Notruf trifft auf Digitalisierung

Am Montag war der 11. Februar – Moment ich schreibe das Datum noch einmal anders: 11.2. – Haben Sie es erkannt? Richtig, es war der europäische Tag des Notrufs. Denn, die internationale Notrufnummer in Europa ist 112, die zusätzlich zu den nationalen Notrufnummern gültig ist. Jeden 11. Februar soll auf die Bedeutung dieser Notrufnummer hingewiesen werden. Auch wir möchten gerne in Bezug auf diesen Tag einige Gedanken zum Notruf mit Ihnen teilen und vielleicht einen Blick in die Zukunft werfen:

Standarddaten beim Notruf

In Deutschland gab es nach dem Statistikdienst Statista 57 Millionen Smartphones. Die Zahl hat sich innerhalb der letzten sieben Jahre verdoppelt. Die Notrufabfrage ist allerdings oft noch analog. Der Standort des Anrufers und der Ort des Geschehens müssen noch mündlich übermittelt werden. Dabei bietet jedes dieser Geräte die Möglichkeit, den Standort zu ermitteln. Hierfür gibt es mittlerweile einfache technische Lösungen, die jedoch aus Datenschutzgründen nicht umgesetzt werden können: Jeder Nutzer muss dies freigeben. Ob das in einer Situation höchster Anspannung und Aufregung möglich ist?

Es gibt in Europa ein System zur automatischen Notrufabsetzung in Kraftfahrzeugen – eCall – damit werden fünf Standardparameter übermittelt: Unfallzeitpunkt, Standort, Fahrtrichtung, Fahrzeugidentifikation, Service Provider und warum der Notruf ausgelöst wurde (manuell oder automatisch). Zusätzlich können weitere Daten wie z.B. Anzahl der Insassen, Schwere des Ereignisses, Überschlagserkennung und ob Sicherheitsgurte angelegt wurden, übermittelt werden. Dieses System ist ab 2017 verpflichtend bei der Baumusterzulassung. Jede Leitstelle in Europa kann diese Informationen empfangen und entsprechend Einsatzkräfte entsenden.

Warum geht das nicht beim normalen Notruf über Telefon, ohne dass ich eine App nutzen muss?

Notruf über Soziale Medien?

Auch wenn die Feuerwehren per #TwitterGewitter und #112live sehr viel über ihre Arbeit informieren, wird ein Notrufservice über Twitter sehr wahrscheinlich lange auf sich warten lassen. Chat-Dienste könnten aber zusätzlich zur Notruf-SMS, die angeboten wird, durchaus hilfreich sein. Damit könnten Bilder vom Einsatzort, wenn es Verständigungsprobleme gibt und standardmäßig der Standort, übermittelt werden.

Bei Ausfall von Notrufnummern, wäre eine Social-Media-Notrufabfrage denkbar. Beim Erdbeben in Haiti war Twitter einer der Kommunikationskanäle, da keine großen Datenmengen übermittelt wurden. Vermutlich werden die Nutzer selbst neue Wege finden, Social Media sinnvoll in Krisensituationen zu nutzen.

Die App als Schutzengel

Doch welche Möglichkeiten habe ich, wenn ich nicht mehr sprechen kann? eCall hatte ich schon erwähnt. Aber darüber hinaus gibt es viele Möglichkeiten des Notrufs.
Das iPhone unterstützt die Notruf-SMS, Android verschickt Nachrichten an vorher festgelegte Kontakte. Es gibt »Schutzengel«-Apps, die eine ähnliche Funktion haben. So eine Schutzengelfunktion könnte auch in NINA oder eine andere Warn-App integriert werden.

Die Kehrseite – Fehlalarme

Die Feuerwehrstatistik Baden-Württemberg weist steigende Fehlalarmzahlen aus. Ob dies an Heim-Rauchmeldern liegt, die seit 2013 verpflichtend in Wohn- und Schlafräumen installiert werden müssen, zeigt die Statistik nicht. Die Gefahr bei automatisierten Notrufen besteht natürlich im Fehlalarm. Aber auch hier bietet Digitalisierung Vorteile: Für Feuerwehreinsatzkräfte ist es sehr interessant zu wissen, ob ein Rauchmelder, der Notrufknopf an der Wand, oder mehrere Rauchmelder ausgelöst haben. Die Formel: »Ein automatischer Melder – wahrscheinlich Fehlalarm. Mehrere Melder – wahrscheinlich Feuer« bringt es hier auf den Punkt. Auch der Ort des Melders ist wichtig. Bislang bekommen Einsatzkräfte diese Information erst am Einsatzort und verlieren wertvolle Zeit für die Einsatzmaßnahmen. Wenn diese Informationen direkt zur Leitstelle übermittelt würden, könnte bedarfsgerecht alarmiert werden. Damit ließen sich Kosten- und vor allem auch Aufwand bei den meist ehrenamtlichen Einsatzkräften sparen. Ganz nebenbei hat der Betreiber auch noch etwas davon. Die Kosten für Fehlalarme könnten sinken.

Leselinks:

Patrick Drews

Patrick Drews

Sorgt für zivile Sicherheit. Stellt die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis sicher und erforscht zukünftige Modelle zur besseren Hilfeleistung bei Unglücksfällen und in Katastrophen. Im Privatleben Familienvater und Bergretter.

Autorenprofil - Website