Letzte Woche hatte ich Gelegenheit, auf einer Veranstaltung des Deutschen Verbands der e-Learning – Anbieter D-ELAN, in dem wir auch Mitglied sind, in einem Vortrag über ein neu gestartetes Projekt und eine neue Idee zu berichten – mit durchaus gemischten Einschätzungen im Publikum. Ziel des Projektes »Selbstorganisiertes Lernen 2.0« ist es herauszufinden, ob sich auf der Basis von Web 2.0 – Funktionalitäten und der vereinfachten kollaborativen Zusammenarbeit von Personen auch in der bisherigen Welt der Lernmittelerstellung, des Lernens und Lehrens eine grundsätzliche Veränderung herbeiführen lässt.
Was ist unser Ziel? Nichts weniger wie eine Durchmischung der bisher streng zugeteilten Rollen von Lehrern und Lernern. Zwar haben sich gemeinsame Lernformen, wie z.B. das Lernen in der Projektgruppe, schon durchaus verbreitet, weil man weiß, dass auch Beteiligte untereinander viel lernen können. Aber es ist noch immer so, dass in Bezug auf die verwendeten Lernmittel, also Materialien, Bücher, Texte, oder das dahinterstehende Curriculum, also den Lernplan, eine strenge Trennung vorherrscht: Dort die Schüler bzw. die Weiterbildungskunden, die das rezipieren, was sie bekommen, da der Lehrer / Trainer und das von einem Verlag oder vom Lehrer vorbereitete Lernmaterial, mit dem man sich auseinanderzusetzen hat. In unserem vom BMBF geförderten Projekt wollen wir herausfinden, ob und wenn ja, in welchem Ausmaß, Lernende selbst in der Lage sind, Lernziele, Lerncontents, didaktische Prinzipien selbst und kollaborativ zu konzeptionieren und zu kombinieren – unter Nutzung von Web 2.0 – Funktionalitäten. Erproben werden wir dies in einem Weiterbildungsberuf zum Berufspädagogen, also mit einer Zielgruppe, die professionelles Interesse an pädagogischen Fragen hat. Jeder von uns weiß, dass wir spätestens dann, wenn wir einem Dritten, unserem Kollegen, unserem Kind oder unseren Studenten, etwas erklären müssen, uns selbst wirklich mit einer Sache auseinandersetzen und sie beherrschen müssen. Diesen Effekt möchten wir gerne bestärken, und es ist natürlich auch unser Ziel, die Schätze zu heben, die in den Erfahrungen, der Phantasie, der Erklärungsfähigkeit der Beteiligten zu finden sind. Ein ziemlich bekanntes Ziel auch von Wissensmanagern vieler Unternehmen, übrigens.
Wir glauben, dass dieses Prinzip auch ein Beitrag dazu sein kann, dass sich Menschen stärker mit ihren eigenen Lernstrategien, Lernvorlieben und Lernschwächen auseinandersetzen. Das ist wesentlich, wenn wir wirklich zunehmend eigenverantwortlich »lebenslang« arbeiten und lernen sollen.
Was ist Ihre Meinung? Kennen Sie selber Beispiele, die ähnliche Ziele verfolgen? Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung und ehrliche Einschätzung!
Dr. Josephine Hofmann
http://sol.etz-stuttgart.de/sol/
http://www.sol.iao.fraunhofer.de
http://www.d-elan.de/
http://www.weiterbildungsblog.de/
Kategorien: New Work / Connected Work
Tags: Business Performance Management, Lernen, Unternehmensentwicklung
Weitere Informationen zum Thema E-Learning:
http://blog.kooptech.de/
http://lernenmite.wordpress.com/
http://netzwertig.com/
http://www.trendsderzukunft.de/
http://www.blicklog.com/
Eine der zentralen Fragen des selbst gesteuerten Lernens ist m.E. sicherlich die Aufrechterhaltung der (Selbst-)Motivation über einen längeren Zeitraum: hilft da die Grundweisheit von Herzberg: At the end of the day it’s the kick in the ass, that helps – oder hilft der Aufbau der Kollaborationsumbegung analog zu Computerspielen, indem Flow Prinzipien (Mihaly Csikszentmihalyi) implementiert werden? Bin gespannt auf die psycho-sozialen Ergebnisse und Konzeptionen der Vorhaben. Alles Gute und viel Erfolg
Hallo Frau Hofmann,
Ihr Konzept gefällt mir gut.
Weil ich gerade über Persönlichkeits-Typen (BigFive) gelesen habe,
sollten Sie vielleicht diesen Fragebogen in Ihr Konzept aufnehmen.
Interessant wäre dann, welcher Typus am besten lernt.
Außerdem könnten Sie (neues Projekt!) diese Konzept , zusammen mit einigen VHS, auch mal für 60+ anwenden.
Bin sehr interessiert an Ihren Ergebnissen. Gruß, PMK