Amazon oder: Wie fit sind industrielle Dienstleister für die Plattformökonomie?
Teil 1

Big Data, Cloud Computing und künstliche Intelligenz sowie die Entwicklung neuer digital unterstützter Leistungsangebote, vor allem so genannter Smart Services setzen industrielle Dienstleister unter permanenten Veränderungsdruck. Doch ein bisher weitgehend unterschätztes Thema hat die Sprengkraft, für weitaus größere Marktänderungen zu sorgen: das Aufkommen der Plattformökonomie im Bereich der industriellen Dienstleistungen.

Industrielle ServicesPlattformen: Zukunftsmodell voller Herausforderungen

Im Bereich der industriellen Dienstleistungen entstehen aktuell mehr und mehr Serviceplattformen, über die zukünftig vielfältige Dienstleistungsangebote – von der Ferndiagnose bis hin zu Wartungs- und Reparaturleistungen – im großen Stil für Unternehmenskunden erbracht werden sollen. Aktuelle Studien prognostizieren solchen Plattformen große Wachstumspotenziale und gehen gleichzeitig von tiefgreifenden Änderungen in Bezug auf Geschäftsmodelle, Wertschöpfungsstrukturen und Arbeitsorganisation aus.

Derzeit investieren Großunternehmen enorme Summen in die Entwicklung eigener Plattformlösungen. Auch von Förderseite wird das Thema in jüngster Zeit verstärkt aufgegriffen und Gelder für Plattformentwicklungen bereitgestellt – so fördert beispielsweise das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie allein mit seiner Initiative »Smart Service Welt«. Die Entwicklung zahlreicher Plattformen in unterschiedlichen Anwendungsbereichen wie etwa in der Fertigung, der Medizin, dem Gebäudemanagement und der Transportwirtschaft.

Das Plattformdilemma der KMU

Wenig betrachtet wird bisher, welche Auswirkungen die »Plattformisierung der industriellen Dienstleistungen« auf die Serviceanbieter haben wird. Dabei sind es gerade kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die keine eigenständigen Plattformlösungen entwickeln können. Auf der einen Seite haben diese Betriebe die Möglichkeit, sich bestehenden Plattformen anzuschließen und somit von den neu entstehenden Wertschöpfungsformen zu profitieren und neue Märkte zu erschließen. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass vor allem KMU nicht in der Lage sind, ihr eigenes Serviceangebot für Plattformen aufzubereiten und digitale Schnittstellen zur Verfügung zu stellen. Selbst wenn KMU dies gelingen sollte, sind sie auf den Plattformen einem verstärkten Wettbewerb ausgesetzt und sie drohen außerdem den direkten Kontakt zu ihren Kunden zu verlieren.

Dass solche Befürchtungen nicht unbegründet sind, zeigt ein Blick auf Serviceplattformen im Bereich der konsumentenorientierten Dienstleistungen. Dort haben Anbieter wie etwa Amazon und ebay ganze Märkte revolutioniert und Wertschöpfungsketten grundlegend neu definiert. Für viele Händler gelten hier nun gänzlich neue Spielregeln, insbesondere was die Bereitstellung von Markt- und Kundenzugänge durch die Plattformanbieter sowie den Preiswettbewerb betrifft.

Nächste Woche werde ich hier in einem weiteren Beitrag Lösungswege für Service-Anbieter in der Plattformökonomie vorstellen.

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