Wie die Cloud zur »F&E-Abteilung« für KMU und Mittelständler werden kann

Kleine Unternehmen und Mittelständler sind eigentlich gut aufgestellt, wenn es um ihre Innovationsfähigkeit geht: Sie kennen ihre Kunden Frau Müller oder Herrn Maier mit ihren individuellen Vorlieben ganz genau. Sie könnten also auch schnell und flexibel agieren, wenn es darum geht, auf deren veränderte Bedarfe einzugehen. Die Realität sieht jedoch anders aus:

Verschiedene aktuelle Erhebungen belegen, dass die Innovationskraft im Mittelstand zurückgeht, zumindest, wenn man sich die Entwicklung der Produktivität im Vergleich zu Großunternehmen anschaut. Gerade, wenn es darum geht, digitale Elemente in ihr Leistungsgebot aufzunehmen, zögern KMU häufig. Der Tenor ist: »Die Großunternehmen betreiben für viel Geld ihre eigenen F&E-Abteilungen oder kaufen sich nach Bedarf Technologie-Experten ein – In der Größenordnung können wir nicht mithalten«. Entscheidet man sich dann doch für das Neue, dann eher inkrementell und gerne innerhalb der eigenen Komfort-Zone. Produkte oder Prozesse werden mit bereits angewandten Technologien an der bestehenden Kundschaft weiterentwickelt, anstatt mutig eine radikale Innovation anzugehen. Fairerweise haben es kleine Unternehmen vergleichsweise schwer, denn mögliche Verluste treffen sie auch ungleich härter. Zu Recht überlegen sie sich also sehr genau, welche Idee wirklich erfolgsversprechend ist.

Welche Innovationswege gibt es in der Cloud und welche Rolle spielen Kooperationen dabei?

Die Digitalisierungswelle bietet eine riesige Spielwiese an Möglichkeiten, um Innovationen in die Tat umzusetzen. Betrachten wir einmal die Basistechnologie Cloud Computing: Im Vergleich zu klassischen IT-Lösungen lassen sich über die Cloud eigene Systeme flexibel mit externen Anwendungen ergänzen. Lässt sich ein Kundenbedarf nicht allein aus den bestehenden Kompetenzen bewältigen, so können über Schnittstellen relativ schnell passende externe Services ins Leistungsangebot des eigenen Unternehmens eingebunden werden, die diese Bedarfe abdecken. Echte Synergie entsteht, wenn ebenbürtige Partner mit echten Interessen aufeinandertreffen: Zum Beispiel ein Anbieter eines Indexes zur Bestimmung eines zeitvariablen Stromtarifs und ein Stadtwerk. Der Anbieter des Cloud-Services sucht nach einer Möglichkeit, die Machbarkeit der Integration nachzuweisen und seinen Cloud-Service später weiteren Kunden anzubieten und das Stadtwerk erhofft, mit dem neuen Stromtarif den Bestandskunden den Zugang zu regionalem Grünstrom zu ermöglichen oder neue Kunden für sich zu gewinnen.

Wann ist eine Cloud-basierte Kooperation für mich sinnvoll?

In der Praxis gibt es ein paar typische Merkmale für erfolgreiche Kooperationen in der Cloud:

