Vertrauen kommt von innen – Wie sich die Innenraumgestaltung auf die Akzeptanz von autonomen Fahrzeugen auswirkt

Wie weit würden Sie Ihrem Fahrzeug vertrauen? Würden Sie sich einfach auf der Rückbank bedenkenlos entspannen, während das Auto fährt, oder gehören Sie auch zu den Fahrern, bei denen sich der Puls kurzzeitig erhöht, wenn Sie den automatischen Einparkassistenten aktivieren? Bei der Entwicklung autonomer Fahrzeuge rücken zunehmend gesellschaftliche Themen wie das Vertrauen in die neue Technologie in den Fokus.

Einige Studien zeigen, dass das Vertrauen, verursacht durch den Kontrollverlust und das damit verbundene fehlende Sicherheitsgefühl, bei den Nutzern nur gering vorhanden ist. Nicht nur für den Erfolg der Technologie ist das Vertrauen in autonome Fahrzeuge von großer Bedeutung, sondern auch für die Akzeptanz der Nutzer. Wenn kein oder wenig Vertrauen vorhanden ist, werden autonome Fahrzeuge in Zukunft wohl eher nicht genutzt werden. Das wäre sehr schade, denn die Vorteile des autonomen Fahrens klingen absolut vielversprechend: Erhöhung der Sicherheit, verbesserte Verkehrseffizienz, mehr Komfort, Zeitersparnis usw.

Die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine

Um die Unsicherheiten und Skepsis der Menschen gegenüber neuen Technologien ab- und das Vertrauen aufzubauen, muss ein Sicherheitsgefühl geschaffen werden. Selbst wenn ein technisch perfekt ausgereiftes autonomes Fahrzeug die Menschen jederzeit sicher ans Ziel bringen kann, wird dieses weder genutzt noch gekauft, wenn sich der Insasse darin unsicher fühlt. Eine Lösung liegt in der Interaktion zwischen Fahrer und Fahrzeug: Ziel ist es, die Mensch-Maschine-Schnittstelle im Fahrzeuginnenraum, die mit dem Menschen kommuniziert, so zu gestalten, dass eine emotionale Beziehung zum Fahrzeug aufgebaut werden kann, die wiederum das Sicherheitsgefühl positiv beeinflusst. Das dadurch erhöhte Vertrauen der Menschen trägt zur Akzeptanz autonomer Fahrzeuge in der Gesellschaft bei und steigert somit auch die Nutzungsabsicht.

Zuverlässigkeit, Kommunikation und Informationsaustausch

Ein weiterer grundlegender Faktor und Grundvoraussetzung für das Vertrauen in eine Automation ist die Gewährleistung von Zuverlässigkeit des Systems. Die Einstellung der Menschen gegenüber einer Technologie basiert in erster Linie auf den Erfahrungen, die sie damit machen. Diese sind jedoch völlig subjektiv und bei jedem Menschen individuell. Das Erleben eines autonomen Systems ist entscheidend, um ein angemessenes Vertrauen aufzubauen. Dies ist allerdings erst möglich, wenn der Zugang zu autonomen Fahrzeugen vorhanden ist. Jedoch besteht das Problem aktuell darin, dass autonome Fahrzeuge nicht gerade kostenfrei zum Testen an jeder Straßenecke rumstehen. Das bedeutet, dass die Erfahrungen wohl erst gesammelt werden können, sobald die ersten autonomen Fahrzeuge im Straßenverkehr integriert werden.

Zu den weiteren Einflussfaktoren für das Vertrauen gehören die Kommunikation zwischen Mensch und autonomen Fahrzeug sowie die Informationen, die dieses bereithält. Dabei spielen auch Art und Häufigkeit von Informationen eine entscheidende Rolle. Diese zwei Parameter sollten individuell einstellbar sein, da das Vertrauen gleichzeitig mit einer Lernkurve wächst und mit mehr Erfahrung auch der Bedarf an Informationen abnimmt. Zu viele Informationen können trotz vorhandenem Vertrauen schnell als lästig empfunden werden und von anderen Tätigkeiten ablenken, was die Beziehung zur Schnittstelle wiederum negativ beeinflusst.

Außerdem ist es förderlich, wenn bei der Schnittstelle menschenähnliche Eigenschaften wie eine Stimme oder ein Name zum Einsatz kommen, um das Vertrauen zu erhöhen und eine emotionale Beziehung zum Fahrzeug aufzubauen. D.h. dass zum Beispiel eine menschliche Stimme mit dem Fahrer spricht, so wie wir es von Navigationsgeräten kennen, die der Nutzer mit einem Namen anreden kann.

Was bedeutet das für die Gestaltung des Fahrzeuginnenraums?

Eine Kombination aus allen Faktoren führt zu einem Gestaltungsansatz, der zeigt, wie die Mensch-Maschine-Schnittstelle im Fahrzeuginnenraum optimalerweise aussehen könnte, um das Sicherheitsgefühl beim Nutzer zu stärken:

Die Mensch-Maschine-Schnittstelle stellt idealerweise ein intelligentes System dar, das über eine Stimme mit dem Insassen kommuniziert. Die Schnittstelle sollte dabei wie ein greifbares Objekt mit menschlichen Eigenschaften gestaltet werden, die als eine Art persönlicher Bezugspunkt für den Nutzer dient. Der asiatische Automobilhersteller NIO hat zum Beispiel eine kleine Kugel namens »Nomi« mit einem Emoji-ähnlichen Gesicht in den Fahrzeuginnenraum eingebaut. Durch Schnittstellengestaltungen wie diese werden Emotionen durch menschliche Eigenschaften geweckt, die auch auf die Bedürfnisse der Nutzer wie ein persönlicher Begleiter eingehen können. Die Schnittstelle stellt individuell anpassbare Informationen über Gefahren und Handlungen des Fahrzeugs bereit. Als weiteres Kommunikationsmittel kann die Kommunikation auch über optische Signale erfolgen, zum Beispiel mit farbigen Lichtsignalen auf einer großen Fläche im Innenraum. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Wohlfühlatmosphäre im Fahrzeuginnenraum. Designer sollten bei der Gestaltung des Innenraums eine Farb- und Materialgestaltung mit hellen Farben, runden Formen und einer Wohlfühlatmosphäre berücksichtigen, da sich diese positiv auf das Vertrauen auswirken.

Das Wohlbefinden der Menschen ist von zentraler Bedeutung für das Vertrauen in eine neue Technologie und spielt eine große Rolle für das Sicherheitsgefühl. Die Akzeptanz autonomer Fahrzeuge wird in der Gesellschaft nur erreicht werden, wenn eine passende gestalterische Lösung für das Vertrauensproblem umgesetzt wird. Nur wenn Automobilhersteller es schaffen, gemeinsam mit Innenraumdesignern eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, werden autonome Fahrzeuge von den Nutzern akzeptiert und zukünftig verstärkt auf unseren Straßen zum Einsatz kommen. Nur so besteht die Chance, einen wichtigen Schritt in Richtung einer nachhaltigeren und effizienteren Mobilität zu gehen.

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