Diese erfassen bspw. Temperaturen, Drehzahlen, Beschleunigungen oder andere Messgrößen. Dies ermöglicht ein Produkt virtuell über dessen Lebenszyklus zu begleiten und alle relevanten Informationen an einer zentralen Stelle zu speichern. Die Datenmodelle im Hintergrund sind im Optimalfall durchgehend miteinander verknüpft und durch Ansätze wie das Model-based Systems Engineering und das Advanced Systems Engineering (ASE) einheitlich strukturiert über den gesamten Lebenszyklus nutz- und erweiterbar.
Wie entstehen die Mehrwerte?
Die Daten können dann für die Instandhaltung sowie die Entwicklung neuer Produktgenerationen genutzt werden. Ein Servicetechniker kann sich vorab ein Bild vom tatsächlichen Zustand des Produkts und den nötigen Wartungsaufgaben und Ersatzteilen machen. Für die Entwicklung vernetzter und komplexer werdender Produkte und Systeme (bspw. Advanced Systems) müssen immer mehr Disziplinen eingebunden werden. Beispielsweise für die Umsetzung von Remoteservices. Diese sprechen in der Regel unterschiedliche Fachsprachen, sollen aber gemeinsam ein Produkt entwickeln. Auch hier können Digitale Zwillinge und ein visueller Zugang helfen. Durch 3D-Visualisierung von digitalen Prototypen kann zwischen den Disziplinen ein gemeinsames Verständnis erzeugt werden. Diese Prototypen können in der virtuellen Realität gemeinsam analysiert und Anpassungen vorgenommen werden. So können Expertinnen und Experten aus Produktentwicklung und Produktion neue Produktvarianten und deren Herstellbarkeit erörtern, bevor das Design fixiert wird. Durch den visuellen Zugang zu 3D-Modellen des Produkts sowie Simulationsdaten, kann der Fokus auf die gemeinsame Lösungsfindung gelegt werden.
Das Industrial Metaverse soll darüber hinaus zukünftig nicht nur die Zusammenarbeit der Entwickler eines Systems innerhalb eines Unternehmens verbessern, sondern die Vernetzung verschiedener Ökosysteme ermöglichen und so neue Wertschöpfungspotenziale erzeugen. Ebenso sind völlig neue Geschäftsmodelle denkbar, wie beispielsweise die Bereitstellung eines Digitalen Zwillings als Service Plattform parallel zum physischen Produkt. Die großen Mehrwerte werden also erst dann realisiert werden, wenn möglichst viele Wertschöpfungspartner ebenfalls im Industrial Metaverse operieren und eine Kollaboration im virtuellen Raum problemlos ablaufen kann. Bereits heute ermöglicht das Industrial Metaverse eine standortunabhängige Zusammenarbeit in Echtzeit, bspw. an 3D-CAD-Daten.
Was sind die Voraussetzungen?
Die Beispiele zeigen, wie Unternehmen bereits heute Mehrwerte aus dem Industrial Metaverse für sich und ihr Wertschöpfungsnetzwerk realisieren können. Durch die Stichworte »Digitale Zwillinge«, »3D-CAD« und »Simulationsdaten« wird schnell klar, dass der Einstieg in das Industrial Metaverse Anforderungen an Unternehmen stellt. Daten sollten strukturiert (bspw. Model-based Systems Engineering) und standardisiert (bspw. STEP) in Verwaltungssystemen (bspw. PLM-Systeme) vorliegen. Unternehmen sollten für die Teilnahme an Kollaborationsplattformen bzw. den Austausch der benötigten Informationen in Datenräumen vorbereitet sein. Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen ebenso wie der Schutz geistigen Eigentums vorab geklärt und sichergestellt werden.
Wie sollte man das Thema angehen?
An dieser Stelle setzt unser Angebot »Industrial Metaverse Assessment Framework« an. Mit dem Framework erarbeiten wir gemeinsam mit Ihnen in drei Schritten eine Strategie sowie einen Anwendungsfall für Ihren Einstieg in das Industrial Metaverse. Zunächst analysieren wir gemeinsam mit Ihnen die Ausgangssituation Ihres Unternehmens. Hierbei betrachten wir den Dreiklang aus Unternehmen, Produkt-Service-Systemen und neuen Wertschöpfungsmöglichkeiten sowie resultierenden Innovationsökosystemen. Abbildung 1 stellt den Dreiklang dar und zeigt unseren Blick auf die Wertschöpfungslogik im Industrial Metaverse.
Im nächsten Schritt identifizieren wir die am besten zu Ihrem Unternehmen passenden Anwendungsfälle und priorisieren und detaillieren diese. Abschließend entwickeln wir gemeinsam einen Realisierungsplan und fertigen eine Kosten-Nutzen Abschätzung an.
Zusammengefasst sollte Ihr Einstieg in das Industrial Metaverse schrittweise und anwendungsfallgetrieben angegangen werden. Es muss ein, aus Markt- und Unternehmenssicht, tragfähiger Anwendungsfall identifiziert und ausgearbeitet werden. Parallel muss das Unternehmen, die Mitarbeitenden und das Netzwerk bzw. Ökosystem für die Realisierung und den Betrieb vorbereitet und aufgebaut werden.
Es ist zu erwarten, dass ähnlich wie im zu Beginn genannten CAD-Kontext, in einigen Jahren kaum mehr an der Relevanz und den Mehrwerten des Industrial Metaverse gezweifelt wird. Insbesondere grundlegenden Technologien wie Digitale Zwillinge und zugehörigen Datenmodelle, auf Basis des Systems Engineering oder aus der Industrie 4.0 bekannten Verwaltungsschale, werden sich weiter als Standard etablieren. Nutzen Sie daher Ihre Chance und machen Sie sich mit Ihrem Unternehmen auf den Weg in das Industrial Metaverse!
Metaverse, Extended Reality, virtuelle Welten – was steckt eigentlich dahinter? Und wie verändern diese digitalen Räume unsere Arbeitswelt? Die Blogreihe beleutet, wie Unternehmen immersive Technologien gezielt einsetzen – von kollaborativer Produktentwicklung bis zur datenbasierten Entscheidungsunterstützung.
Leselinks:
- »Metaverse – Vielfalt erleben, Innovation gestalten« Kampagne des Fraunhofer IAO mit Veranstaltungen, Angeboten, aktuellen Möglichkeiten
- Veranstaltung: Industrial Metaverse
- Forum Zukunftssysteme
- Publikation: Metaverse Checks – Ergebnisse der Kurzumfrage zum Einstieg in virtuelle Welten
- Publikation: Infrastruktur und Anwendungsfälle für das Metaverse
- Publikation: Modellbasiertes und visuelles Änderungsmanagement
- Mobiles Plug-In Labor für Advanced Systems Engineering
- Die Collaborative Powerwall ermöglicht die realitätsnahe Visualisierung von 3D-Modellen, digitalen Zwillingen und Echtzeitdaten
- Industrial Metaverse Reallabor: Identifizieren, entwickeln und realisieren Sie eine Industrial Metaverse Anwendung gemeinsam und gefördert mit uns
Kategorien: Digitale Transformation, Produktion und Wertschöpfung, Virtuelle Welten
Tags: Digitaler Zwilling, Immersive Technology, Industrial Metaverse, Metaverse, Model-based Systems Engineering, Themenwochen Metaverse, Virtuelle Realität


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