Effektive Krisenstabsarbeit in der Corona-Krise: Fragen und Antworten für Mittelständler

First-Science-KIT: IAO-Blogreihe zum Corona Krisenmanagement
First-Science-KIT: Blogreihe zum Corona Krisenmanagement
Die Coronakrise fordert von uns allen ganz neue Herangehensweisen und Lösungen im beruflichen Miteinander. Das Fraunhofer IAO hat deshalb eine Blogreihe gestartet, mit der wir schnell anwendbare Praxistipps weitergeben, gut funktionierende Beispiele vorstellen und Lösungswege während und aus der Krise aufzeigen wollen.

Die Ausbreitung des Coronavirus fordert Unternehmen, Behörden und Vereine gleichermaßen dazu auf, Maßnahmen zu treffen. Auch in vielen mittelständischen Unternehmen werden jetzt Task Forces oder Krisenstäbe gebildet. Mit diesem Blogbeitrag möchte ich vier Fragen beantworten, die mir häufig gestellt werden.

Ist Corona-Krisenmanagement Chefsache?

Ja und Nein! Ja, denn die notwendigen Entscheidungen sind von grundlegender strategischer Bedeutung und damit Aufgabe der Chefetage. Die Unternehmensführung ist für das Wohlergehen des Unternehmens und der Belegschaft verantwortlich. Ohne zielführende Entscheidungen der obersten Leitung ist deshalb kein Krisenmanagement möglich.

Nein, weil Krisenmanagement vom Zusammenwirken vieler einzelner Spezialisten lebt. Mitarbeiter, die gewisse Eigenschaften wie beispielsweise Stressresistenz besitzen, sind prädestiniert für Aufgaben der Krisenprävention oder des Krisenmanagements. Experten bringen unverzichtbares fachliches Wissen in die Stabsarbeit ein. Daher sollten in Abhängigkeit der Situation entsprechende Fachexperten einbezogen werden. Denken Sie dabei nicht nur an die Personalabteilung und den Betriebsmediziner, sondern vielleicht auch an die Presse- oder interne Kommunikationsabteilung. Die schnelle und zielgenaue Sammlung und Verteilung von Informationen verschafft Ihnen wertvolle Zeitvorsprünge und sollte deshalb als zentrale Funktion in einer Abteilung gebündelt werden. Diese Aufgabe können auch persönliche Referenten oder Stabsstellen übernehmen.

Wir richten den Krisenstab erst ein, wenn wir einen Verdachtsfall haben, oder?

Nein! So werden Sie der Situation immer hinterherhinken. Krisenmanagement funktioniert nur, wenn die Infrastruktur bereits aufgesetzt ist. Nur so können die Steuerungsmomente in der Krise erhalten bleiben. Schaffen Sie einen Stab, bevor die Krise Sie erreicht und beginnen Sie mit der Arbeit an Szenarien, bevor diese eintreten. Wenn Sie erst auf einen konkreten Verdachtsfall im Unternehmen reagieren, verspielen Sie die Chance darauf, Maßnahmen zu treffen, die die Erkrankungswelle verzögern können (s. Artikel der Süddeutschen Zeitung in den Leselinks). Prävention ist zudem immer billiger als akutes Management und Sie können das Geschehen somit proaktiv steuern – oder »vor die Lage kommen«.

Müssen wir nicht abwarten, was die Behörden sagen?

Nein, das reicht nicht. Öffentliche Einrichtungen und staatliche Behörden haben den Fokus in erster Linie auf dem Schutz der Allgemeinheit, nicht auf der betrieblichen Kontinuität der Unternehmen. Unternehmen sollten also behördliche Informationen sofort für die eigene Situation interpretieren und die Konsequenzen daraus selbst entwickeln. Gutes Krisenmanagement zeichnet sich dadurch aus, dass die relevanten Kontakte zu Behörden und anderen Unternehmen bereits vorab bestehen und im Krisenfall nur angesprochen werden müssen. Das Prinzip »in Krisen Köpfe kennen« ist ein zentrales Element von gutem Krisenmanagement.

Reagieren wir mit einem Krisenstab nur auf die aktuelle Lage?

Nein! Die Arbeit des Krisenstabs ist immer zukunftsorientiert. Der Krisenstab sollte die aktuelle Situation beurteilen und die Folgen in der Zukunft abschätzen, um präventive Maßnahmen ergreifen zu können. Ein guter Krisenstab hat mögliche Reaktionen auf wahrscheinliche Szenarien in der Schublade und passt diese kontinuierlich an neue Erkenntnisse an. Eine reine Reaktion auf die Situation würde ein reines »Hinterherlaufen« bedeuten. Gute Krisenmanager sind Steuermänner, die den Kurs des Schiffes vorhersehen.

Mein Kollege Christoph Sebald hat ein Dashboard erstellt, in dem er verschiedene Datenquellen über den derzeitigen Coronavirus zusammengeführt hat. Mit diesem Tool können Sie tagesaktuell ein Corona-Fallmonitoring für Ihre Standorte betreiben (den Link finden Sie unten in den Leselinks).

Wir forschen hier am Fraunhofer IAO auch zu effizienten Krisenmanagementprozessen und zu Methoden der Übungsevaluation von Einsatzorganisationen und Krisenstäben. Daher freue ich mich über Ihre Erfahrungen in der Krisenstabsarbeit – kontaktieren Sie mich gerne!

Leselinks:

Patrick Drews

Patrick Drews

Sorgt für zivile Sicherheit. Stellt die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis sicher und erforscht zukünftige Modelle zur besseren Hilfeleistung bei Unglücksfällen und in Katastrophen. Im Privatleben Familienvater und Bergretter.

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