Automobilwirtschaft: Das Transformationsdilemma der KMU – und wie es gelöst werden kann

Die Mobilität verändert sich. Immer mehr Menschen wollen möglichst umweltfreundlich, vernetzt und intelligent mobil sein. Und sie legen bereits heute mehr Wert auf die Mobilität, als auf das Fahrzeug selbst. Man bezeichnet die Autos der Zukunft sogar als »Computer auf vier Rädern«. Der Grund? Der Anteil an elektronischen Systemen nimmt immer mehr zu und sie können auch mit zunehmender Geschwindigkeit Fahrer von vielen Fahraufgaben entlasten. Das Auto wird neu erfunden – und auch die Automobilwirtschaft muss sich, zumindest teilweise, neu erfinden.

Das Transformationsdilemma der KMU

Der Transformationsprozess stellt alle Akteure vor tiefgreifende Herausforderungen. Sicher entsteht dadurch auch Potenzial für neue Geschäfte, neue Kooperationen und neue Arbeitsinhalte in den betroffenen Unternehmen. Doch vor allem kleinere Betriebe mit fünf, zehn, vielleicht ein paar hunderten Beschäftigten, drohen im rasanten Wandel den Anschluss zu verlieren. Besonders schwierig scheint es für kleine Unternehmen, sich auf die Zukunft vorzubereiten, wenn sie nahezu alle verfügbaren Ressourcen in die Bearbeitung der heutigen Aufträge einsetzen müssen. Im Gegensatz zu global agierenden Großunternehmen, die über Experten in der Zukunftsforschung verfügen, fehlen bei KMU oft Ressourcen und Informationen aus erster Hand, um sich mit Fragenstellungen der Zukunftsausrichtung des Unternehmens auseinanderzusetzen. Noch schwieriger scheint es, genügend Zeit für die Neu- oder Weiterqualifizierung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zu finden, die die neuen Komponenten der elektrischen Autos, Ladestationen, Mikromobile, Robotaxis usw. der Zukunft entwickeln, produzieren, vermarkten und recyceln müssen.

Das Rückgrat der Global Player in der Automobilindustrie

Mit rund 3,7 Mio. Betrieben stellen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) 99,95 Prozent des gesamten Unternehmensbestands in Deutschland und beschäftigen über 30 Mio. Menschen. In Baden-Württemberg liegt der Anteil der Beschäftigung bei KMU im Vergleich zur allen Erwerbstätigen bei ca. 65 Prozent. Als tragende Säule der deutschen Wirtschaft ist es also berechtigt und sinnvoll, dass KMU im Fokus der Wirtschaftspolitik stehen und sie im Zeitalter der Industrie 4.0, Arbeit 4.0, neuen Mobilität, etc. gefördert, quasi gefordert werden, die mit diesen Transformationsprozessen verbundenen Gelegenheiten rechtzeitig zu ergreifen.

So verschieden wie KMU und deren Leistungsangebote sein können, teilen sie auch gewisse Eigenschaften: Sie besitzen eine große Innovationskraft und einen hohen Spezialisierungsgrad, passen sich in der Regel schnell an Änderungen ihrer Auftraggeber an und suchen langfristige, stabile Kundenbeziehungen. Sie sind zuverlässige, flexible und höchstengagierte Partner für Großkonzerne. Diese Stärken müssen sie auch in Zeiten der Transformation erhalten und einbringen können.

Die New Mobility Academy

Qualifizierung wird eine wesentliche Rolle im Transformationsprozess spielen. Und wir wollen Fachkräfte sowie Entscheidungsträgerinnen und -träger mit pragmatischem, aber wissenschaftlich fundiertem Wissen ausrüsten, um auch ohne einen Apparat an Zukunftsforschern und Trendanalysten bestehen zu können.

Unser Bildungsprogramm »New Mobility Academy« soll KMU ermöglichen, für sich selbst Wertschöpfungspotenziale in der Mobilität der Zukunft zu identifizieren. Es passt sich dank seines modularen, flexiblen und personalisierten Formats an die Bedürfnisse des jeweiligen Betriebs an. Die zehn kompakt gestalteten Schulungseinheiten bündeln die Expertise von renommierten wissenschaftlichen Einrichtungen und erfahrenen Groß- und Kleinunternehmen, hauptsächlich aus unserem »Ländle«. Erste Erfahrungswerte à la »Lessons Learned« von KMU mit einer vergleichsweise jungen Geschichte in der elektrischen bzw. vernetzter Mobilität erachten wir als besonders wertvoll für unsere Zielgruppe.

Arbeiten Sie bei einem der mehreren Tausend KMU, die Baden-Württemberg zu einem der berühmtesten Automobilstandorte machen und fühlen sich angesprochen? Zögern Sie nicht lange, denn unsere erste Veranstaltung findet bereits am 27. und 28. Juni 2019 statt. Hochkarätige Referierende führen Sie an diesen zwei Tagen in die automobilen Megatrends sowie die technischen Grundlagen der Fahrzeugelektrifizierung und -automatisierung ein. Teilnehmende aus in Baden-Württemberg ansässigen KMU erhalten einen Zuschuss vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau.

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Carolina Sachs

Carolina Sachs

Carolina Sachs forscht seit neun Jahren im Bereich Mobility Innovation am Fraunhofer IAO. Sie setzt sich für die Förderung und Höherqualifizierung von KMU ein und hat die New Mobility Academy gegründet.

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