Partizipative Zukunftsszenarien: Gestalten, wie wir in Zukunft arbeiten wollen

Wissenschafts­jahr 2018: Arbeitswelten der Zukunft
Wissenschafts­jahr 2018: »Arbeitswelten der Zukunft« ist das Thema des Wissenschaftsjahres 2018. Dabei geht es um Fragen, wie sich Arbeit in Zukunft verändert und welche Rolle Forschung und Wissenschaft bei der Bewältigung dieser Veränderungen spielen.

Zukünftig tauschen sich Mitarbeitende auch mit Maschinen darüber aus, wer welche Schicht übernimmt. Es werden Biosignale von Mitarbeitenden ausgewertet und zur Einhaltung von Ruhezeiten und zur Gesunderhaltung genutzt. Wunschszenario oder Utopie? Die Zukunft unserer Arbeit bietet viele Möglichkeiten – und wir könnten sie aktiv gestalten!

Bei vielen weckt die Vorstellung solcher Szenarien ambivalente Gefühle – von Optimismus, über Unsicherheit bis zu Angst. Gleichzeitig ist dieser technologische Wandel auch mit einem sozialen und kulturellen Wandel eng verbunden. Anforderungen und Erwartungen von Mitarbeitenden und Führungskräften an einen »guten« Arbeitsplatz und »gute« Arbeit verändern sich parallel zu technischen Entwicklungen. Vor Unternehmen liegt die Zukunft, egal ob nah oder in weiter Ferne – wie in dichtem Nebel.

Aktive Zukunftsgestaltung statt Unsicherheit

Dieser Nebel löst bei vielen Unternehmen Verunsicherung aus. Die meisten versuchen, wahrscheinliche oder mögliche Entwicklungen so gut es geht antizipieren, um sich so bestmöglich auf die Zukunft vorzubereiten. Dieser Ansatz hat etwas Schicksalhaftes und nimmt den Unternehmen Gestaltungsraum. Das Fraunhofer IAO geht deshalb einen anderen Weg: mithilfe designbasierter, partizipativer und co-kreativer Methoden werden WÜNSCHBARE Zukunftsszenarien entwickelt und damit eine aktive, akzeptierte und nachhaltige Gestaltung der Arbeitswelt der Zukunft ermöglicht. Dabei geht es weniger um Wissen über zukünftige Entwicklungen, als vielmehr um deren aktive Gestaltung. Mit designbasierten Methoden können die Anforderungen von Mitarbeitenden und Führungskräften an die Arbeit der Zukunft identifiziert und für die Strategieentwicklung nutzbar gemacht werden. So ist es möglich, Zukunft aktiv zu gestalten und Unternehmen und Mitarbeitende zukunftsfähig zu machen.

Partizipative Zukunftsszenarien als Grundlage für Transformationsprozesse

Mit partizipativen Zukunftsszenarien können zum einen Transformationsprozesse für Unternehmen gestaltet, aber auch Innovation und Forschung entlang der Anforderungen von Nutzenden gestaltet werden. Um eine gemeinsame akzeptierte, nachhaltige und bedarfsorientierte Vision zu entwickeln, müssen alle relevanten Stakeholder aus Technologieentwicklung, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft kollaborativ zusammengebracht werden. In verschiedenen Multi-Stakeholder-Workshops sprachen wir über die Wünsche für die Gestaltung der Zukunft der Arbeit, um auf dem Grundstein proaktiv auf die Zukunft hinzuarbeiten. Beispielsweise wurden in einem designbasierten Kreativworkshop mit Vertretern und Vertreterinnen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Stiftung und Gewerkschaft praxisnahe Konzepte entwickelt, um eine gemeinsam getragene Zukunftsvorstellung für Arbeit im Jahr 2025 zu erreichen. Dabei wurde deutlich: Die Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort je nach individueller Lebensphase und Präferenz spielt eine bedeutende Rolle, zumindest in der kurzfristigen Zukunft der Arbeit. Ein Abgleich der Bedarfe verschiedener Seiten im Unternehmen würde beispielsweise eine effizientere Ressourcennutzung ermöglichen. Darüber hinaus könnten sich Unternehmen – abhängig von Region und Branche – stärker vernetzen und Ressourcen teilen, beispielsweise Werkshallen oder Beschäftigte mit ähnlichen Kompetenzen. Voraussetzung für das Gelingen solcher Veränderungen ist der frühzeitige Einbezug aller betroffenen Akteure.

