Industrielle Dienstleistungen: Strategien für die Plattformökonomie
Teil 2

Wie sollen sich industrielle Dienstleister auf die kommende Plattformökonomie einstellen? Eine für alle Unternehmen gültige Universallösung gibt es sicherlich nicht. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen sollten sich deshalb frühzeitig mit der Plattformökonomie beschäftigen und eigene Strategien entwickeln.

Plattformplanung: Grundlagen für KMU

Bei der Entwicklung einer eigenen Strategie für den Umgang mit Serviceplattformen sollten die nachfolgenden Punkte systematisch berücksichtigt werden:


  1. 1.
    Regelmäßige Analyse und Bewertung existierender Serviceplattformen
    Eine wesentliche Maßnahme ist die ernsthafte Auseinandersetzung mit der neu entstehenden Plattformökonomie und die Entwicklung einer Strategie für das eigene Unternehmen. Hierbei sollte man sich vor allem einen Überblick über aktuelle Serviceplattformen verschaffen und für das eigene Servicegeschäft geeignete Plattformen identifizieren [Link :]. Bei letztgenannten sollte frühzeitig geklärt werden, welche Anforderungen (z.B. IT-Schnittstellen) an die plattformgestützte Serviceerbringung bestehen.

  2. 2.
    Aufbereiten des eigenen Serviceportfolios
    Voraussetzung für das Partizipieren am digitalen Geschäft ist ein transparentes Serviceportfolio – wenn man selbst nicht formulieren kann, welche Services man anbietet, wie sollen es erst die Kunden oder potenzielle Partner herausfinden? Das komplette Service-Angebot sollte strukturiert beschrieben (z.B. in Form von Dienstleistungskatalogen) und systematisch auf seine Digitalisierungspotenziale untersucht werden (z. B. Angebotsphase, Fakturierung). Insbesondere für plattformgeeignete Services sollte frühzeitig damit begonnen werden, die Prozesse digital zu unterstützen und Lösungen für die entstehenden IT-Schnittstellen zu finden, damit eine Anbindung technisch überhaupt möglich ist.

  3. 3.
    Verantwortlichkeiten und Budgets festlegen
    Idealerweise sollte es – auch in mittelständischen Unternehmen – »Kümmerer« für Themen der Digitalisierung geben. Neben der Marktbeobachtung und Strategieentwicklung sollte dabei einer der Aufgabenschwerpunkte auf der digitalen Unterstützung der Leistungserbringung und der Auseinandersetzung mit dem Plattformgeschäft liegen. Gleichzeitig sollten digitale Kompetenzen möglichst breit im Unternehmen aufgebaut werden – auch wenn dies ange-sichts des derzeitigen Fachkräftemangels ein langwieriger Prozess sein kann. Regelmäßige Schulungen und die Einbindung externer Unterstützung können hier beschleunigen.

Plattformstrategie in einem dynamischen Markt

Insgesamt sollten Anbieter nicht alleine auf eine einzige Plattform zu setzen – zum einen erhöht dies die Abhängigkeit gegenüber dem Plattformbetreiber und zum anderen besteht die Gefahr einer Fehlinvestition, falls sich die entsprechende Plattform nicht lange am Markt halten sollte. Sinnvoller ist es, das eigene Serviceportfolio soweit zu digitalisieren, dass es sich vergleichsweise schnell für verschiedene Serviceplattformen anpassen lässt.

An dieser Stelle ist eine gewisse Schieflage in der deutschen Förderlandschaft zu beobachten. Die aktuelle Förderung von mehr als zwei Dutzend Plattformentwicklungen im B-to-B-Bereich mag von der Hoffnung getrieben sein, am Ende eine Art »deutsches Amazon« für industrielle Dienstleistungen auf die Welt zu bringen. Viel wahrscheinlicher ist es jedoch, dass viele Plattformen kaum das Prototypenstadium überleben und spätestens nach Projektende dem Marktdruck zum Opfer fallen werden. Eine Alternativstrategie sollte deshalb darin bestehen, technische und organisatorische Ansätze für eine möglichst große Zahl an industriellen Dienstleistern zu entwickeln, um deren Geschäft digital zu unterstützen – und zwar möglichst flexibel und plattformneutral. Abhängigkeiten von einzelnen Plattformbetreibern sollten somit vermieden und die Kontrolle über das eigene Servicegeschäft aufrechterhalten werden. Seitens des Fraunhofer IAO werden entsprechende Lösungen in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt »Intelligentes Servicesystem (iSrv)« entwickelt. Von dem dort entwickelten Instrumentarium Unternehmen können insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen profitieren und sich einen Startvorteil in der Plattformökonomie verschaffen.

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