Die Arbeitswelt verändert sich schneller als je zuvor. Doch egal, ob KI, Demografiewandel oder hybride Teams: Entscheidend bleibt, was Menschen bei der Arbeit wirklich bewegt. Wir haben gemeinsam mit der Ruhr-Universität Bochum (Prof. Dr. Marcel Kern) und der MSB Medical School Berlin (Prof. Dr. Timo Lorenz) ein empirisch fundiertes Modell entwickelt, das Arbeitswerte systematisch erfasst – und daraus konkrete Impulse für Führung, Kultur und Gesundheit ableitet.
Was sind Arbeitswerte – und warum sollten sie uns interessieren?
Arbeitswerte sind keine abstrakten Ideale. In der Psychologie gelten sie als übergeordnete Überzeugungen darüber, was im Arbeitskontext erstrebenswert ist: Was soll meine Arbeit mir geben? Welche Ziele verfolge ich? Was ist mir dabei wichtiger als anderes? Als kognitive Repräsentationen grundlegender menschlicher Motivationen bestimmen sie, wie wir Situationen interpretieren, Entscheidungen treffen und uns verhalten.
Arbeitswerte sind hierarchisch geordnet. Jeder Mensch gewichtet sie individuell – und genau diese persönliche Rangfolge erklärt, warum dieselbe Stelle, dasselbe Feedback oder dieselbe Veränderung bei unterschiedlichen Menschen ganz andere Reaktionen auslöst.
Das Modell: Vier Dimensionen, dreizehn Werte
Das neue Modell – die Circular Work Value Theory (CWVT) – ordnet Arbeitswerte in vier übergeordnete Bereiche an:
- 1) Offenheit für Wandel,
- 2) Selbsterweiterung,
- 3) Selbsttranszendenz und
- 4) Bewahrung.
In diesen Bereichen ergeben sich konkrete Arbeitswerte als Leitprinzipien für den Arbeitsalltag (bspw. Selbstbestimmung, Gerechtigkeit, Sicherheit, Nachhaltigkeit). Ähnliche Werte liegen im zirkulären Modell nah beieinander, gegensätzliche stehen sich gegenüber. Es wurde in vier Studien mit insgesamt über 7000 Teilnehmenden validiert.
Dabei gelten zwei Wertepaare als tendenziell unvereinbar: Selbsttranszendenz und Selbsterweiterung lassen sich ebenso schwer gleichzeitig maximieren wie Offenheit für Wandel und Bewahrung. Das erklärt typische Spannungsfelder in Teams – und macht sie bearbeitbar.
Die genauen Inhalte können in einem kürzlich veröffentlichten Beitrag des personalmagazins oder über unser Dashboard (s.u.) eingesehen werden können.
Wie wirken Arbeitswerte im Alltag?
Arbeitswerte bleiben nicht abstrakt – sie hinterlassen im Berufsalltag erkennbare Spuren. Wer Stimulation und Selbstbestimmung hoch gewichtet, entwickelt häufiger eigene Ideen und handelt proaktiv. Wer Sicherheit und Konformität betont, ist verlässlich und regelkonform – treibt Innovationen aber seltener aktiv voran. Prosoziale Werte wie Benevolenz und Fairness gehen mit altruistischem Verhalten einher; Leistungs- und Statusorientierung zeigt sich eher in Ehrgeiz und Wettbewerbsorientierung.
Kurz: Werte setzen Prioritäten – und diese Prioritäten werden zu erkennbaren Mustern von Kreativität, Kooperation, Regelorientierung und Konkurrenzverhalten.
Das interaktive Dashboard: Benchmarks für Ihre Organisation
Wie verteilen sich Arbeitswerte in der deutschen Beschäftigtenpopulation – und wo steht Ihre Organisation im Vergleich? Das Fraunhofer IAO hat auf Basis einer repräsentativen Studie ein interaktives Dashboard entwickelt, das genau diese Fragen beantwortet.
Was Unternehmen konkret davon haben
Wenn Arbeitswerte stabile Motivationsmuster sind, lassen sie sich gezielt nutzen – für Führung, Passung und Kulturentwicklung. Vier Hebel stechen besonders heraus:
Passung gezielt gestalten. Ob jemand in einer stark regelgebundenen Rolle aufblüht oder in einer kreativen Gestaltungsrolle – das lässt sich aus dem Werteprofil ableiten. Das Modell liefert einen validierten Fragebogen, mit dem Organisationen die Arbeitswerte ihrer Belegschaft systematisch erfassen und mit Normdaten vergleichen können.
Kultur sichtbar machen. Unternehmen können ihre eigene Werteverteilung messen und daraus kulturelle Entwicklungsziele ableiten: Was prägt uns wirklich? Wo weichen wir vom Bevölkerungsdurchschnitt ab – und ist das gewollt? Der Dashboard-Benchmark macht diese Positionierung erstmals auf repräsentativer Grundlage möglich.
Führung wertebasiert gestalten. Führungskräfte wirken besonders stark, wenn sie ein gemeinsames »Wir« stiften und die Werte des Teams sichtbar verkörpern. Betont ein Unternehmen Nachhaltigkeit und Fairness – und handeln Führungskräfte entsprechend – fühlen sich Beschäftigte mit ausgeprägter Selbsttranszendenz gesehen und stärker verbunden. Studien zeigen: Wir-bezogene Sprache von CEOs korreliert nachweislich mit unternehmerischem Erfolg.
Gesundheit als Wertethema. Im Einklang mit den eigenen Werten arbeiten zu können fördert Wohlbefinden und mindert Erschöpfung. Umgekehrt erhöht Werte-Inkongruenz psychischen Stress. Wertkonforme Arbeitsgestaltung ist damit auch ein Instrument betrieblicher Gesundheitsförderung.
Und jetzt?
Wie positioniert sich Ihre Organisation im Vergleich zur deutschen Beschäftigtenpopulation? Und welche Werte prägen Ihre Belegschaft wirklich? Das interaktive Dashboard macht es sichtbar – differenziert, repräsentativ und direkt nutzbar für Ihre Personalarbeit. Kontaktieren Sie uns, wenn Sie Interesse an einer unternehmensspezifischen Studie haben!
Leselinks:
- Dashboard zum interaktiven Kennenlernen der Ergebnisse
- Publikation (Pre-Print) des Fraunhofer IAO zur Entwicklung eines Tools, um Arbeitswerte zu erfassen (.pdf)
-
Beitrag »Arbeitswerte als Kompass für Führung« aus dem Personalmagazin Ausgabe 05/2026 (.pdf)
Kategorien: Arbeitswelten (New Work, Connected Work)
Tags: Organisationskultur, Unternehmenskultur

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