Stadt, Land, ratlos: Wie kann die Nachhaltigkeit von Mobility Start-ups bewertet werden?

Nachhaltigkeit ist derzeit als Buzzword in vielerlei Munde. Das landläufige Verständnis von »nachhaltig« wird dabei oftmals mit Wörtern wie »ökologisch«, »umweltbewusst«, oder sogar »biologisch« vermischt – aber dieses Verständnis greift zu kurz. Nachhaltigkeit ist viel mehr als ein reduzierter ökologischer Fußabdruck oder weniger CO2 Ausstoß. In einem gesamtheitlichen Verständnis müssen nachhaltige Lösungen auch ökologisch und sozial verträglich sein. Und hier herrscht Nachholbedarf.

Vollumfänglich nachhaltige Lösungen liefern neben ihrer Umweltverträglichkeit auch einen Mehrwert für die Gesellschaft und sind aus finanzieller Sicht langfristig tragbar. Hier sieht man schon, Kriterien und Messgrößen für das schöne Buzzword sind gar nicht so leicht zu fassen. Genau darum geht es in einem aktuellen Projekt des Fraunhofer IAO, welches derzeit im Rahmen des EIT Urban Mobility (European Institute of Innovation & Technology, Schwerpunkt urbane Mobilität, eine Initiative der Europäischen Union) läuft.

Grün sind sie alle – aber auch wirklich nachhaltig?

Im Kontext der urbanen Mobilität von Morgen wird derzeit stets nach nachhaltigen Ideen und Ansätzen gesucht. Lösungen für den Verkehr und Transport in der Stadt der Zukunft müssen immer auch die Anforderungen des Buzzwords der Nachhaltigkeit erfüllen. Doch welche Anforderungen sind das überhaupt? Und woher kommen diese neuartigen Lösungen eigentlich?

Die zweite Frage ist dabei etwas schneller beantwortet als die erste. Im großen Innovationsfeld der urbanen Mobilität tummeln sich eine Vielzahl von Start-ups und jungen Unternehmen, welche eigene Ideen, Services oder Produkte für die Optimierung unserer städtischen Verkehrsprobleme entwickeln oder entwickelt haben. Wie jedoch findet man nun als Stadt, städtischer Verkehrsbetrieb oder sonstiger Akteur heraus, welche dieser Lösungen die jeweils beste für das eigene Problem ist? Und dabei vor allem auch noch möglichst nachhaltig ist?

Messen statt raten: Das »Sustainability Assessment Tool«

Vor dem Hintergrund all dieser Fragen hat das Fraunhofer IAO einen ersten Entwurf eines Sustainability Assessment Tools erarbeitet, mit dem neuartige Lösungen und Start-ups aus dem Bereich der urbanen Mobilität anhand vorher durch das Institut definierter Kriterien, hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit evaluiert werden können. Stehen also zwei oder mehr verschiedene Lösungsansätze für ein gegebenes Mobilitätsproblem zur Auswahl, so kann anhand des Fraunhofer-Tools eine quantitative Bewertung und somit eine Vergleichbarkeit erzielt werden (siehe Abbildung).

Dabei fließen aus allen drei Bereichen der Nachhaltigkeit unterschiedliche Fragestellungen in die Bewertung ein. Anhand eines kurzen Fragebogens werden jeweils 11 Fragen zu den Bereichen ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit adressiert und je nach Punkte vergeben. Durch Summierung und Verrechnung dieser Punkte erhält man letztlich ein quantitatives und vergleichbares Ergebnis.

Abbildung: Schematischer Prozess zur Nachhaltigkeitsbewertung von Start-up-Ideen anhand des Fraunhofer Sustainability Assessment Tools. (Quelle: Fraunhofer IAO)
Abbildung: Schematischer Prozess zur Nachhaltigkeitsbewertung von Start-up-Ideen anhand des Fraunhofer Sustainability Assessment Tools. (Quelle: Fraunhofer IAO)

 

Zielgruppe für das derzeit in Weiterentwicklung befindliche Werkzeug sind einerseits die angesprochenen Städte und städtischen Verkehrsbetriebe. Auf der anderen Seite können jedoch auch eine Vielzahl anderer Start-up-Scouts mit Hilfe des Tools neue Kriterien zur Auswahl ihrer Start-up-Kollaborationen heranziehen. Nicht zuletzt können sich interessierte Start-ups ebenso selbst evaluieren und ihre eigene Nachhaltigkeitsstrategie benchmarken.

Wenn Sie an dieser Thematik interessiert sind, Denkanstöße haben oder gerne mehr über unsere Forschung im Bereich nachhaltiger Unternehmen wissen wollen, so freuen wir uns sehr über Ihre Kontaktaufnahme!

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Florian Albert

Florian Albert

Die frühe Phase von Innovationsprozessen und offenen Innovationsökosystemen im Bereich des digitalen Fahrzeugs und der Mobilität von morgen sind die Forschungsschwerpunkte von Florian Albert. Als Leiter des Fraunhofer Innovationsnetzwerks »FutureCar« betreut er diese vorwettbewerbliche Austauschplattform für Automobilhersteller, Zulieferer und Mobilitätsdienstleister. Im Rahmen des FutureCar Netzwerks wird der Transformationsprozess der weltweiten Automobilwirtschaft, bedingt durch die Elektrifizierung, Automatisierung und Vernetzung der Fahrzeuge, auf einer gemeinschaftlichen Basis untersucht, erforscht und verstanden. Als Teil des Teams »Mobility Innovation« beschäftigt er sich somit tag täglich mit neuen Trends, innovativen Technologien und cleveren Lösungen für unsere zukünftige Fortbewegung

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