  1. 1. Die eigene Unternehmenskultur ist kooperativ – auch nach außen: Die Führungsebene muss generell offen dafür sein, Dinge einmal auszuprobieren. Wenn innovative Vorhaben sofort mit Totschlägerargumenten wie »Daran sind schon ganz andere gescheitert« niedergeschmettert werden, fehlt das nötige Vertrauen. Und wenn intern bereits eine Kooperationskultur gelebt wird, externe Berührungspunkte aber starke Ängste schüren und deshalb Sätze fallen wie: »Wir lassen uns doch nicht von denen in die Karten schauen«, dann kann auch der motivierteste Mitarbeiter dem Innovationsprojekt nicht zum Erfolg verhelfen.
  2. 2. Die Kooperationspartner sind von der Idee überzeugt: Die Kooperationspartner müssen, jeder für sich, verstanden haben, welche individuellen Ziele sie mit der Idee verfolgen und welche Mehrwerte ihnen die Innovation im Erfolgsfall schafft. Erst dann bringen beide Seiten das notwendige Commitment mit, um Höhen und Tiefen in den Entwicklungsphasen gut durchzustehen.
  3. 3. Gegenseitige Sympathie und offene Kommunikation sind die Basis: »Drum prüfe, wer sich bindet« – Den oder die »richtigen« Partner für sein Vorhaben zu finden, ist auch im Kooperations-Kontext schwierig. Denn nur, wenn man eine gewisse Nähe und ein Vertrauensverhältnis miteinander aufbauen kann, ist man auch bereit, sich zu öffnen und sich auf Augenhöhe auszutauschen, bzw. zu kooperieren. Gerade auch, wenn es zum Beispiel um das heikle Thema vom Datenaustausch in der Cloud geht. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass geteiltes Wissen sich vermehrt. Rückmeldungen aus unseren Projektarbeiten waren hierzu zum Beispiel: »Ich fand den Austausch nicht nur fachlich, sondern vor allem auch persönlich sehr spannend und lehrreich«, »Ich habe viel im Projekt von den anderen gelernt und es entstanden Netzwerkeffekte«, »Die Arbeit abseits des üblichen Tagesgeschäfts hat mir großen Spaß gemacht. Im Projekt konnte ich auch mal über den Tellerrand schauen.«
  4. 4. Freiräume schaffen, um Innovation zuzulassen: Gerade Innovationsprojekte, die eine technologische Komponente wie Cloud Computing beinhalten, haben sehr viele Unbekannte. Man sollte die Projektarbeit unmöglich bereits zum Start engmaschig planen und ausdefinieren. Ein Projektplan macht natürlich Sinn, er sollte aber bewusst Freiräume für Spontanität und Experimentierfreude lassen. Wenn die Partner zusammen nach der Hälfte des Projekts auf die Idee kommen, dass ein Hackathon zur Ideenfindung auf Basis der Cloud oder ein Erklärvideo zur Funktionsweise für sie nützlich ist: Her damit und einfach machen!
  5. 5. Ein neutraler Beteiligter in der Moderatorenrolle hilft: Eine Kooperation zwischen Unternehmen plus einem wissenschaftlichen Beteiligten, wie zum Beispiel einem Forschungsinstitut, hat in unseren Cloud-Projekten gut funktioniert. Der ergänzende »Mitspieler« nimmt eine neutrale Moderatoren- bzw. Koordinatorenrolle ein und kann optimalerweise auch nach Bedarf inhaltlich unterstützen. Indem er den Projektrahmen vorgibt, entlastet er die Partner organisatorisch und koordinativ. Er kann auch kleinere strategische, fachliche oder technische Aufgaben übernehmen, sodass sich die Partner voll und ganz auf ihre technologische Arbeit im Innovationsprozess konzentrieren können. Wenn es doch einmal Unstimmigkeiten oder Meinungsverschiedenheiten gibt, kann er zudem vermitteln und die Harmonie im Team wiederherstellen.

Eine kleiner Appell zum Schluss: Welche Ideen haben Sie schon länger in der Schublade, um Frau Müller oder Herr Maier zu begeistern? Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, um diese aktiv anzugehen! Finden Sie Inspiration für Ihre eigenen Projekte in unseren Cloud-Projektdokumentationen. Wenn Sie bereits eine Idee haben und direkt loslegen möchten, dann beschreiben Sie uns diese einfach und bewerben Sie sich jetzt für eine kostenfreie wissenschaftliche Unterstützung in unserem Ideenwettbewerb.

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Julia Härle

Julia Härle

Julia Härle ist Kommunikationsexpertin im Team »Digital Business«. Sie forscht übergreifend an innovativen Themen wie Zukunftsforschung, Cloud Computing und Internet of Things und engagiert sich dafür, Projektergebnisse an die Zielgruppen heranzutragen.

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