Wunsch an die Arbeit der Zukunft: Digitale Mentoren und Tools

Auch im Projekt »Shaping Future« entwickelten Bürgerinnen und Bürger Zukunftsszenarien zu zukünftigem Arbeiten auf Grundlage ihrer Wünsche und Ansprüche an die Mensch-Maschine-Interaktion der Zukunft. (Nicht) unähnlich zu den Zukunftsvorstellungen der Arbeit aus dem Multi-Stakeholder-Workshop zeigten die Ergebnisse, dass sich die Bürgerinnen einen digitalen Mentor wünschen, der sie bei der Bewältigung ihrer beruflichen Anforderungen unterstützt und der sehr fürsorglich entsprechend ihrer individuellen Präferenzen, Werthaltungen und Talente agiert: Big Mother statt Big Brother. Darüber hinaus wünschen sich die Workshop-Teilnehmenden Tools zur automatischen Überwachung und Optimierung ihrer individuellen Work-Life-Balance oder zur Unterstützung beruflicher Kommunikation und Networking.

Doch wie einheitlich sind unsere Vorstellungen zur Zukunft der Arbeit wirklich? Ähneln sich unsere Wünsche und Ansprüche? Oder sind sie vielmehr ein breiter Fächer voller Eventualitäten? Bei der re:publica am 4. Mai 2018 nehmen wir uns von 13:45 bis 14:45 Uhr in der Workshop-Session »Work fiction: Neue Arbeitszeitgestaltung in 2030+« dieser Frage an und richten erneut mithilfe designbasierter und partizipativer Methoden einen Scheinwerfer in die Zukunft, um das Dunkel auszuleuchten. Die Ergebnisse folgen Ende Mai in einem weiteren Blog-Beitrag von Roda Müller-Wieland, auch co-Autorin dieses Beitrags.

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2 Kommentare

  1. Liebe Frau Kaiser,

    herzlichen Dank für den interessanten Beitrag. Absolut richtig, und der Weg des Fraunhofer IAO in der Sache zweifelsfrei sinnvoll. Man kann es nicht deutlich genug unterstreichen: gerade auch im Kontext der Digitalisierung der Arbeitswelten / „Industrie 4.0“ sind Partizipation und möglichst breite intellektuelle und auch kreativ-praktische Beteiligung das Mittel der Wahl. Nicht nur, dass dadurch unmittelbar Optimierungspotenziale erschlossen werden können, auch ist es die richtige Antwort auf die nach wie vor schwelende Angst vor dem grossen Arbeitsplatzvernichter „Technischer Fortschritt“
    [siehe dazu auch: http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=21274 ].

    Wir alle als Gesellschaft insgesamt sind darauf angewiesen, durch kreative sowie innovative Wertschöpfung und Problemlösungskompetenz global begeistern zu können. Ängste und Ablehnungsreaktionen neuen Technologien und Möglichkeiten gegenüber sind hier Gift. Frühzeitige, offene und breite Befassung sowie möglichst viele dezentrale Experimente und Beteiligungsformen sind wesentliche Erfolgsvoraussetzungen.

    Herzliche Grüsse aus der Schweiz,
    Dr. Christian Abegglen

  2. Lieber Herr Dr. Abegglen,

    vielen Dank, dass Sie Ihre spannenden Gedanken zu dem Thema mit uns geteilt haben. Wir freuen uns sehr, dass auch Sie partizipativen Methoden im Transformationsprozess große Bedeutung zuschreiben.

    Herzliche Grüße
    Roda Müller-Wieland

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