KI ist kein Orakel: Warum ihr Wert im Foresight woanders liegt
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Meetings zu kritisieren, ist inzwischen fast schon ein Reflex. Sie dauern zu lang, es sitzen zu viele Leute drin, am Ende ist wenig klarer als vorher. Fast alle, die in einer Organisation arbeiten, kennen diese Termine, aus denen man mit dem Gefühl herausgeht, viel Zeit verbracht, aber wenig bewegt zu haben.
Das Thema des richtigen Mix aus mobiler und ortspräsenter Arbeit ist immer noch heiß diskutiert. Wir konnten dazu Anfang Februar eine Studie vorlegen, die für die Beschäftigten der Techniker Krankenkasse das hierfür ideale Maß ermittelt hat bzw. einen Kipppunkt, bei dessen Überschreitung Produktivitätsgewinne durch die fokussierte Arbeit daheim durch ausbleibende Mehrwerte der gemeinsamen Zeit im Office wieder aufgefressen werden.
Die gemeinsame Arbeit im Büro zum gleichen Zeitpunkt, also in Co-Präsenz, steht für vieles, das wichtig ist: Der kollegiale Austausch über neue Entwicklungen, die gemeinsame Durchsprache von neuen Arbeitsanweisungen, die Rücksprache mit der Führungskraft, die gegenseitige Hilfestellung, der zufällige und ungeplante Austausch mit der Kollegin aus der Nachbarabteilung. Das erfordert natürlich auch eine gewisse Mindestanzahl von Menschen, um diese zufälligen und ungezwungenen Kontakte auch ermöglichen zu können.
Jeder sieht dasselbe… und versteht doch etwas völlig anderes.
Das Bauamt denkt in Genehmigungsverfahren und Sperrzeiten. Die Stadtwerke rechnen Anschlusskosten durch. Die Wohnungsbaugesellschaft fragt sich, wie sie das den Mieterinnen und Mietern erklärt. Die Industrievertreterin will wissen, ob die Abwärme wirklich eingespeist werden kann. Und die Bürgervertretung? Die möchte verstehen, warum ausgerechnet durch die Kleingartenanlage gebaggert werden soll.
Zwei Stunden später: Viele Fragen notiert, einige Missverständnisse aufgeklärt, neue Missverständnisse entstanden. Der Termin fürs nächste Meeting steht.
Das kennen Sie. Das kennen wir alle. Ob bei der Einführung einer neuen Software im Unternehmen, der Abstimmung zwischen Vertrieb und Entwicklung über ein Produktfeature, beim Glasfaserausbau oder bei der Quartiersentwicklung - komplexe Projekte sehen fast immer so aus. Und auf den ersten Blick scheint das auch in Ordnung. So läuft es eben.
Aber muss das so bleiben?
Meine Kollegin Josephine Hofmann warnt in ihrem Blogbeitrag vor Deskilling. Da ich Generative KI selbst intensiv nutze, hat mich diese Frage stärker beschäftigt, als mir lieb war. Und ich gehe noch einen Schritt weiter: Berufliche Skills und auch der Beruf selbst sind Teil meiner Identität. Für mich ist die eigentliche Frage, die Generative KI stellt, deshalb nicht: »Verliere ich meinen Job?«, sondern eine deutlich unangenehmere. Die Frage nach meinem Selbstbild: »Wer bin ich noch, wenn die Maschine das auch kann?«