THINK WIDE: Der Einfluss des Workation Trends auf Urlaubsdestinationen

Arbeiten am Strand oder auf einer Berghütte mit Alpenpanorama? Viele Unternehmen setzen sich derzeit mit dem Trend »Workation« auseinander und erweitern die Möglichkeiten des remote Arbeitens auf sogenannte dritte Arbeitsorte. Werden Büro- und Wissensarbeitende zukünftig digitale Nomaden auf Zeit?

Workation mood: das digitale Nomaden-Light-Modell?

Ich bin dann mal weg! Bereits seit einigen Monaten wird der Trend »Workation« oder auch »Bleisure Travel« viel diskutiert. Auf Social-Media-Plattformen wie Instagram spiegelt sich der Trend bereits in Form von Fotos wider. 267 000 Ergebnisse lassen sich zum Hashtag #Workation finden. Zu #remotework sind es sogar 1,4 Millionen Bilder, meist mit einer typischen Urlaubskomposition aus Strand, Cocktail und strahlendem Sonnenschein kombiniert mit Arbeitslaptop. Im Innovationsverbund Future Hotel (siehe Leserlink) analysieren wir am Fraunhofer IAO neue Trends und Zielgruppen, um zukunftsfähige Hotellandschaften zu gestalten. In Zusammenarbeit mit Partnern diskutieren wir neue »Travel Pattern« und damit verbundene Bedarfe an temporäre »Zuhause auf Zeit« im interdisziplinären Kontext. Die derzeitigen »Mega Trends« Workation und Bleisure Travel spielen bei der Gestaltung zukünftiger touristischer Destinationen eine maßgebliche Rolle, denn aufgrund der steigenden Flexibilität von Ort und Zeit wächst die Zielgruppe der »Digitalen Nomaden light« stetig weiter an. Eine wissenschaftlich basierte Differenzierung der Begriffe Workation und Bleisure Travel ist derzeit nicht ersichtlich. Zur Eingrenzung des Themenbereichs für den weiteren Verlauf definiere ich die Begriffe wie folgt:

Workation beschreibt die Kombination von Leisure- und Businessreisen unter der Voraussetzung, der Möglichkeit des räumlich unabhängigen Arbeitens mit dem Ziel, Erholung und Arbeitstätigkeit temporär zu verbinden. Die Aufenthaltsdauer an der Destination kann stark variieren, ebenso die konkreten Umstände eines Workation-Aufenthalts.

Grundsätzlich zeigen Rechercheergebnisse des Innovationsnetzwerks FutureHotel, dass der Bedarf an Urlaubsorten mit schnellem, zuverlässigem Internet und Coworking-Bereich stetig zunimmt. Die TUI Group wirbt in ihrer TUI Blue Location neben einer Meeresbrisengarantie mit Arbeitsplätzen inklusive Maus und Tastatur sowie Copy Shop Services. Madeira bietet Workation-Interessierten unterdessen auf einer Plattform einen Überblick über Nomad Communities, monatlich buchbare Service Apartments und gemeinschaftliche Freizeitaktivitäten mit weiteren arbeitsmotivierten Reisenden. Auch Airbnb erkennt einen Wechsel der gebuchten Unterkünfte. Laut Airbnb Co-Gründer und CEO Brian Chesky buchen derzeit 20 Prozent der Nutzenden Unterkünfte für 28 Tage oder länger, was mit der Flexibilisierung der Arbeitswelt und der sinkenden Büroarbeitstage in Verbindung gebracht wird. Und auch wenn es sich derzeit um eine Randerscheinung in der Tourismusbranche handelt, spricht wenig gegen einen »Rise of digital nomads« – zumindest in der Light-Version mit dem eigenen Zuhause als ständigem Backup Plan.

© Fraunhofer IAO
© Fraunhofer IAO

 

Leistungssteigerung durch Workation-Angebote?

