Gesunde Arbeit 4.0: Die angemessene Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine

Die digitale Transformation der Arbeitswelt ist heute schon mehr Wirklichkeit als Zukunftsszenario. Der Rahmen menschlicher Arbeit verändert sich dadurch gravierend – eröffnet aber auch neue Möglichkeiten der Interaktion von Mensch und Maschine und für eine gesunde Arbeitsweise.

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Unternehmen begonnen, ihre Produktion informationstechnisch zu vernetzen, neue Fertigungskonzepte einzuführen und ihre Informationsprozesse zu digitalisieren. In der Intralogistik etwa wachen Sensoren darüber, dass die Lageristen ihre mächtigen Hubmaststapler zuverlässig durch die Hochregalgassen lenken. Leichtbauroboter assistieren den Menschen bei der hochpräzisen Bestückung von Leiterplatten. Planungs-Apps koordinieren eine flexible Abstimmung von Schichtzeiten innerhalb der Arbeitsteams. In den meisten Fällen verstärken intelligente Maschinen die menschlichen Arbeitskräfte. Zugleich drängt sich aber die gesellschaftliche Frage auf, ob intelligente Automaten irgendwann die menschliche Arbeit verdrängen werden? Welche Rolle bleibt dann dem Menschen?

Die Maschine: Dein Freund, Helfer – und Nachfolger?

Befreien Algorithmen den arbeitenden Menschen von sich stupide wiederholenden Maschinentakten? Oder aber schaffen digitale Technologien neue Verwerfungen, indem sie die menschliche Arbeit von sämtlichen persönlichkeitsförderlichen Denkanforderungen befreien?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden stark standardisierte manuelle oder informatorische Tätigkeiten, die schon bislang routinisierten Mustern folgten, sukzessive von Maschinen übernommen. Doch entgegen der diffusen Sorge hat das wenig mit der digitalen Transformation zu tun, wie wir sie gegenwärtig erleben. Die Automatisierung einfacher Tätigkeiten ist bereits seit mehr als 100 Jahren im Gange. In der Zwischenbilanz ergaben sich daraus Beschäftigungsvorteile für den Standort Deutschland – trotz tiefgreifender Veränderungen der Arbeitsweise und des Arbeitsumfelds. Diverse Praxisprojekte zeigen, dass digitale Technologien bei einer angestrebten Substitution menschlicher Arbeitskraft zuweilen recht schnell an ihre Grenzen stoßen: Kein Algorithmus vermag etwa das kreative Zusammenspiel von Redakteur und Cutter in der TV-Produktion zu ersetzen. Keine Koordinations-App kann die empathische Überzeugungsfähigkeit eines Fertigungsmeisters imitieren, um ein schlagkräftiges Arbeitsteam für die angekündigte Sonderschicht zu formieren. Abgesehen von den oben genannten Automatismen ist die Schlüsselfrage im Verhältnis zwischen Mensch und Maschine deshalb nicht, wer wen ersetzt. Vielmehr ist zu klären wie ihr Zusammenwirken zu organisieren ist, so dass die Stärken beider Aktanten kombiniert werden können.

Lernprozesse zwischen Mensch und Maschine

Die digitale Transformation justiert das produktivitätsförderliche Prinzip der Arbeitsteilung neu. Neben betriebliche Effizienzansprüche treten erweiterte Anforderungen hinsichtlich flexibler und effizienter Arbeitsweisen in der Netzwerk-Ökonomie. Die Unternehmen lernen sukzessive, sich in komplexen, unbeständigen und mehrdeutigen Netzwerkstrukturen zu orientieren. Doch die Arbeitswelt der Zukunft hat zumindest in den westlichen Industrieländern eine weitere Herausforderung zu bewältigen: Unternehmen müssen Wege finden, mit der digitalen Umgestaltung auch die drängenden Fragen des soziodemografischen Wandels zu lösen, etwa bei der Rekrutierung von qualifiziertem Nachwuchs oder der Schaffung von professionellen Entwicklungschancen für die Generation 55plus. Die Gestaltung gesunder – sprich adaptiver und lernförderlicher – Arbeitsformen wird damit zur Schlüsselaufgabe für das Unternehmen der Zukunft.

Arbeits- und Gesundheitsschutz in der digitalen Transformation

In der digitalen Transformation besteht eine vordringliche Aufgabe der Arbeitsforschung darin, konkrete Gestaltungsregeln für eine gesunde Funktionsteilung von Mensch und Maschine zu entwickeln. Nur so lassen sich die inhärenten Widersprüche von effizienter und effektiver Arbeit austarieren. Gestaltungsregeln für eine menschengerechte Arbeit betreffen sowohl die betrieblichen Organisations- und Kooperationsformen als auch den Einsatz innovativer Arbeitsmittel bzw. Assistenzsysteme – von der App bis zum Wearable. Zusätzlich zur Digitalisierung in der Produktion werden auch Methoden desr Arbeits- und Gesundheitsschutzes digitalisiert. Auf diesem Wege lässt sich das natürliche Anpassungsvermögen des arbeitenden Menschen erhalten und fördern.

Im Rahmen des Regionalforums der »Arbeitsschutz aktuell 2018« stellen wir Potenziale digitaler Technologien sowie bewährte Prinzipien ihrer menschengerechten Gestaltung vor. Gerne laden wir Sie vom 23. bis 25. Oktober 2018 auf die Messe Stuttgart ein, um mit ausgewiesenen Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis über gesunde und sichere Arbeit in der digitalen Transformation zu diskutieren. Eine limitierte Anzahl kostenloser Tickets können Sie mit dem Code AA18_REG unter www.arbeitsschutz-aktuell.de/tickets einlösen.

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Martin Braun

Martin Braun

Experte für menschliche Arbeit. Aufgrund umfassender Projekterfahrungen ist er überzeugt, dass Kreativität und Initiative erfolgskritische Faktoren in Unternehmen sind. In seinen Beiträgen gibt er Denkanstöße zum Human Factors Engineering und zeigt Erfolgsgeschichten auf.

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