Gründen aus der Wissenschaft: The best Way to predict the Future is to invent it

Die Fraunhofer-Gesellschaft will in den kommenden Jahren die Zahl der Ausgründungen aus der Wissenschaft heraus nahezu verdoppeln und vor allem in Hightech-Bereich Wissen und Ideen zu erfolgreichen Unternehmen machen. Wir sprachen mit Sebastian Denef, einem der Pioniere des Fraunhofer IAO, über die Möglichkeiten und Erfahrungen des Gründens aus der Wissenschaft.

Sebastian, wann und wie ist dir klar geworden, dass du aus der Wissenschaft heraus gründen willst?

Sebastian Denef: Die Frage, was man aus Dingen machen kann, begleitet mich schon seit meiner Kindheit. Ich meldete schon mit 18 Jahren meine erste Firma an, die Ausgründung war nur ein weiterer Schritt. Auch bei Fraunhofer und bei meiner Tätigkeit in der Industrie war für mich Wissen und Wissenschaft immer eine Frage des Verwertens und der Machbarkeit. Am Fraunhofer IAO ging es mir immer darum, mit meinen Projekten neue Dinge auszuprobieren, Ideen voran zu treiben und Türen aufzustoßen; und die Möglichkeit hatte ich hier.

Und wie ist aus deiner Idee ein Geschäftskonzept geworden?

Was mich umtreibt, ist die Frage, wie Menschen und Maschinen am besten zusammenarbeiten können, wie KI uns neue, bessere Arbeitskulturen und -strukturen ermöglicht.

Solch komplexen Fragen kann man in einem Forschungsprojekt am besten nachgehen und man hat nebenbei auch noch die Freiheit, zu forschen, zu experimentieren und sich Zukunftsträume zu leisten. Hier ist auch die Idee zu »OWN.space« entstanden: OWN.space ist ein visuelles Kollaborationswerkzeug, in dem Menschen künstlichen Agenten Aufgaben geben können. Die Agenten nutzen künstliche Intelligenz, um z.B. in Nachrichtenquellen zu recherchieren. Sie produzieren Zusammenfassungen von wissenschaftlichen Texten, analysieren soziale Medien und visualisieren die Ergebnisse. OWN.space ist Gewinner der SAP/Capgemini Startup Challenge und konnte mit dem IPRIZE 2017 ein Innogy Investment erhalten. Im Bereich Wissenschaft kollaboriert OWN.space mit Springer Nature ) Wir wussten schnell, dass es hier weltweit noch kein nennenswertes Unternehmen gab und auch heute nicht geben würde, wenn wir nicht ausgegründet hätten.

Allerdings hatten wir am Anfang keine Ahnung wie Startups, Gründung oder Investitionen genau funktionieren. Als Fraunhofer bereits an uns glaubte, hätten wir alleine auf dem freien Markt noch keine Chance gehabt, Investoren zu überzeugen. Dafür war die Idee zu neu. Wir wussten auch selber noch nicht genau, wie man aus unserem Wissen Geld macht. Unser Konzept stand, aber die wirkliche Geschäftsidee ist erst nach langer Anstrengung entstanden, auch in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Center for Responsible Research and Innovation CERRI des Fraunhofer IAO und der Beratung und Begleitung von Fraunhofer Venture.

Gründen aus der Wissenschaft
OWN.space Kollaboration mit künstlichen Agenten, © OWN.space

 

Wie war der Prozess dahin? Welche Stationen gab es auf dem Weg?

Der erste Schritt war fast ein wenig zufällig: Wir waren als Experten und Ideengeber vom CERRI auf einen Ideen-Workshop nach Berlin eingeladen worden, um neue Märkte für Fraunhofer-Technologien zu identifizieren. Während der Ideenentwicklung für andere stellte sich heraus, dass unsere eigenen Ideen so interessant waren, dass am Ende ein Team aus Teilnehmenden mit uns an dieser Idee weitergearbeitet haben. Vor allem Martina Schraudner, die Leiterin des CERRI, hat uns hier motiviert, weiter zu machen. Danach ging es nur noch um die Frage, wie wir gründen würden.

Wir haben uns dann erfolgreich für verschiedene Fraunhofer-Programme beworben und wurden bei den Fördermöglichkeiten von Fraunhofer Venture unterstützt.

Die Möglichkeit, zu gründen und gleichzeitig weiter bei Fraunhofer zu arbeiten, ist ziemlich einmalig und gerade für Gründungsideen zu Zukunftstechnologien extrem hilfreich.

Gab es kritische Phasen? Wie seid ihr damit umgegangen?

Natürlich gibt es bei einer Gründung aus der Wissenschaft heraus auch schwierige Phasen, weil einem die Erfahrung fehlt und weil man alle Ideen und Prototypen immer wieder sofort in der Praxis testen muss.
Dabei und bei rechtlichen Fragen wie z.B. der IP-Übergabe bräuchte man professionelle Unterstützung, hat aber oft nicht genügend Ressourcen, um sich umfassend beraten zu lassen.

Neben der Begleitung durch den ganzen Gründungsprozess von der Strategie bis zur Roadmap und den Investitionen, waren das CERRI und Fraunhofer Venture auch da, wenn es schwierig wurde. Venture hat uns auch einen fairen Deal vorgeschlagen, als sie unsere Anteile verkauft haben.

Was würdest du anderen Fraunhofer-Gründern empfehlen?

Nicht im Elfenbeinturm zu forschen, sondern sich früh mit Gründern, Unternehmern und Beratern von Fraunhofer austauschen und lernen. Man sollte nicht jahrelang nur vor sich hin forschen und Patente für später entwickeln, sondern Konzepte und Ideen möglichst schnell als Prototypen testen. Es gibt tausend Leute, die Bedenken haben. Man muss gut zuhören, lernen und dann den Weg gehen, von dem man überzeugt ist. Außerdem sollte man wissen, was man kann und was nicht – und sich fehlende Kompetenzen organisieren. Fraunhofer Startup-Veranstaltungen schaffen dabei ein effektives Lernmomentum für die eigene Idee und für sich selbst. Heute bin ich in allem viel strategischer und kostenbewusster und kann viel schneller beurteilen, ob aus einem kleinen Projekt ein großes Ding werden kann.

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