Kann Workation demnach eine Teillösung gegen den steigenden Workload darstellen und ein Ansatz zur Steigerung von Kreativität und Motivation sein? Auch wenn es fraglich bleibt, ob Erholung in Kombination mit ständigen Meetings über virtuelle Kommunikationsplattformen gelingen kann, die Vorstellung, temporär aus dem Arbeitsalltag auszubrechen, um insbesondere für kreative Arbeitsprozesse Ideen in einer neuen Umgebung im interdisziplinären Austausch zu generieren, klingt verlockend. Im Allgemeinen kann eine Veränderung des Arbeitsumfelds tatsächlich zu einer verbesserten Performance führen, wie die Studie »Office Analytics« zur Arbeitsplatzgestaltung des Fraunhofer IAO aus dem Jahr 2017 zeigt (siehe Leselinks), die einen signifikanten Zusammenhang zwischen Indikatoren wie Motivation und Performance sowie einer vielfältigen Arbeitsumgebung feststellte. Inspiration, neuer Elan, Kreativität, Netzwerkmöglichkeiten und gegebenenfalls doch die ein oder andere Erholungsphase mehr? Derzeit liegen keine gesicherten wissenschaftlichen Ergebnisse zur Auswirkung von Workation auf das Wohlbefinden und die Motivation sowie die Arbeitsqualität vor. Dennoch nähern sich Unternehmen dem Thema »Workation« zunehmend experimentell und generieren erste Selbsterfahrungswerte.

Neue Anforderungen an Workation-Destinationen

Die Anforderungen der neuen Zielgruppe der Workation-Reisenden decken sich kaum mit den Bedarfen von Freizeittouristinnen und -touristen. Dienstleister, wie die Online-Plattform preply.com sowie die Reisesuchmaschine momondo.de entwickelten in den letzten Monaten sogenannte Workation-Indexe, mit dem Bestreben, ein Ranking möglichst vieler Urlaubsstandorte bezogen auf ihre Workation-Fähigkeiten zu erstellen. Bewertet wurden unter anderem Faktoren wie die Internetverbindung, die durchschnittlichen Kosten der Unterkunft, Wetterbedingungen, die Dichte der Coworking Spaces, die Erreichbarkeit des Ortes sowie die Kriminalitätsrate. Damit unterscheiden sich zumindest einige Faktoren deutlich von denen eines klassischen Index für Leisure Travel. Wohingegen die Gestaltung und Ausstattung von Unterkünften direkt von neuen Anforderungen der Zielgruppe betroffen sind, verändert Workation insbesondere auch die unmittelbare Umgebung. An Strandpromenaden mit Cafés, Restaurants und Läden mit einem Überangebot an Wasserbällen könnten sich nach und nach Coworking Spaces und Automaten mit Ersatzkabeln und Bluetooth-Kopfhörern gesellen. Neben klassischen Ferienwohnungen ist die Entwicklung neuer Wohnraumkonzepte wie Coliving-Modelle denkbar, um den Austausch mit anderen Coworkerinnen und -workern zu stärken und zusammen das Yoga-Strandstudio nach der getanen Arbeit zu besuchen. Hier gilt es, zukünftig weitere Erkenntnisse der Workation-Persönlichkeiten zu gewinnen, um möglichst konkrete Zukunftsszenarien abzuleiten. Zusätzlich bedarf es einer genauen Analyse der Dynamiken: Da Workation-Nutzende nicht immer auf ein spezielles Angebot zurückgreifen, sondern ihre Reisen teils sehr individuell planen, kann nicht allein von der Nachfrage nach gelabelten Workation-All-inklusive-Angeboten auf die tatsächliche Größe der Zielgruppe geschlossen werden. Es bedarf weiterer Forschungsüberlegungen, wie sie derzeit im Rahmen des FutureHotel Projekts stattfinden.

Leselinks:

Katharina Dienes

Katharina Dienes

Teil des Teams Smart Urban Environments am Fraunhofer IAO. Interessiert an allen Geschichten hinter der Geschichte und fasziniert von kreativen Räumen in urbanen Quartieren oder im unmittelbaren Bürokontext. Überzeugte Co-Working Liebhaberin mit einem Faible für Schnittblumen, schwarzen Kaffee & Wein!

Autorenprofil - LinkedIn

Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.