Gemeinschafts-Werk: Der Montagearbeitsplatz der Zukunft

Im Beitrag »Industrie 4.0: Was Werker wollen« habe ich gezeigt, wie wir im Rahmen des »Innovationsnetzwerks Produktionsarbeit 4.0« eine Werker-Reise im Sinne einer Customer Journey unternommen haben, um Einblicke in die konkreten Herausforderungen eines Montagemitarbeiters zu erhalten. Doch das war erst der Anfang einer ebenso spannenden Reise hin zu einem Pilotarbeitsplatz, den eine Anwenderfirma jetzt bereits in die Produktion überführt. Doch wie haben wir auf Basis der erhobenen Anforderungen einen Montagearbeitsplatz entwickelt… und welches verteilte Know-how haben wir genutzt?

Der Weg zum Montagearbeitsplatz der Zukunft

Um an die Arbeit gehen zu können, haben wir zunächst das gemeinsame Ziel definiert; wir wollten den Prototypen eines Montagearbeitsplatzes der Zukunft schaffen, der IT-Komponenten sowie Komponenten der Materialbereitstellung und die Arbeitsfläche menschengerecht integriert. Das Ergebnis sollte eine optimale »User Experience« – also das Anwendungserlebnis – innerhalb eines ganzheitlich gestalteten Arbeitssystems zum Planen, Entscheiden, Ausführen und Kontrollieren der eigenen Arbeit sein. Experten von sechs Ausrüsterfirmen standen uns bei unserem Vorhaben zur Seite. Diese waren bereits bei der Erarbeitung der Werker-Reise dabei. Somit konnten sie realistisch einschätzen, welche Aspekte umsetzbar waren und sich auf die Erarbeitung eines realen Szenarios konzentrieren. Gemeinsam mit den Anwendern und uns Forschern entstand so eine interdisziplinäre Gruppe mit vielseitigen Kompetenzen für die Erarbeitung der benötigten Komponenten.

Jede der entwickelten Komponenten durchlief die Diskussion der Netzwerkpartner und kann somit als Ergebnis eines Schwarmdenkens innerhalb des Unternehmensnetzwerks betrachtet werden.

Alle Komponenten im Überblick

Die entstandenen Komponenten und deren jeweilige Besonderheiten haben wir in einer Infografik übersichtlich zusammengestellt:


Ergebnisse der Praxisstudie Roadmapping

Feuerprobe: Zusammenführung und Reality-Check

Ob sich unser Prototyp auch in der Praxis bewährt, konnten wir bereits nach 6 Monaten anhand einer ersten realisierten Version des Arbeitsplatzes testen. Das passende Produkt, das an diesem Montagearbeitsplatz unter den neuen Bedingungen montiert werden sollte, lieferte die Rota Yokogawa GmbH & Co. KG.

Nach einem ersten »Livetest« durch Monteure von Rota Yokogawa wurde der Prototyp weiter optimiert, beispielsweise wurde das »Look and Feel« der Softwarekomponenten noch weiter an die Bedürfnisse der Anwender angepasst. Bereits nach drei Iterationszyklen haben wir den finalen Arbeitsplatz vorgestellt.

Montagearbeitsplatz der Zukunft: Der fertige Prototyp
© Fraunhofer IAO
Beteiligte Netzwerkpartner

Test bestanden: das Montagesystem in der Produktion

Dieser finale Arbeitsplatz wurde nach ca. 15 Monaten Bearbeitungszeit dem gesamten Netzwerk vorgestellt. So konnte Rota Yokogawa bereits 15 Monate nach dem Startschuss für die Entwicklung des völlig neuartigen Montagearbeitsplatzes beginnen, das Konzept in das eigene Unternehmen zu überführen – ein Ergebnis, das zeigt: Es hat sich gelohnt, mit dem »Innovationsnetzwerk Produktionsarbeit 4.0« die Prozesse in der Produktion genau unter die Lupe zu nehmen und gemeinsam mit den beteiligten Unternehmen diesen Industrie 4.0-Anwendungsfall zu realisieren.

Im ersten Quartal 2018 startet unser Innovationsnetzwerk bereits in seine dritte Projektphase – interessierte Unternehmen sind jederzeit willkommen!

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Maik Berthold

Maik Berthold

Forscht an Umsetzungsstrategien für die Frage: »Wie geht Industrie 4.0 in KMU und Konzern?« und bastelt aus theoretischen und praktischen Forschungsergebnissen einen methodischen Baukasten zur Einführung von Industrie 4.0. In der Freizeit sportbegeistert, v.a. American Football und Tennis.

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