Autonomes Fahren: Wann der Hype Wirklichkeit wird

Digitale Disruption
Blogreihe »Digitale Disruption«: Technologien und Anwendungsfelder mit Disruptions­potenzial: »Das Bessere ist des Guten größter Feind« – frei nach diesem alten Sprichwort von Voltaire lädt das Fraunhofer IAO zu einer Blogreihe ein, in der unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler disruptive Trends und Technologien vorstellen und deren Potenziale für Wirtschaft und Gesellschaft aufzeigen. Diskutieren Sie mit!

Die Elektromobilität verharrte in Deutschland viele Jahre im »Tal der Enttäuschung«. Dieses Jahr scheint sie in der öffentlichen Wahrnehmung auf den »Pfad der Erleuchtung« gelangt zu sein, wenn man die zahlreichen Industrieaktivitäten verfolgt. Doch die Elektromobilität ist nur ein Aspekt der disruptiven Umwälzung, die unseren bestehenden Mobilitätssystemen bevorsteht.

Nachdem die Elektromobilität sich aktuell langsam aber sicher Richtung Massenmarkt aufmacht, steht dem fahrerlosen Fahren noch ein weiter Weg bevor. Gemäß des aktuellen Gartner Hype Cycle kann die Entwicklung des Automatisierten Fahrens aktuell auf der Spitze der medialen Aufmerksamkeit eingeordnet werden. Kaum ein anderes Thema ist aktuell in der Mobilitätsbranche präsenter.

Gartner Hype Cycle 2017
Gartner Hype Cycle 2017 Source: Gartner (July 2017) © Gartner Inc.

 

Vielerlei Gründe sind für den aktuellen Hype des Autonomen Fahrens verantwortlich. Zum einen beschäftigt das Thema gerade massiv die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Konzerne, da die Umsetzung automatisierter Fahrfunktionen im Straßenverkehr einen erheblichen Entwicklungs-, Erprobungs- und Absicherungsaufwand erfordert. Zu anderen müssen neue Kooperationen eingegangen werden, da die Technologieentwicklung längst die Systemgrenze des Fahrzeugs verlassen hat und zahlreiche Schnittstellen mit dem Umfeld des Fahrzeugs aufweist. Und vielleicht ein letzter Grund: Das Automatisierte Fahren in seiner Endstufe besitzt das Potenzial das uns bekannte Mobilitätssystem in seinen Grundfesten zu verändern da gänzlich neue Formen von Mobilitätslösungen in Reichweite erscheinen, welche insbesondere für unsere Städte dringend gebraucht werden. Autonomes Fahren ist also wirklich »disruptiv« – und ein Neusansatz unserer bestehenden Verkehrskonzepte entsprechend aufwändig…

Herausforderungen des urbanen Raums

Derzeit lebt bereits mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung in urbanen Ballungsräumen. Bis zum Jahr 2050 wird sich ihr Anteil vermutlich auf nahezu 67 Prozent erhöhen – und das bei einem ungebrochenen Bevölkerungswachstum.

Mit diesem enormen Zuwachs wird auch der Bedarf nach Mobilität weiter ansteigen. Erste Prognosen gehen von einer Verdoppelung oder gar Verdreifachung der Mobilität in Städten aus. Düstere Aussichten für unsere Großstädte in denen der Durchschnittsbürger teilweise bereits mehr als 60 Stunden pro Jahr im Stau steht. Was also tun um einen Kollaps zu verhindern?

Die Vision einer geteilten und autonomen Mobilität

Da unsere Großstädte bereits heute mit Pkws überfüllt sind und es kaum vorstellbar erscheint, dass noch mehr Fahrzeuge im heutigen Stadtsystem unterwegs sein können, muss über neue Formen der Ressourcennutzung nachgedacht werden. Unsere Forscherkollegen am Senseable City Lab des MIT haben am Beispiel des Taxisystems in New York nachgewiesen, dass mit nur kleinen zeitlichen Einbußen von rund 5 Minuten über 90 Prozent aller Taxitrips geteilt werden könnten bzw. die Anzahl an erforderlichen Fahren um rund 40 Prozent reduziert werden könnten.

Aber funktioniert ein Sharing System auf Basis bestehender Technologien?

In den Startlöchern: Neue Produktanforderungen und Fahrzeugkonzepte

Klar ist, dass der Wechsel vom eigenen Pkw zu einer geteilten Mobilitätslösung nicht für jedermann sofort die erste Wahl ist. Kaum eine andere Industrie hat dem Kunden mehr ein Gefühl der individuellen Freiheit geschenkt wie die Automobilindustrie. Und dieses Gefühl lebt auch noch heute und zeigt sich in einer emotionalen Produktgestaltung unser Autos: Ob Kulleraugen oder aggressiver Blick, für jeden gibt es ein Fahrzeug das seinen Charakter wiederspiegelt. Haben Sie ihren Charakter schon mal in einer Straßenbahn erkannt? Um hier eine Veränderung des Verständnisses geteilter Mobilitätsressourcen hervorzurufen, müssen neue Konzepte Emotionen wecken – und sie müssen adaptiv und bedarfsgerecht sowie vernetzt und mehrwertfähig sein, sonst werden sie sich nicht durchsetzen. Wie das aussehen kann, zeigen die zwei prominenten Konzepte heimischer Fahrzeughersteller der Smart vision EQ fortwo sowie der VW Sedric.

Wenn es nach Johann Jungwirth, Chief Digital Officer des Volkswagen-Konzerns geht, dann soll Sedric bereits 2021 seinen Dienst in unseren Städten aufnehmen. Viele weitere Hersteller werden uns in naher Zukunft mit neuen Fahrzeugen und völlig neuen Konzepten zur vernetzten Mobilität überraschen.

Sind Sie anderer Meinung oder möchten grundsätzlich das Thema gemeinsam mit uns diskutieren, dann laden wir Sie herzlich zu unserem diesjährigen Forum FutureCar Urbane Mobilität 2030 – (R)Evolution Robotertaxi? nach Stuttgart ein.

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