Mitarbeitereinbindung in Industrie 4.0: Pessimisten erwünscht

Es könnte alles so schön sein: Das Geld ist da, das Projekt startet, die Ideen zur Umsetzung stehen fest und alle geben tosenden Beifall. Schön wär‘s… meistens sind jedoch Zweifel an der Lösung da, gerade innerhalb der großen Unbekannten »Industrie 4.0«. Das ist aber gar nicht schlimm! Denn jedes Projektmitglied, unwichtig, ob optimistisch oder pessimistisch eingestellt, kann zum Projekt beitragen.

In einem umfangreichen Experiment von Martin Seligman1 wurde untersucht, ob die Realitätseinschätzung von Optimisten oder Pessimisten besser ist. Das Ergebnis war, dass Pessimisten Risiken klarer sehen, während Optimisten diese stärker ausblenden. Der Abgleich positiver und negativer Perspektiven hat somit den Vorteil, dass Optimisten mit den Risiken eines Projekts konfrontiert und Pessimisten dessen Chancen verdeutlicht werden. Aufgabe der Projektleitung sollte es sein, eine ausgewogene Balance zwischen optimistischen und pessimistischen Sichtweisen zu finden. So kann er den Projektverlauf zusätzlich positiv beeinflussen. Wie ein gelungener und fruchtbarer Umgang mit zweifelnden Mitarbeitern aussehen kann, zeigen nachfolgende Tipps.

6 Tipps für den Umgang mit Pessimisten im Team

1.Bedenken des Mitarbeiters ernst nehmen
Die Vermittlung von Verständnis (»Mir ist bewusst, dass dies die zweite Prozessänderung in zwei Jahren ist«) vermittelt einem pessimistischen Projektmitglied, dass er mit seinen Bedenken nicht alleine ist.

2. Ängste erfragen
Dem Mitarbeiter soll die Möglichkeit gegeben werden, seinen Ängsten und seinem Ärger Ausdruck zu verleihen. Hierbei sollte dem »Pessimisten« auch alle Freiheit und Zeit gelassen werden, diese zu formulieren. Häufig kann dadurch schon eine umfängliche »Sorgensammlung« generiert werden.

3. Absicht des Projekts klar formulieren
Mit dem Verständnis für die Ängste der Projektmitglieder kann das Hauptziel des Projekts erneut klar formuliert werden. Mögliche falsche Selbstinterpretationen (Jobverlust, Übermannung durch Technik etc.), die der Mitarbeiter mit dem Thema verbindet, können so beseitigt werden.

4. Frage nach Verbesserungen
Die Einbeziehung des Mitarbeiters in das (ergebnisoffene) Projekt durch die Erfragung von Ideen und Verbesserungen kann seine Grundstimmung verbessern. Durch die Zugehörigkeit kann zudem eine positivere Einstellung zu dem Projekt erzeugt werden. Zweifel und eine pessimistische Grundhaltung rühren häufig daher, dass die betreffende Person den Eindruck hat, nicht (mit-)bestimmen zu können.

5. Vereinbarungen treffen
Festgelegte Meilensteine bieten einem pessimistischen Projektmitglied Sicherheit und ein Gefühl der Kontrolle über bzw. Kenntnis der Projektprozesse.

6. Keine Forderungen nach Kreativität
Bei einer skeptischen Grundeinstellung kann die Aufforderung zur Kreativität schnell Überforderung und im Ergebnis Blockierung des Mitarbeiters bewirken. Die im Punkt 4 beschriebene Frage nach Verbesserung oder lediglich offene Kritik einzelner Projektpunkte ist für starke Pessimisten leichter zu beantworten.

Welche Möglichkeiten der Mitarbeitereinbindung im Zusammenhang mit Industrie 4.0 bestehen, können Sie kostenfrei beim Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart erfahren. Schreiben Sie mir oder sprechen Sie mich bei einer der Informationsveranstaltungen des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart direkt an. Die nächsten Informationsveranstaltungen finden am 11.09.2017 im Applikationszentrum des Fraunhofer IPA und am 15.12.2017 im Future Work Lab des Fraunhofer IAO statt.

1Literatur: Seligman, Martin (1990): Learned optimism, 381 Seiten, München.

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Jessica Klapper

Jessica Klapper

Als Arbeitswissenschaftlerin erforscht sie die Möglichkeiten menschzentrierter Umsetzung von Industrie 4.0-Anwendungen im Produktionsumfeld. Auch privat steht bei ihr der Mensch im Mittelpunkt: Soziales Engagement und interkulturelle Kommunikation, besonders nach Asien, beschäftigen sie am Wochenende.

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